Los Angeles Dodgers bestehen einzigartige Prüfung

In der vielleicht ungewöhnlichsten Saison in der langen Geschichte der Major League Baseball (MLB) stand am Ende der erwartete Champion. Die Los Angeles Dodgers feierten in der Nacht auf Mittwoch im sechsten Spiel der World Series gegen die Tampa Bay Rays den alles entscheidenden vierten Sieg. Nachdem der 3:1-Erfolg feststand, kannte die Freude über den ersten Titelgewinn seit 1988 und den insgesamt siebten der Franchise keine Grenzen mehr.

„Wir haben es immer gesagt: Das ist unser Jahr. Und keiner in Dodger-Blau hat je daran gezweifelt“, sagte Manager Dave Roberts nach dem Triumph. Corey Seager, der zum wertvollsten Spieler der Finalserie gewählt wurde, betonte: „Die Mannschaft war die ganze Saison über unglaublich, auch während der Quarantäne. Wir waren von Anfang an bereit und haben nie aufgehört.“

Das Coronavirus blieb bis zum Schluss ein Begleiter der MLB und nahm im finalen Spiel fast schon tragikomische Züge an. Denn vor dem achten Inning wurde Dodgers-Profi Justin Turner ausgewechselt, nachdem er von einem positiven Covid-19-Test erfahren hatte. Hinterher meldete er sich via Twitter zu Wort: „Ich habe so ziemlich jede mögliche Emotion durchgemacht, die man sich vorstellen kann. Schade, dass ich nicht da draußen sein kann, um mit meinen Jungs zu feiern. Ich bin so stolz auf diese Mannschaft.“

Die Dodgers waren als Topfavorit in die verspätet gestartete und letztlich deutlich verkürzte Saison gegangen. Von den 60 Hauptrundenspielen gewannen sie 43 – nur vier Teams in der MLB-Historie konnten prozentual mehr Spiele gewinnen als Los Angeles.

Doch in den Play-offs drohte in der National League Championship Series mal wieder das große Scheitern, als die Dodgers gegen die Atlanta Braves von den ersten vier Spielen drei verloren. Allerdings gewannen die Kalifornier die folgenden drei Partien, zogen in die World Series ein und ließen sich dort auch von einer wilden 7:8-Niederlage im vierten Duell mit den Rays nicht beeindrucken.

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Jeweils etwas mehr als 11.000 Zuschauer wurden Zeugen der Finals im texanischen Arlington, es waren die einzigen sechs Spiele der Saison, bei denen immerhin ein paar Zuschauer dabei sein durften. Ansonsten dominierte Corona das Geschehen auf und neben dem Platz.

Das galt auch für Tampa Bay. Randy Arozarena, der in den Play-offs mit zehn Homeruns einen Rekord aufstellte und sein Team auch im sechsten Duell mit den Dodgers in Führung gebrachte hatte, fehlte der Mannschaft wegen eines positiven Corona- Tests zwischenzeitlich einen Monat.

Der MLB-Chef Rob Manfred war nach dem von vielen nicht für möglich gehaltenen und halbwegs regulären Saisonabschluss einfach nur erleichtert: „Wir sind froh, dass wir es geschafft haben. Ich denke, es ist eine große Leistung, dass die Spieler diese Saison durchgezogen haben.“

Und am Ende steht nun sogar ein Meister, über dessen Berechtigung es auch in ein paar Jahren wohl keinen Zweifel geben wird. Nach zwei Finalniederlagen 2017 und 2018, Ausgaben von hunderten Millionen US-Dollar für Spieler wie zuletzt Mookie Betts und einem Kern von Klublegenden – angeführt von Pitcher Clayton Kershaw und eben Justin Turner – war der Titelgewinn nur eine Frage der Zeit.

Aber Baseball ist ein unberechenbarer Sport, viel Geld heißt nicht automatisch viele Meisterschaften. Manchmal setzt sich aber schon das Team mit den besten Voraussetzungen durch – selbst in einer derart ungewöhnlichen Saison wie es die 2020er war.