Lässiges Kruse-Comeback, aber nur ein Punkt für 1. FC Union

Als die Spieler des 1. FC Union unmittelbar vor dem Anpfiff aufs Feld kamen, lief Max Kruse als letzter die Treppe hoch. Lässig und ganz ohne Dringlichkeit betrat der Stürmer zum ersten Mal seit mehreren Monaten das Spielfeld im Stadion an der Alten Försterei. Man hätte fast denken können, das hier sei für den 32-Jährigen nur ein Aufwärm-Kick und nicht sein lang ersehntes Bundesliga-Comeback.

Wie so oft bei Max Kruse täuschte aber der Eindruck von Lässigkeit. Bei 100 Prozent war der Rückkehrer offensichtlich nicht, als er zum ersten Mal seit seiner Verletzung Anfang Dezember im Berliner Derby wieder für Union auflief, und 90 Minuten konnte er auch nicht spielen. Doch das brauchte er auch nicht. Er benötigt nur einzelne Momente, um ein Spiel zu beeinflussen. Das war auch beim 1:1 (1:1) gegen die TSG Hoffenheim am Sonntagmittag zu erkennen.

Ganz früh im Spiel sicherte Kruse mit einem solchen einzelnen Moment seiner Mannschaft einen Punkt. Den Elfmeter zur Führung schoss er nicht nur selbst – er sorgte auch dafür, dass er überhaupt zustande kam. Dass er danach eher selten glänzte, konnte man dem 32-Jährigen kaum übel nehmen. Er hatte ja seit Wochen nicht mehr gespielt – und für den Punkt reichte auch der eine Moment. “Es hat sich gut angefühlt. Es war jetzt eine lange Zeit und ich bin froh, dass ich der Mannschaft wieder helfen kann. Es war nicht so, dass ich komplett außer Atem war”, sagte Kruse nach dem Spiel.

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Ein gelungenes Comeback also, zumal Union mit dem Unentschieden gut leben kann. “Wir sind sehr zufrieden, es war ein gerechtes Unentschieden”, sagte Kapitän Christopher Trimmel bei “Dazn”. Auch einen Sieg hätte keinen direkten Einfluss auf die Tabellenplatzierung gehabt. Mit dem Remis festigen die Köpenicker ihren Griff auf Platz sieben und stehen nun nach 23 Spieltagen einen Punkt vor Borussia Mönchengladbach.

Im Vergleich zum 1:0-Sieg in Freiburg vergangene Woche nahm Trainer Urs Fischer nur eine Änderung vor. Für Marius Bülter kehrte Kruse nach fast dreimonatiger Pause in die Startelf zurück. Anders als befürchtet konnte Christopher Lenz – der in der Woche mit muskulären Problemen zu kämpfen hatte – doch von Beginn an spielen, musste aber zur Halbzeitpause ausgewechselt werden. Und weil Andreas Luthe nach seiner Abwesenheit aus persönlichen Gründen auch noch leicht angeschlagen sein soll, stand Loris Karius zum dritten Mal in Folge in der Startelf.

Nach einer ruhigen Anfangsphase zeigte Kruse schon in der achten Minute, warum er Union in den letzten Wochen gefehlt hat. Nach einem Konter auf rechts suchte er mit einem klugen Steilpass in den Strafraum den anlaufenden Christopher Trimmel, der von Florian Grillitsch klar gefoult wurde. Den Strafstoß schoss Kruse ins obere Eck zu seinem siebten Saisontor.

Hoffenheims Außenverteidiger Chris Richards (links) gegen Unions Kapitän Christopher Trimmel.Foto: Tobias SCHWARZ / various sources / AFP

Die Gäste ließen sich von dem Rückstand nicht beeindrucken. Als Ihlas Bebou den Ball über Karius lupfte, konnte Marvin Friedrich kurz vor der Linie retten. Wenige Momenten später trat Karius in Aktion, als er einen gefährlichen Distanzschuss von Grillitsch fliegend parierte.

Nachdem sie diesen ersten Sturm überstanden hatten, kassierten die Köpenicker in der 29. Minute etwas überraschend den Ausgleich. Nach einer Flanke von Andrej Kramaric stieß Nico Schlotterbeck den Ball im Zweikampf mit Bebou über die eigene Torlinie.

Nach der Pause stabilisierte sich Union und vor seiner Auswechslung gegen Petar Musa hatte Joel Pohjanpalo zwei Chancen auf die erneute Führung. Auch die Gäste hatten ihre Chancen: Fünfzehn Minuten vor Schluss lupfte Bebou den Ball schon zum zweiten Mal über Karius, doch sein Abschluss ging knapp am Pfosten vorbei.

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Wenige Minuten später schoss Pawel Kaderabek den Ball an Karius vorbei ins untere Eck und die Hoffenheimer bejubelten schon die verdiente Führung. Doch das Tor wurde zurückgenommen: der Videoschiedsrichter hatte eine vorherige Abseitsstellung entdeckt.

Jener Videoschiedsrichter wurde früher regelmäßig von den Union-Fans ausgepfiffen – und zwar auch, wenn er zum Vorteil der eigenen Mannschaft eingriff. Doch dieses Mal gab es vereinzelte Jubelschreie nach dem aberkannten Tor. Denn fast genau ein Jahr nach dem letzten Spiel vor ausverkauftem Haus ist das Stadion an der Alten Försterei immer noch leer.

Als Kruse in der 74. Minute durch Cedric Teuchert ersetzt wurde, bekam er also nur von seinen Kollegen auf der Tribüne Beifall. Er nahm sich trotzdem Zeit, um den Moment zu genießen und schlenderte vom Mittelkreis zur Seitenlinie. Mit seinem Comeback konnte er in jedem Fall zufrieden sein.