Kultursenator Lederer lockert die Abstandsregel

Ab sofort gilt nur noch ein Mindestabstand von 1 Meter von Sitzmitte zu Sitzmitte. Masketragen ist dann allerdings Pflicht.

Frederik Hanssen
Ausgebaut. Im Konzerthaus fehlt jede zweite Stuhlreihe.Foto: Martin Redlinger

Ab sofort ist es den Theater, Opernhäusern und Konzertsälen gestattet, bei der Belegung ihrer Zuschauerräume den Abstand zwischen den Besucherinnen und Besuchern deutlich zu verringern. In der neuen Fassung des Hygienerahmenkonzeptes für Berliner Kultureinrichtungen heißt es: „In Räumen mit fest eingebauter maschineller Belüftung, die eine Frischluftzufuhr entsprechend der maximalen Personenzahl gewährleistet, darf der Mindestabstand von 1,5 Meter auf 1 Meter von Sitzmitte zu Sitzmitte reduziert werden.“ Voraussetzung dafür ist, dass das Publikum die Mund-Nasen-Bedeckung auch während der gesamten Vorstellung nicht abgelegt.

Im Kinder- und Jugendtheater gibt es keinen Mindestabstand

Für Veranstaltungsorte ohne Klimaanlage gilt weiterhin die 1,5 Meter-Regelung. Für Kinder- und Jugendtheater gilt die Ausnahme, dass beim Besuch von Schulklassen die Mindestabstände aufgehoben sind. Es dürfen dann aber keine Personen anwesend sein, die nicht zu den jeweiligen Gruppen gehören.
: „Wir erweitern mit dieser Neufassung des Hygienerahmenkonzeptes – im wahrsten Sinne des Wortes – den Spielraum für die Kultureinrichtungen unserer Stadt. Mit den entsprechenden technischen VoraussetzKlaus Lederer erklärte zu den Lockerungenungen ist nun eine Auslastung bis zu 60 Prozent möglich.“ Der Weg dafür sei dank der „sehr engen Abstimmung mit den Intendantinnen und Intendanten wie auch mit den Experten und Expertinnen von Charité und Technischer Universität“ möglich geworden.

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Die Kulturverwaltung will nun „die Entwicklung genau beobachten“ und dann entscheiden, ob weitere Lockerungen möglich sind.
Die neue Regelung ist ein geschickter Schachzug des Senators. Denn er überträgt einen Teil der Verantwortung jetzt auf die technisch gut ausgestatteten großen Bühnen der Stadt. Ihnen steht frei, ob sie bei der auf maximale Sicherheit ausgelegten Regelung mit den weiten Abständen bleiben, die nur schütter besetzte Reihen erlaubt, oder ob sie zugunsten einer höheren Auslastung die Abstände verkürzen. Mit dem Nachteil, dass alle Anwesenden im Zuschauerraum zum dauerhaften Tragen der Mund-Nasen-Bedeckung gezwungen sind.

Das Publikum kehrt nur zögerlich zurück

Bereits jetzt beobachten viele Institutionen, dass ihr Publikum zögerlich bucht. Viele Menschen verzichten auf den Besuch der Bühnen – entweder aus Angst, sich trotz hoher Sicherheitsstandards in geschlossenen Räumen anzustecken oder weil es für sie unter den gegebenen Bedingungen keinen „Kulturgenuss“ mehr gibt. Der wichtige soziale Aspekt eines Theater-, Opern- oder Konzertbesuchs fällt wegen der Corona-Maßnahmen komplett weg.

Es gibt keine Pausen, die Büfetts sind geschlossen, der Weg zum Platz erfolgt über festgelegte Routen, die jedweden Kontakt mit anderen Gästen vermeiden sollen.

Leder lässt die Intendantin mit der Auslastung experimentieren

Auch im Saal kann von einem Gemeinschaftserlebnis kaum die Rede sein, der Applaus klingt dünn, Atmosphäre kommt kaum auf, in den Konzertsälen irritiert der Anblick eines weiträumig über die Bühnenfläche verteilten Orchesters. Die Vorstellung, während der Darbietung durchgängig eine Maske tragen zu müssen, könnte ein weiterer Hinderungsgrund für den Besuch darstellen. Durch die Aktualisierung des Hygienerahmenplans ermöglicht Klaus Lederer den Institutionen nun, mit den Auslastungszahlen zu experimentieren.
Entschließt sich eine Einrichtung für den Ein-Meter-Abstand und sieht dann, dass die zusätzlich in den Verkauf gegebenen Eintrittskarten gar nicht nachgefragt werden, kann das Haus problemlos wieder zur Variante mit mehr Freiräumen zwischen den belegten Sitzen zurückkehren.