Konträre Meinungen aushalten

Eva Schlotheuer, die Vorsitzende des Deutschen Historikerverbandes, fordert eine öffentliche Diskussion über die Rolle des Herrscherhauses vor 1933.

Auch Schloss Cecilienhof ist Gegenstand der Verhandlungen.Foto: Ottmar Winter PNN

Eva Schlotheuer, die Vorsitzende des Deutschen Historikerverbandes, hat die Familie Hohenzollern aufgefordert, ihre „aggressiven Angriffe“ auf Historiker, Journalisten und Blogger zu beenden. Hintergrund ist ein Rechtsstreit zwischen dem ehemaligen Herrscherhaus und dem Land Brandenburg. Dabei geht es um 1,2 Millionen Euro, die die Hohenzollern als Entschädigung für Immobilien erhalten möchten, die im Zuge der Bodenreform in der sowjetischen Besatzungszone enteignet worden waren. Weil das Land dieses Ansinnen mit der Begründung ablehnt, das Haus Hohenzollern habe dem Nationalsozialismus Vorschub geleistet, ist eine Klage beim Verwaltungsgericht Potsdam anhängig.

In der „FAZ“ und im „rbb-Inforadio“ erklärte Schlotheuer, dass der Anwalt der Hohenzollern, Markus Hennig, mit Hilfe von Falschaussage-Vorwürfen ein „Klima der Angst“ unter Historikerinnen und Historikern zu schaffen versuche. Da die Wissenschaftsfreiheit geschützt sei, versuche Hennig über den juristischen Wahrheitsbegriff kritische Stimmen zu diskreditieren. Er stoße sich dabei häufig an Formulierungsdetails: Bereits der Begriff „Ausstellungsstücke“ für die in staatlichen Museen gezeigten „Leihgaben“ der Hohenzollern führte etwa zum Vorwurf der Falschaussage.

Der Verband hat sich an Monika Grütters gewandt

Es müsse möglich sein, konträre Meinungen zu verhandeln, wenn es um die Rolle von Kronprinz Wilhelm und seiner Familie vor 1933 gehe, sagte die Professorin. Jetzt sei der richtige Zeitpunkt für eine öffentliche Debatte. Der Deutsche Historikerverband hat darum sowohl die SPD-Finanzministerin des Landes Brandenburg, Katrin Lange, angeschrieben, als auch Kulturstaatsministerin Monika Grütters.

Lange hatte im August einem Antrag der Hohenzollern zugestimmt, die Frist für ihre Stellungnahme im Verfahren am Verwaltungsgericht Potsdam um ein Jahr zu verlängern. Die Behörde von Grütters bemüht sich seit 2014 mit den Bundesländern Berlin und Brandenburg um eine außergerichtliche Einigung. Beide Politikerinnen seien aufgefordert worden, so Schlotheuer, „keine vertraulichen Gespräche zu führen, bei denen die historische Expertise keine Rolle mehr spielen kann – damit sich in diesem Schutzraum nicht bestimmte geleitete Narrative durchsetzen können“. F.H.