Klaus Lederer übt Selbstkritik

Erstmals hat Klaus Lederer öffentlich zugeben, dass er in Sachen Pandemiebekämpfung zu übertriebener Vorsicht neigt: Im Kulturausschuss des Abgeordnetenhauses berichtete der Senator am Montag, warum er sein eigenes, bundesweit beachtetes Pilotprojekt zur Öffnung von Theatern und Konzertsälen Ende März vorzeitig abgebrochen hat.

Nachdem die Kanzlerin die „Osterruhe“ verkündet hatte, habe er sich zu der Absage der noch in der Volksbühne, der Deutschen sowie der Staatsoper geplanten Veranstaltungen genötigt gesehen. Als tags darauf die „Osterruhe“ von Angela Merkel abgeblasen wurde, entschieden er und seine Verwaltung jedoch, ihrerseits keinen Rückzieher vom Rückzieher zu machen.

„Hätten wir es mal gemacht!“, erklärte Lederer nun selbstkritisch gegenüber den Parlamentariern. Denn ob und wann die vom Publikum und den Künstler:innen so heiß ersehnten Vorstellungen stattfinden können, steht aufgrund der aktuellen Entwicklungen nämlich in den Sternen.

Dabei ergab die Auswertung der durchgeführten Abende, dass bei den verpflichtenden Tests keine einzige Person ein positives Ergebnis erhielt und dass sich auch im Nachgang keinerlei Ansteckungen bei den Veranstaltungen ergeben haben.

Geimpfte will Lederer von der Testpflicht befreien

Angesichts der Tatsache, dass diverse Wissenschaftler in aufwändigen Studien bereits bestätigt haben, dass in gut belüfteten Zuschauerräumen die Ansteckungsgefahr unter den mit Abstand platzierten Maskenträger:innen selbst ohne Tests bei null liegt, war das allerdings auch keine Überraschung. Klaus Lederer hält aber dennoch an den verpflichtenden Schnelltests fest.

Immerhin strebt er als nächsten Schritt an, dass für einen Theater- oder Konzertbesuch nicht ein bestimmtes, von der Institution festgelegtes Testzentrum aufgesucht werden muss, sondern dass die Besucher:innen alle Testzentren in der Stadt frei wählen können. Und für Geimpfte, findet der Senator, sollte die Testpflicht überhaupt aufgehoben werden.

Jetzt sucht der Senator nach Freiluft-Spielstätten

Weil zudem durch die Bestrebungen für bundesweite Coronaregeln unklar ist, ob es in der laufenden Saison überhaupt noch etwas wird mit Kultur in geschlossenen Räumen, richtet Klaus Lederer sein Augenmerk verstärkt auf die „Draußenstadt“-Initiative, die vorsieht, dass überall in Berlin neue Orte identifiziert werden, an denen Kultur unter freiem Himmel stattfinden kann. Die Temperaturen dürften das bald zu lassen, die Frage ist aber, ob auch die Bezirksämter mitspielen: Sie müssen nämlich in jedem Einzelfall prüfen, ob sich der Spaß der Besucher:innen mit den Lärmschutzbedürfnissen der Anwohner:innen vereinbaren lässt. Und das gehört bekanntermaßen zu den komplexesten Herausforderungen urbaner Bürokratie.