Kein Händchen für Piranhas

Beim FC Bayern könnte es nach dem Triple schöner nicht sein – wären da nicht die stockenden Vertragsverhandlungen mit Alaba. Teil 18 unserer Bundesliga-Serie.




Laaaaaaaaaangweilig. Bei all den Titeln vergisst ein Uli Hoeneß das Stänkern nicht.Foto: Peter Schatz/Imago

Am Freitagabend startet die Fußball-Bundesliga in die neue Saison. In unserer Serie haben wir die Vereine getestet. Alle anderen Teile sind unter www.tagesspiegel.de/sport zu finden

Heute Teil 18:  Bayern München.

Was hat sich verbessert?

29 von 30 Pflichtspielen 2020 gewonnen, das Triple geholt – was will man viel mehr? Noch besser geht deshalb nicht beim FC Bayern, aber Stillstand ist ja bekanntlich Rückschritt. Also haben die Münchner nachgeholt, was sie eigentlich schon vor einem Jahr tun wollten: Leroy Sané verpflichten. Der Nationalspieler, der sich mitten in den Transferverhandlungen der Bayern mit Manchester City im August des vergangenen Jahres einen Kreuzbandriss zugezogen hat, hebt das Niveau auf der linken Außenbahn noch einmal, das steht außer Zweifel.

Wer sind die Neuen?

Neben Sané verpflichteten die Münchner noch den Schalker Torhüter Alexander Nübel. Der knapp 24-Jährige wird sich aber noch etwas gedulden müssen, ehe er dauerhaft zwischen den Pfosten stehen darf. Manuel Neuer ist in glänzender Form – wie er beim Champions-League-Turnier in Lissabon einige Male bewiesen hat. Mit seinen 34 Jahren denkt er gar nicht daran, seinen Posten zu räumen. Im Frühjahr hat er seinen Vertrag bis 2023 verlängert. Der dritte Neue, Tanguy Nianzou von Paris St. Germain, hat als Abwehrspieler etwas bessere Chancen auf Einsätze als Nübel. Der 18 Jahre alte Franzose gilt als großes Talent – und ist wie Nübel eine Investition in die Zukunft. Erst einmal muss er aber eine Oberschenkelverletzung auskurieren.

[Mehr guten Sport aus lokaler Sicht finden Sie – wie auch Politik und Kultur – in unseren Leute-Newslettern aus den zwölf Berliner Bezirken. Hier kostenlos zu bestellen:leute.tagesspiegel.de]

Wer hat das Sagen?

In der Mannschaft neben Neuer als Kapitän vor allem Thomas Müller. Das akustische Erlebnis in den leeren Stadien nach dem Restart in der vergangenen Saison hat einige Erkenntnisse gebracht, zum Beispiel, dass die Fußballspieler ausreichend Kondition haben, um trotz der vielen Laufarbeit und den Sprints dauernd zu plappern auf dem Platz. Aber keiner redet so viel wie Müller, der in den vergangenen Monaten – dank Trainer Hansi Flick – wieder wie zu seinen besten Zeiten gespielt hat. Uli Hoeneß hat als Ehrenpräsident im Grunde nichts mehr zu sagen, aber das hält ihn nicht davon ab, doch noch gelegentlich genau das zu tun. So hat er kürzlich den Berater von David Alaba als „geldgierigen Piranha“ bezeichnet – und es damit womöglich den Münchner Verantwortlichen bei den Vertragsverhandlungen mit dem in der Branche berüchtigten Pini Zahavi nicht leichter gemacht. Denn Raubfische sind besonders gefährlich und gefräßig, wenn sie gereizt werden, und dass das bei Zahavi der Fall ist, steht außer Frage.

Was erwarten die Fans?

Vermutlich zuallererst einmal, dass sie endlich wieder ins Stadion dürfen, wie in dieser Woche beschlossen wurde. Die bayerische Landeshauptstadt kippte diese Entscheidung aber gut 30 Stunden vor Anpfiff wieder aufgrund der neuen Werte vom Robert-Koch-Institut. Von der Mannschaft erwarten die Fans – wie alle Jahr wieder –, dass sie jeden Titel, um den sie spielt, auch gewinnt. Ob mit oder ohne Zuschauer.

Was ist in dieser Saison möglich?

Der FC Bayern startet – selbstverständlich – als großer Favorit in das Meisterschaftsrennen. Die einzige Hoffnung der Konkurrenz ist wohl, dass die Münchner genug vom Siegen und Jubeln haben und nach den Erfolgen in den vergangenen Monaten die Gier fehlt. Hansi Flick glaubt allerdings nicht, „dass meine Mannschaft Probleme hat mit der Motivation. Die Spieler, die beim FC Bayern München spielen, die wollen Erfolg, die wollen auch den Erfolg bestätigen.“ Es ist also wieder alles möglich.

Und sonst?

Verliert der FC Bayern einen seiner besten Spieler an den FC Liverpool – Thiago. Die Ablöse für den Spanier soll rund 30 Millionen Euro betragen. David Alaba soll dagegen möglichst bleiben. Bei dem Österreicher geht es bei der Verlängerung des 2021 endenden Arbeitsvertrages um eine Aufstockung des Salärs, siehe „geldgieriger Piranha“ oben. Flick hätte zudem noch gerne einen vierten Flügelstürmer und Verstärkung auf der Rechtsverteidiger-Position. Durch die Thiago-Millionen sollte dies möglich sein. Gerne würden die Münchner aber weitere Spieler von der Gehaltsliste bekommen. Javier Martinez und Ersatztorhüter Sven Ulreich sind hier zu nennen. Und falls die Verhandlungen der Bayern mit Alaba scheitern, würden die Bayern den Österreicher wohl gerne gleich in diesem Jahr verabschieden, um noch eine Ablöse zu kassieren.