Jetzt überzeugen auch Zeefuik und Tousart

Pal Dardai ist nicht unbedingt der Typ, der besonders anfällig ist für Schmeicheleien. Aber wer weiß das schon? Vor kurzem ist einer seiner Spieler von Hertha BSC zu ihm gekommen und hat zu ihm gesagt: „Trainer, die Trainingsmethode ist gut für mich. Jetzt weiß ich wieder, dass ich Fußball spielen kann.“

Dardai hat dieses Lob schon ganz gut gefallen, aber dass es Deyovaisio Zeefuik, der Rechtsverteidiger aus Holland, nur wegen ein paar netter Sätze über den Trainer von der Tribüne gleich in die Startelf geschafft hat, das ist natürlich Blödsinn. Dazu gehört schon ein bisschen mehr.

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Gerade vier Wochen ist es her, da schien das abschließende Urteil über Zeefuik bereits gesprochen. Im Sommer war er für vier Millionen Euro vom FC Groningen nach Berlin gewechselt. Warum er allerdings als einer der besten Außenverteidiger der Ehrendivision galt, das blieb nach seinen ersten Auftritten für Hertha ein großes Mysterium. Nachdem er unter Bruno Labbadia zumindest noch sporadisch zum Einsatz gekommen war, spielte Zeefuik nach dem Trainierwechsel gar keine Rolle mehr. Bei Dardai schaffte er es in den ersten vier Spielen nicht einmal in den Kader.

Die Defizite in seinem Spiel waren offenkundig und nur schwer zu übersehen. Auch für Zeefuik selbst. „Keine Ahnung, wer der Typ in meinem Trikot war“, sagt er. „Das war nicht ich. Mein Spiel war unsicher, und ich habe auf dem Feld falsche Entscheidungen getroffen.“ So hatte es auch Dardai als Beobachter von außen wahrgenommen. Gleich nach seinem Amtsantritt nahm er Zeefuik zur Seite und teilte ihm mit: „Ich kenn dich nicht. Was ich gesehen habe, war nicht okay für mich. Da war zu viel Hektik im Spiel. Aber ich will dich kennen lernen. Du musst mir Zeit geben.“

Zeefuik ist wieder Zeefuik

Inzwischen ist die Identitätskrise überwunden. Zeefuik ist wieder Zeefuik. Am Sonntag im wichtigen Spiel gegen Bayer Leverkusen hatte er einen wichtigen Part bei Herthas wichtigem 3:0-Sieg. Gleich zu Beginn der Partie traf er mit einem feinen Schlenzer von der Strafraumgrenze zum 1:0, das bei seiner Mannschaft die latenten Zweifel verscheuchte und nach all den Rückschlägen der vergangenen Wochen das Vertrauen in die eigene Stärke festigte.

Zeefuik postete bei Instagram später ein Video seines ersten Bundesligatores, das mehr als 5000 Likes einsammelte und auch von einem früheren Kollegen aus Groningen mit zwei Herzchen kommentiert wurde. Es war Ritsu Doan, der inzwischen für Arminia Bielefeld spielt. Doan müsste also alles andere als erfreut sein über Zeefuiks Treffer und den Sieg der Berliner, durch den Hertha die Abstiegszone verlassen und in der Tabelle wieder an den Bielefeldern vorbeigezogen ist.

Dass die Welt für Hertha nun wieder deutlich rosiger aussieht, lag gegen Leverkusen in erster Linie an einer überzeugenden Mannschaftsleistung. Aber eben auch an zwei Spielern, die beide im Sommer nach Berlin gekommen sind und beide anfänglich Schwierigkeiten hatten, sich in der neuen Umgebung zurechtzufinden. Neben Zeefuik leistete auch der Franzose Lucas Tousart einen wichtigen Beitrag zum Sieg gegen Bayer 04.

Tousart war an zwei Toren beteiligt

Herthas Rekordtransfer (25 Millionen Euro) bestätigte am Sonntag seine aufsteigende Form. Die Tore zum 2:0 und 3:0 wurden jeweils durch eine Balleroberung Tousarts ermöglicht. „Er ist defensiv ein Stabilisator, er läuft Räume zu, erkämpft die Bälle, und die einfachen Pässe beherrscht er sehr gut“, sagt Trainer Dardai. „Er kämpft wie ein Löwe für die Mannschaft. Einfach ein toller Junge.“

Bruno Labbadia hat im Sommer über das erste Gespräch berichtet, dass er mit dem Franzosen noch vor dessen Ankunft in Berlin per Videotelefonat und auf Englisch geführt hat. Damals musste Tousarts Freundin noch als Dolmetscherin aushelfen. Inzwischen, so hat Dardai vor kurzem erzählt, versucht es der Franzose in der Kabine schon auf Deutsch. „Er ist ein Vorbild“, sagt Dardai.

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Das Spiel gegen Leverkusen hat die Hoffnung genährt, dass sich die Dinge bei Hertha doch noch zum Guten fügen; dass nach vielen Versuchen und Irrtümern alles seinen Platz findet. Das gilt auch für Deyovaisio Zeefuik. „Er hat sich tierisch gesteigert, auch bei den Trainingsleistungen“, sagt Dardai. Der 23-Jährige lässt mehr und mehr genau das erkennen, was ihm im Sommer nachgesagt wurde. Er ist schnell, giftig in den Zweikämpfen und mit einem natürlichen Offensivdrang ausgestattet. Dazu verfügt Zeefuik über eine ausgeprägte Sprungkraft, die ihn trotz seiner 1,77 Meter zu einem perfekten Zielspieler für lange Bälle macht.

Die Umstellung auf ein 3-5-2 kommt ihm zusätzlich entgegen. „Er profitiert davon, dass die Dreierkette sehr gut funktioniert“, sagt Dardai. „Für das System, das wir gerade spielen, ist er ein Topspieler. Er ist nach innen kreativ, läuft außen weg und macht defensiv die Wege zu.“

Nachdem Deyovaisio Zeefuik unter Dardais viermal gar nicht im Kader stand, tauchte er jetzt viermal hintereinander in der Startelf auf. Am Sonntag gegen Leverkusen gelang ihm in seinem 16. Einsatz für Hertha mit dem 1:0 nicht nur die erste Torbeteiligung; er spielte auch erstmals über die volle Distanz von 90 Minuten. Pal Dardai sagt: „Step by step haben wir eine Mannschaft, die langsam funktioniert.“