Jetzt heißt es #Porto

Seit Jahren habe ich ein Problem mit meiner Weihnachtspost. Ich schaffe es zwar hin und wieder, sie rechtzeitig zu schreiben, aber dann habe ich garantiert keine Briefmarken zur Hand. Tagelang, bis es zu spät ist.

Die, die ich vorher wohlweislich besorge, sind nicht mehr im Portemonnaie, die vom letzten Jahr sind verschwunden und Tag für Tag schaffe ich es gerade nicht mehr zur Post.

Ich kann gar nicht zählen, wie oft meine Karten, Briefe und Tütchen erst nach Weihnachten angekommen sind. „Macht ja nichts“, sagen die Liebsten. Aber macht eben doch was! Wenn Corona alle trennt, erst recht.

Auch in diesem Jahr trug ich die Postkarten tagelang in der Tasche herum, hatte wieder keine Marken und wieder keine Zeit, zur Post zu gehen.

Gehen eigentlich Hannah-Höch-Kunstbriefmarken

Zu Hause durchwühlte ich die Schubladen und fand wie immer diese Hannah-Höch-Kunst-Briefmarken, die ich vor Jahren in einem Museumsshop gekauft habe. Es ist immer das Gleiche, ich drehe die Dinger in der Hand und scheue mich dann doch, sie aufzukleben. Selbst in der Not. Sie sind sehr schön, und wenn ich eine heraustrenne, ist das ganze Set zerstört. Außerdem bin ich nicht sicher, ob es überhaupt reguläre Marken sind.

In diesem Jahr aber ist ein Erdrutsch passiert. Ich habe schon wieder die Hannah-Höch-Marken in der Hand, in drei Werktagen ist Weihnachten, als mir einfällt, was ein Bekannter erzählte. Die Post hat eine App eingeführt: das Handyporto.

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Ich zücke das Mobiltelefon. Wähle in der App den Briefmarkenwert aus, bezahle per Paypal und darf den zugewiesenen Zahlen-Buchstaben-Code samt des Hinweises #Porto einfach per Hand auf die Postkarte schreiben. Mit einem Stift!

Kein Drucker, keine Hindernisse, nur ein Kuli und dann ab in den Briefkasten, zu jeder beliebigen Uhrzeit, auch nachts. Ich bin euphorisiert. Selbstständig Briefe frankieren, ein Befreiungsschlag.

Es wird jetzt Menschen geben, die das Aussterben der Briefmarke bedauern. Schon wieder eine altes, liebgewonnenes Medium, das der Digitalisierung zum Opfer fällt.

Handyporto schlägt alles

Bitte nicht auch noch das, mögen Philatelisten rufen. Und ich verstehe ja den Reiz. Ich habe als Kind selbst eine Weile Marken gesammelt, sie im Wasserbad penibel von den Urlaubspostkarten gelöst und manchmal sogar welche zum Geburtstag geschenkt bekommen.

Aber das Handyporto schlägt alles. Ich hoffe nur, es funktioniert. Ich hoffe, die Karten kommen an. Wer trotz allem den baldigen Verlust der Briefmarke betrauert, darf sich gerne meine Hannah Höchs abholen. Ich brauche sie nicht mehr.