Im Kampf gegen Rassismus sind Worte nicht genug

Die richtigen Worte fand am Samstagmorgen auch Oliver Ruhnert. „Wir verurteilen grundsätzlich jede Art von Rassismus”, sagte der Manager des 1. FC Union – um diese Aussage dann doch noch ein bisschen zu qualifizieren. Was die Vorwürfe vom Vorabend betrifft, gehe der Klub „nicht von irgendeinem Skandal rassistischer Art aus”. Im „Eifer des Gefechts” seien manche Aussagen möglicherweise „überinterpretiert” worden.

Zuerst einmal die Faktenlage: Am Freitag hatte Leverkusen-Verteidiger Jonathan Tah in einem Fernsehinterview behauptet, dass ein Union-Spieler seinen Teamkollegen Nadiem Amiri als „Scheiß-Afghane” bezeichnet habe. Wie Leverkusen später mitteilte, hätte sich der Spieler später bei Amiri, einem deutschen Nationalspieler mit afghanischen Wurzeln, entschuldigt. Laut Ruhnert habe der beschuldigte Union-Spieler Florian Hübner aber intern betont, dass dieser Begriff nicht gefallen sei. Interne Konsequenzen „kann es nur geben, wenn irgendwas gewesen ist”, so der Union-Manager.

Ob und was gewesen war, wird nun der DFB-Kontrollausschuss ermitteln. Bis dahin gilt es aber nicht zu vergessen, dass Konsequenzen generell viel mächtiger als Worte sind. Es ist gut, dass Rassismus immer wieder verurteilt wird. Es ist richtig, dass dieser Fall in Ruhe aufgeklärt werden soll. Aber irgendwann muss der Fußball auch kapieren, dass Worte und Gesten nicht genug sind.

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2020 sprachen viele Profis, Vereine und Verbände ihre Solidarität mit der Black-Lives-Matter Bewegung aus. Wie viele schon betont haben, war das gut, aber nicht genug. Denn hier geht es oft nur um Rassismus als ein nebulöses Übel, von dem TV-Kommentatoren in gravitätischen Tönen sprechen. Aber wie Union-Stürmer Anthony Ujah im vergangenen Juni sehr deutlich schilderte, ist Rassismus für viele Menschen leider noch gelebte Realität.

Konsequenzen hinter den Kulissen reichen nicht

Wenn ein weißer Fußballspieler den Begriff „Scheiß-Afghane” benutzt, dann ist das reeller Rassismus. Jener Fußballer mag sonst ein überzeugter Antirassist sein, aber in diesem Moment agiert er rassistisch, aus welchem Grund auch immer. Und dieser reellen Rassismus muss nicht nur verurteilt, sondern auch bekämpft werden.

Handeln müsste in diesem Fall auch der Verein. Im vergangenen Jahr hat Union einen Spieler wegen „unsolidarischen Verhaltens” bei einem Gehaltsverzicht aus dem Kader gestrichen. Falls bewiesen wird, dass Hübner Amiri rassistisch beleidigt hat, dann sollte sich der Klub vor der möglichst mutigen und harten Strafe nicht scheuen. Wenn die Beleidigung in der Öffentlichkeit fiel, dann darf es nicht nur hinter den Kulissen Konsequenzen geben.

Auch der Spieler stünde in der Pflicht. Eine öffentliche Entschuldigung wäre ein guter Anfang. Aber auch das würde nicht genügen. Denn mit Worten alleine wird man Rassismus nie bekämpfen.