Ihre schöne Musik verbindet die arabische und europäische Welt

Die Klavierakkorde flimmern wie die Luft über einem Feld im Hochsommer. Maurice Ravels „Shéhérazade“ nach einem Text von Tristan Klingsor erzählt von der Sehnsucht nach Damaskus und den Städten Persiens, von seidenen Turbanen und Minaretten, die im Himmel schweben.

Auf ihrem Debütalbum „El Nour“ (bei Warner Classics erschienen) hat Fatma Said neben französischen und spanischen Liedern auch fünf arabische Lieder eingespielt. Auf dem Cover posiert die ägyptische Sopranistin wie eine Schönheit aus Tausendundeiner Nacht mit opulentem Halsschmuck.

„Das Licht“ lautet die Übersetzung des Titels „El Nour“. Mit dem Album will Fatma Said ein neues Licht auf das Liedrepertoire werfen. In Ravels „La Flute enchantée“ (Die Zauberflöte) und George Bizets „Adieux de l’hôtesse arabe“ (Der Abschied von der arabischen Gastgeberin) erklingt eine Ney, um mit dieser Flöte dem orientalischen Charakter eine spezielle Klangfarbe zu geben.

Die Lieder von José Serrano oder Federico García Lorca werden von einer Gitarre begleitet. Rahmentrommeln, die Kastenzither Kanun und ein Streichquartett bringen weitere Farben dazu.

Und dann sind da noch Gamal Abdel-Rahims „Ana Bent El Sultan“ (Ich bin die Tochter des Sultans) oder „Aatini Al Naya Wa Ghanni“ (Gib mir eine Flöte und sing), bei dem die Sängerin über einen ruhigen Trommelrhythmus große Melodiebögen schlägt, bis die Zeit stehenbleibt und sie ohne Begleitung Verzierungen modelliert.

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Fatma Said möchte Brücken bauen zwischen der arabischen und europäischen Welt. „Andalusien wurde im 8. Jahrhundert von den Arabern unter dem Namen Al-Andalus gegründet. Deshalb ist mir die spanische Musik auf dem Album auch emotional so nah. Die französische Literatur, Malerei und Musik des späten 19. Jahrhunderts wie Maurice Ravels ‚Shéhérazade’ war stark vom Orientalismus geprägt. Heute sprechen wir viel von Barrieren, aber eigentlich hatten wir immer miteinander zu tun“, sagt Said in akzentfreiem Deutsch.

Die Ägypterin besuchte in Kairo einen deutschen Kindergarten, dann die deutsche Schule der Borromäerinnen – eine katholische Mädchenschule. „Die Erziehung zu Weltoffenheit, Toleranz und gegenseitigem Respekt ist unser wichtigstes Ziel“, steht im Leitbild der 1904 von Nonnen gegründeten Schule, an der christliche und muslimische Mädchen gemeinsam unterrichtet werden.

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„Es geht in der Erziehung um Menschlichkeit, nicht um Religion. In Deutschland redet man immer so laut über die religiösen Unterschiede zwischen den Menschen. Das ist in Ägypten gar nicht der Fall. Man fragt den Gesprächspartner auch nicht, welcher Religion er zugehört. Das wäre unverschämt“, erklärt die 29-jährige Sängerin.

Um Gesang zu studieren, zog Fatma Said nach Berlin

Über ihren Musiklehrer, der sie im Schulchor einige Soli singen ließ, kam sie in Kairo mit 14 Jahren zu ihrer Gesangslehrerin Neveen Allouba. 2006 gewann Fatma Said den Bundeswettbewerb „Jugend musiziert“ in Freiburg. Mit 18 Jahren zog sie nach Berlin, um bei Renate Faltin an der Musikhochschule Hanns Eisler Gesang zu studieren.

Nach dem Bachelor lebte sie drei Jahre in Mailand, wo sie im Opernstudio der Scala erste Bühnenerfahrungen sammelte. Für das Masterstudium kehrte sie zurück nach Berlin. Was vermisst sie an Ägypten? „Die Wärme. Damit meine ich nicht nur das Wetter, sondern vor allem die Wärme zwischen den Menschen.“

Dass sie in Mailand von ihren italienischen Kolleginnen und Kollegen als „zu deutsch“ bezeichnet wurde, lässt sie schmunzeln. „Die deutsche Disziplin, die ich schon in der Schule gelernt habe, hat mir sehr viel gebracht in meinem Leben, gerade für meinen Beruf als Sängerin“, sagt Said. Besonders im Lockdown im Frühjahr, als sie keine Auftritte mehr hatte, habe ihr die Disziplin geholfen, ihre Stimme fit zu halten, auch wenn es keinen konkreten Anlass zum Üben gab.

Als Ziele gibt sie an, ehrlich mit sich sein zu wollen

„Die Welt wird bereit sein für die, die bereit sind“, hat ihr Vater, ein liberaler Politiker und Geschäftsmann, damals zu ihr gesagt und damit ihre Motivation zu üben erhöht. Während der Pandemie hat Said ihre Liebe zum Gesang nochmals neu entdeckt. Auch wenn sie wieder einige Auftritte hatte, ist die Unsicherheit für die freischaffende Sängerin noch lange nicht vorbei.

Gibt es Ziele? „Ich mache mir nicht allzu viele Gedanken über die Zukunft. Spezielle Partien oder besondere Häuser, an denen ich singen könnte, sind keine echten Ziele für mich. Ich möchte ehrlich mit mir sein und glücklich werden – mit Gesang oder ohne.“