Hinauf zur Milchstraße

Ein culture clash im Jugoslawien der achtziger Jahre: Auf Arbeitssuche kommt ein junges Paar aus einem montenegrinischen Bergdorf an die kroatische Küste, um zu arbeiten. Die Frau, Jaglika, beginnt in einer FKK-Ferienanlage zu arbeiten, wo ein freizügiges englisches Touristenpaar sie nach und nach immer mehr fasziniert. Irgendwann haben die drei im Meer Sex miteinander.

Jaglika ist nicht mehr dieselbe, doch die archaische Tradition ihres Dorfes nach der eine untreue Ehefrau von ihrem Mann mit dem Hammer erschlagen werden muss, holt sie ein.

Aufgewachsen und ausgebildet in Zagreb

Regisseur Živko Nikolić erzählte diese Geschichte 1986 in seinem Spielfilm „Schönheit der Sünde“ in einer bemerkenswerten Mischung aus harten und humorvollen Elementen. Die Balance gelang ihm auch deshalb, weil er mit Mira Furlan auf eine Hauptdarstellerin zählen konnte, die über eine große Wandlungsfähigkeit verfügte – und auch vor einer Nacktszene nicht zurückschreckte.

Mira Furlan, die jetzt im Alter von 65 Jahren gestorben ist, war damals in Jugoslawien bereits eine bekannte Theater- und Filmschauspielerin. Hatte Kritikerpreise gewonnen und einen der begehrten Darstellerinnen-Preise des Filmfestivals von Pula. Für „Schönheit der Sünde“ bekam sie ihn zum zweiten Mal.

Geboren in einem Zagreber Intellektuellen-Haushalt, studierte Furlan, deren Mutter Jüdin war, an der dortigen Akademie der dramatischen Künste und wurde anschließend Ensemble-Mitglied des Kroatischen Nationaltheaters. Ab den Siebzigern war sie auch in Fernsehfilmen- und Serien zu sehen. Ihren ersten Leinwandauftritt hatte sie 1979 im Journalismusdrama „Stein des Anstoßes“. Emir Kusturica castete sie 1986 für seinen späteren Cannes-Erfolg „Papa ist auf Dienstreise“.

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Als sich Mira Furlan in den Achtzigern feministisch engagierte, machte sie sich bereits bei Teilen des Publikums unbeliebt. Eine andere Dimension bekamen die Anfeindungen jedoch zu Beginn der jugoslawischen Zerfallskriege. Furlan, die mit dem serbischen Regisseur Goran Gajić verheiratet war, bekam Todesdrohungen und verlor ihre Stellung am Kroatischen Nationaltheater.

Bevor sie mit ihrem Mann in die USA emigrierte, schrieb sie einen Brief an ihre Mitbürger, in dem es hieß: „Ich kann mich nicht zum Hass zwingen, ich kann nicht glauben, dass Waffen, Töten, Rache, Hass, dass eine solche Anhäufung von Bösem jemals etwas lösen wird.“

Film- und TV-Projekte in der alten Heimat

In Los Angeles begann sie ein neues Leben, spielte unter anderem in der Science-Fiction-Serie „Babylon 5“ mit und war in den nuller Jahren in der Serie „Lost“ zu sehen. Auch in Produktionen, die in den jugoslawischen Nachfolgestaaten entstanden, war sie irgendwann wieder zu sehen. 2010 etwa in Boris Tanovićs Tragikomödie “Circus Colombia”, die zu Beginn des serbisch-kroatischen Krieges in einem kroatischen Dorf angesiedelt ist.

Nach Informationen der kroatischen Zeitung „Vecerni list“ starb Mira Furlan an den Folgen einer Infektion mit dem West-Nil-Virus. Auf ihrer Website schrieb sie zum Abschied: „Es ist eine klare Nacht und die Milchstraße scheint so nah. Dorthin werde ich bald gehen.“