Hertha BSC zaubert ein bisschen gegen Leverkusen

Peter Bosz hat in der Karriere von Deyovaisio Zeefuik eine nicht ganz unbedeutende Rolle gespielt. Bosz, damals noch Trainer von Ajax Amsterdam, war es, der Zeefuik im Sommer 2017 zu seinem Debüt im Profifußball verhalf. Und auch das jüngste Aufeinandertreffen war für Zeefuik ein besonderes.

Dass Hertha BSC am Sonntag im Abstiegskampf gegen Bosz’ aktuellen Klub Bayer Leverkusen einen wichtigen Erfolg feierte, lag nicht zuletzt an ihm. Der Rechtsverteidiger zeigte nicht nur eine starke Leistung, er legte er mit seinem frühen 1:0 auch die Basis für den ebenso deutlichen wie verdienten 3:0 (3:0)-Sieg der Berliner.

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Weil Mainz das frühe Spiel am Sonntag in Hoffenheim gewonnen hatte, war Hertha als virtueller Tabellenvorletzter in die Partie gegen Bayer gestartet. Trainer Pal Dardai hatte das seinen Spielern schon zu Wochenbeginn prophezeit und ihnen geraten, sich nicht mit der Tabelle zu beschäftigen. Mit Erfolg. Gegen Bayer zeigte Hertha die beste Leistung seit langem. „Von der Tabelle und vom Gefühl her war das ein wichtiger Sieg“, sagte Dardai. „Es wäre schlimm gewesen, mit einer Niederlage in die Länderspielpause zu gehen.“

Herthas Trainer hatte nach der Niederlage bei Borussia Dortmund drei personelle Wechsel vorgenommen: Matheus Cunha, Dodi Lukebakio und Mattéo Guendouzi kehrten in die Startelf zurück, was sich durchaus positiv bemerkbar machte. Die Berliner sparten sich jegliches Vorgeplänkel und gingen im leeren Olympiastadion schon nach drei Minuten in Führung. Lukebakio legte den Ball zu Zeefuik zurück, der ihn mit einem feinen Schlenzer von der Strafraumgrenze über den Innenpfosten als Bande ins Tor setzte.
Nicht nur für Zeefuik, der sein erstes Tor in der Bundesliga erzielte, war es ein ganz neues Gefühl, sondern auch für Hertha. Ein frühes Tor, durch den ersten Schuss des Spiels, das kennen die Berliner sonst nur als Leidtragende. Vielleicht war es ein erstes Indiz, dass es diesmal gut ausgehen würde.

Nach dem 1:0 war Hertha BSC zu passiv

Doch mit der frühen Führung zog sich Hertha erst einmal weit zurück und überließ Leverkusen die Initiative. Es war schon sehr passiv, wie Hertha in dieser Phase auftrat. Das missfiel auch Trainer Dardai, der sich nach eigener Aussage dazu genötigt sah, aggressiv zu coachen. Immer wieder korrigierte er von außen. „Du musst mutiger nach vorne verteidigen“, sagte er. „Das 1:0 nach Hause zu bringen, das geht nicht.“

Aber die Gäste wussten wenig mit dem Ball anzufangen. Zwei mehr oder weniger gefährliche Kopfbälle von Patrik Schick waren alle, was die Leverkusener zuwege brachten. Hertha stellte sich deutlich geschickter an. Die wenigen Chancen nutzte die Mannschaft in der ersten Hälfte mit gnadenloser Effizienz, jeweils nach guten Umschaltmomenten und jeweils nach Balleroberungen des auffallend gierigen Lucas Tousart. Den ersten Konter vollendete Cunha Mitte der ersten Halbzeit zum 2:0. Es war für den Brasilianer das siebte Saisontor und das erste nach mehr als einer Halbserie. Zuletzt hatte Cunha im Hinspiel gegen Borussia Dortmund getroffen.

Bayer Leverkusen verteidigte stümperhaft

Wenn man einem unbedarften Zuschauer erzählt hätte, dass eine der beiden Mannschaften gegen den Abstieg kämpft, hätte er vermutlich auf das Team in Rot getippt. Das Defensivverhalten der Leverkusener spottete teilweise jeder Beschreibung. „Wenn man so verteidigt, dann verliert man“, sagte Trainer Bosz. Auch bei Herthas 3:0 stellte sich sein Team erstaunlich stümperhaft an. Mehrmals schienen sie den Ball schon erobert zu haben, aber Hertha wollte es einfach mehr. Am Ende war es Jhon Cordoba, der den Angriff mit dem nächsten Treffer abschloss, nachdem er die Chance eigentlich schon verdaddelt hatte. Drei Tore in einem Spiel, das war den Berlinern zuletzt am 2. Januar gelungen – gegen den künftigen Zweitligisten Schalke 04.

Bosz, der langsam um seinen Job fürchten muss, brachte zur zweiten Hälfte zwei neue Spieler, wirklich gefährlich aber wurde es für Hertha auch nach der Pause nur punktuell. Torhüter Rune Jarstein rettete einmal spektakulär gegen Schick. Die Berliner hingegen blieben nach vorne stets gefährlich, wenn sie schnell umschalteten und die ganze Trägheit der Leverkusener Defensive bloßlegten. So war es auch beim vermeintlichen 4:0, als Vorbereiter Cunha von Tapsoba nur halbherzig begleitet wurde. Der Treffer von Lukebakio wurde nach Intervention des Videoassistenten jedoch wieder zurückgenommen, weil Cordoba in der Entstehung ein Handspiel unterlaufen war.

Es reichte auch so. Weil Leverkusen wenig einfiel. Vor allem aber, weil Hertha die Angelegenheit mit bissiger Entschlossenheit zu Ende brachte. Der Lohn für das kollektive Bemühen war nicht nur der deutliche Sieg, sondern auch das erste Spiel unter Dardai, in dem das Team ohne Gegentor blieb. „Das war kein Glück, das war erarbeitet“, sagte Dardai. „Das hat nach Fußball ausgesehen.“