Hertha BSC trauert um Michael Ottow

Ende Oktober, als die Mitgliederversammlung des Klubs wegen der Coronavirus-Pandemie erstmals in der Ostkurve des Olympiastadions stattfinden musste, hat Michael Ottow erneut für das Präsidium von Hertha BSC kandidiert. Sein Gesundheitszustand hat es allerdings schon nicht mehr zugelassen, dass er persönlich zu der Versammlung erschien. Vorstellen konnte er sich den Mitgliedern also nicht. Aber das wäre wohl auch gar nicht nötig gewesen. Nicht nach 30 Jahre ehrenamtlicher Tätigkeit für Hertha BSC, davon 15 im Präsidium.

Es war Werner Gegenbauer, der Vereinspräsident höchstselbst, der bei der Mitgliederversammlung die Vorstellung Ottows übernahm. Das sagt einiges über die Wertschätzung, die Michael Ottow innerhalb des Klubs genossen hat. Am Sonntagabend ist er im Alter von 57 Jahren nach langer schwerer Krankheit verstorben.

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Gegenbauer sprach von einem großen Verlust für Hertha BSC, der weh tue. „Er hat sich nicht nur über Jahrzehnte stets für unseren Verein in unterschiedlichen Funktionen eingesetzt, sondern war vor allem ein toller Mensch“, sagte er. Bernd Schiphorst, sein Vorgänger als Vereinspräsident, ergänzte: „Er war ein überaus zuverlässiger Kollege mit hoher Detailkenntnis über unseren Verein. Für ihn stand immer Hertha im Mittelpunkt und nicht seine Person.“

Hertha BSC war für den Diplom-Verwaltungswirt ein Stück Lebensinhalt. Zusammen mit seiner Frau Barbara besuchte er jahrelang fast jedes Spiel des Vereins; ihre Urlaube verbrachten sie oft – im Sommer wie im Winter – an den Orten, an denen Herthas Mannschaft ihr Trainingslager abhielt.

Ottow war Stadionsprecher der Amateure, er arbeitete im Vorstand der Amateurabteilung und als Schiedsrichterbetreuer bei den Bundesligaspielen der Profis. Seit 2005 gehörte er dem Präsidium des Klubs an. Seitdem wurde er stets aufs Neue in das Gremium gewählt. Zum letzten Mal Ende Oktober in der Ostkurve des Olympiastadions, wo sonst die treuesten Fans von Hertha BSC stehen.