Hertha BSC holt gegen den VfB Stuttgart einen Punkt

Wenn du tief unten stehst in der Tabelle, benötigst du einiges, um wieder ans Licht zu kommen. Ein bisschen Spielglück zählt auch dazu. Hertha BSC hatte davon zuletzt nicht besonders viel. Aber vielleicht ändert sich das ja jetzt.

Pal Dardai, der neue Trainer des Berliner Fußball-Bundesligisten, wechselte am Samstag im Auswärtsspiel beim VfB Stuttgart, zehn Minuten vor dem Ende den erst 17 Jahre alten Luca Netz ein. Seine Mannschaft lag 0:1 zurück, es sah im dritten Spiel unter Dardai nach der dritten Niederlage aus. Aber kaum war Netz auf dem Feld, traf er mit seinem Bundesligator zum 1:1. Auf Vorlage von Sami Khedira, den Herthas Trainer ebenfalls in der zweiten Hälfte eingewechselt hatte.

Die Koproduktion der beiden Einwechselspieler sicherte Hertha im Abstiegskampf zumindest einen Punkt. „Heute wollen wir schon. Natürlich“, hatte Dardai vor dem Spiel gesagt. Gemessen daran, war der Auftritt seines Teams über weite Strecken zu wenig. Aber immerhin fand er ein halbwegs glückliches Ende.

Dardai hatte nach der Niederlage gegen die Bayern zwei Änderungen vorgenommen. Omar Alderete ersetzte den verletzten Innenverteidiger Jordan Torunarigha, anstelle von Vladimir Darida spielte Mattéo Guendouzi wieder auf der offensiven Position im zentralen Mittelfeld. Für Khedira blieb bei seiner Rückkehr in die schwäbische Heimat zunächst nur ein Platz auf der Ersatzbank. Das Gleiche galt für Nemanja Radonjic, Herthas zweite Verpflichtung in diesem Winter.

Ausgeglichene Partie in der zweiten Hälfte

Das Spiel begann so, wie Dardai es erwartet hatte: sehr intensiv in den Zweikämpfen. Im Mittelfeld ging es ordentlich zur Sache, aber offensiv passierte lange wenig. Und bei Hertha so gut wie gar nichts. Der VfB hatte in der Anfangsphase zumindest eine ansehnliche Szene, als Sasa Kalajdzic den Ball mit der Hacke auf Wataru Endo weiterleitete. Dessen Schuss stellte Rune Jarstein im Tor von Hertha jedoch vor wenig Probleme.

Ab Mitte der zweiten Hälfte entwickelte sich die bis dato ausgeglichene Partie auf überschaubarem Niveau immer mehr zu einer klaren Angelegenheit zugunsten der Stuttgarter. Der VfB wirkte spielerisch leichtfüßiger, während sich bei Hertha Ballverlust an Ballverlust reihte. Auch Chancen hatten die Stuttgarter nun einige, unter anderem nach Standards vornehmlich über die linke Seite, auf der mit Borna Sosa einer der gefährlichsten Linksverteidiger der Fußball-Bundesliga spielte.

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Nach einer Ecke des Kroaten prüfte Stuttgarts Innenverteidiger Konstantinos Mavropanos Herthas Torhüter Jarstein mit einem Kopfball. Wie groß die Probleme der Gäste mit Sosas Standardsituationen waren, zeigte sich vor allem bei einem Freistoß nur fünf Minuten später. Als der Ball Richtung Strafraum segelte, rannten sich zwei Berliner gegenseitig über den Haufen, so dass der Weg für Kalajdzic völlig frei war. Vielleicht war er davon selbst so überrascht, dass er den Ball unbedrängt über die Latte köpfte.
Zweimal ging es gut für Hertha. Und auch bei dritten Mal schien Dardais Mannschaft ungeschoren davonzukommen. Sosa schlug eine Freistoßflanke aus dem Halbfeld in den Berliner Strafraum, Kalajdzic wuchtete den Ball per Flugkopfball ins Tor – doch der Linienrichter hatte Stuttgarts Mittelstürmer im Abseits gesehen. Er hatte sich geirrt.

Zwei Minuten dauerte die Überprüfung der Szene in Köln, dann malte Schiedsrichter Harm Osmers ein Rechteck in die Luft und wies auf den Mittelkreis. Der Treffer zählte, weil wohl Krzysztof Piatek das Abseits aufgehoben hatte. Hertha ging mit einem Rückstand in die Pause.

Nach dem Wechsel wurde Hertha fordernder

Was auch immer Dardai seiner Mannschaft in der Kabine für die zweite Hälfte mitgegeben hatte, sie konnte es wohl nicht umsetzen. Der VfB bestimmte das Spiel, ließ die Berliner mit viel Ballbesitz ins Leere laufen, so dass sich Dardai schon recht früh zu einer Intervention von außen genötigt sah. Nach nicht einmal einer Stunde brachte er Khedira und Radonjic für Piatek und Ascacibar.

Die beiden Neuen waren kaum auf dem Feld, da gab es tatsächlich die erste Chance für Hertha – und was für eine. Matheus Cunha, der nun anstelle von Piatek im Sturm spielte, lupfte den Ball über Stuttgarts Torhüter Gregor Kobel, doch Innenverteidiger Waldemar Anton rettete Zentimeter vor der Linie und verhinderte damit den Ausgleich.

Die Wechsel veränderten tatsächlich die Statik des Spiels, Hertha wurde nun fordernder und kam zumindest zu einer Reihe von Ecken. Allerdings fehlten Dardai vor allem für die Offensive weitere Optionen auf der Bank, um den Druck auf den VfB noch einmal deutlich zu erhöhen. Zehn Minuten vor dem Ende versuchte er es mit Mathew Leckie – und Luca Netz.

Der 17-Jährige behauptete sich kurz darauf nach Khediras Anspiel gegen drei Stuttgarter und stupste den Ball schließlich über die Linie. Einen kurzen Schreckmoment musste der jüngste Torschütze in Herthas Bundesligageschichte noch überstehen. Der Videoassistent überprüfte, ob Netz vor dem Tor den Ball mit der Hand berührt hatte, konnte aber nichts Strafbares erkennen. Man kann ja nicht immer Pech haben. (Tsp)