Hertha BSC dreht das Spiel gegen Augsburg

Wieder stand ein Spieler von Hertha BSC zum Elfmeter bereit. Vorige Woche beim VfL Wolfsburg hatte Jhon Cordoba nicht ausführen können, weil der Strafstoß zurückgenommen wurde. Diesmal, gegen den FC Augsburg, wollte Dodi Lukebakio schießen. Auch er musste warten – aber am Samstag im Olympiastadion hatte die Entscheidung von Schiedsrichter Florian Badstübner Bestand. Lucas Tousart war von Mads Pedersen zu Fall gebracht worden.

Lukebakio lief in der 89. Minute an, er verwandelte sicher. Einige Minuten später hatte Hertha letztlich verdient 2:1 (0:1) gewonnen und damit richtig wichtige Punkte im Kampf um den Klassenerhalt in der Fußball-Bundesliga eingefahren. „Die zweite Halbzeit war top. Für uns ist es ein gelungener Abend“, freute sich Trainer Pal Dardai.

Wie wichtig die Punkte waren, zeigte sich mit Schlusspfiff: Sportdirektor Arne Friedrich hüpfte jubelnd an der Seitenlinie entlang. Die Spieler rissen wahlweise die Arme hoch oder waren einfach erleichtert. „Riesensteine sind vom Herzen gefallen“, sagte Kapitän Niklas Stark. Abwehrkollege Lukas Klünter sagte, er habe fast geweint vor Freude: „Die letzten Wochen waren schlimm für uns. Wir haben immer gut gespielt, aber nichts mitgenommen.“ Nun hatten sie etwas mitgenommen. Nach neun Spielen ohne Sieg. Damit hat Hertha erst einmal drei Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz, allerdings spielt Arminia Bielefeld am Sonntag noch gegen den 1. FC Union.

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Trainer Pal Dardai hatte Krzysztof Piatek und Jhon Cordoba anstelle der verletzten Nemanja Radonjic und Matheus Cunha in die Startelf beordert, zudem spielte Santiago Ascacibar für den ebenfalls verletzten Sami Khedira. Sein Bruder Rani stand für die Augsburger auf dem Rasen.

Im Vorfeld hatten Herthas Verantwortliche unmissverständlich klargemacht, dass endlich drei Punkte hermüssen. Dann dauerte es nicht einmal zwei Minuten, bis die Berliner zurücklagen. André Hahn hatte den Ball mit dem Kopf über Deyovaisio Zeefuik und Lukas Klünter in den Strafraum gelegt, wo ihn Laszlo Benes unhaltbar für Torwart Rune Jarstein im langen Eck unterbrachte – 0:1.

Schmidt dementiert Gespräche mit Bobic

Das war ein Wirkungstreffer für die ohnehin nicht mit übermäßig viel Selbstvertrauen ausgestatteten Gastgeber. Sie hatten zwar danach oft den Ball, taten sich im Spiel nach vorn aber sehr schwer. Die erste Chance bot sich Cordoba, der von der rechten Seite aus wuchtig abzog, doch Rafal Gikiewicz parierte. Herausragend hielt Augsburgs Torwart später beim Schuss von Santiago Ascacibar.

Viel mehr brachte Hertha bis zur Pause nicht zustande. Auch, weil die Doppelspitze Piatek und Cordoba nicht wie erhofft zum Zuge kam. Fast hätte es sogar 0:2 gestanden. Als Augsburg in der 37. Minute zum zweiten Mal gefährlich vor dem Tor auftauchte, traf Florian Niederlechner per Kopf den Pfosten.

„Ich bin in der Halbzeit nicht laut geworden. Ich habe ein paar fachliche Sachen gesagt“, erzählte Dardai später. Und er hatte reagiert, brachte Luca Netz und und Mattéo Guendouzi für Maximilian Mittelstädt sowie Ascacibar. Seine Mannschaft trat nun trotz des Rückstands anders auf, zielstrebiger und bissiger. Erst zog Cordoba ab, aber Gikiewicz war da. Dann erreichte eine Freistoß-Hereingabe von Marton Dardai Stürmer Piatek, dessen Abschluss drüber ging.

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In der 62. Minute war es soweit: Klünter schlug den Ball von der Mittellinie weit auf Vladimir Darida, der ihn kurz vor der Grundlinie in die Mitte brachte. Dort vollendete Piatek zum Ausgleich. Es war das erste Tor für die Berliner seit drei Wochen.

Dardais Team agierte weiter offensiv, weil ein Punkt zu wenig war. Augsburg befreite sich und hatte in der jetzt deutlich unterhaltsameren Partie Aktionen vor dem gegnerischen Tor. Bei der gefährlichsten verpasste Tobias Strobl den Ball nach einem Freistoß knapp. Als der eingewechselte Lukebakio in der hektischen Schlussphase – unter anderem sah Herthas Co-Trainer Andreas Neuendorf die Gelbe Karte – mit einem Kopfball das Ziel verfehlte, schien es erneut nichts zu werden mit dem Sieg für Hertha. Bis Lukebakio den Elfmeter verwandelte.

Vor dem Spiel hatte sich Carsten Schmidt, Vorsitzender von Herthas Geschäftsführung, bei „Sky“, zur Frage geäußert, ob Fredi Bobic im Sommer neuer Geschäftsführer Sport wird. Schmidt dementierte Gespräche mit dem aktuellen Sportvorstand von Eintracht Frankfurt. Zudem sagte er mit Blick auf die aktuelle sportliche Situation, dass es im Verein keine Planungen für die Zweite Liga gibt: „Wir konzentrieren uns voll auf das Gewinnen von Fußballspielen. Wir haben alles in der eigenen Hand.“ Was dank des Sieges gegen Augsburg auch weiterhin der Fall ist.