Hausaufgaben für den 1. FC Union

Anlässe für Kritik an seiner Mannschaft hatte Urs Fischer in dieser Saison selten. Der 1. FC Union ist den Europapokalplätzen deutlich näher als der Abstiegszone und hat sich nach mehr als der Hälfte der Spielzeit noch keinen einzigen Auftritt geleistet, in dem die Mannschaft chancenlos war. Das gilt auch für die 1:2-Niederlage zum Rückrundenauftakt am Samstag beim FC Augsburg – und trotzdem sah Fischer Gesprächsbedarf mit seinem Team.
Nachdem Union zum ersten Mal in dieser Saison zwei Spiele in Folge verloren hat, forderte der Schweizer Trainer einen Lerneffekt von seinen Profis, auch im Hinblick auf die kommenden Aufgaben. „Wir haben eindeutig zu wenig aus unseren Möglichkeiten gemacht. Ich werde der Mannschaft ins Gewissen sprechen müssen“, sagte er.

Die zweite vermeidbare Niederlage gegen Augsburg nach dem 1:3 zum Auftakt der Saison im September hat für Fischer aber auch einen kleinen positiven Nebeneffekt. Union ist nach dem 0:1 in Leipzig unter der Woche und dem 1:2 in Augsburg als Achter vorerst aus den internationalen Startplätzen herausgefallen. Die für Fischer oft nervigen Fragen nach einer möglichen Europacup-Teilnahme entfallen erstmal. Die Konzentration kann wieder auf das Kernthema Klassenerhalt gerichtet werden, das die Berliner bei 28 Punkten aber weiter entspannt angehen können.

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Union hatte in der Augsburger Arena zunächst die Kontrolle über das Spiel gehabt und die Begegnung dominiert. „In der ersten Viertelstunde hat man gesehen, wieso Union dort steht, wo sie stehen“, sagte Augsburgs Trainer Heiko Herrlich. Doch mit dem ersten Angriff zum 1:0 durch den zuvor fast 1000 Spielminuten torlosen Florian Niederlechner war die erste Dominanz gebrochen, auch wenn Marcus Ingvartsen acht Minuten später der Ausgleich gelang.

„In der Pause sprichst Du dann ein, zwei Dinge an und kurz darauf liegst Du 1:2 hinten und denkst wieso?“, sagte Fischer über den zweiten Treffer durch Niederlechner zwei Minuten nach Wiederanpfiff. Zwar versuchte Union in der restlichen Spielzeit, zumindest den Ausgleich zu schaffen, spielte dabei aber zu unpräzise. „Wir haben nicht die Lösungen gefunden, das Spiel auszugleichen“, sagte Fischer. Den durch Ingvartsen gegen Ex-Unioner Rafal Gikiewicz vergebenen Strafstoß zählte Fischer dazu, ohne ihn zu besonders hervorzuheben.

Den Schweizer ärgerte eher, dass seine Mannschaft nicht die nötige Präsenz im Strafraum zeigte. Abhilfe könnte in nächster Zeit Joel Pohjanpalo schaffen. „Joel hat heute das Mannschaftstraining der Ersatzspieler bestritten. Wir versuchen, ihn so schnell wie möglich an den Kader heranzuführen“, sagte Fischer in einer digitalen Medienrunde am Sonntag über die Fortschritte des finnischen Mittelstürmers.

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Fischer mahnte auch Geduld an, anstatt überhastet und damit ungenau die insgesamt 26 Flanken in den Augsburger Strafraum zu bringen: „Das müssen wir erst noch lernen.“ Vor allem in Hinblick auf die kommenden Aufgaben. Nach dem Heimspiel gegen Tabellennachbar Borussia Mönchengladbach am kommenden Samstag (15.30 Uhr/Sky) stehen mit Mainz, Schalke, Freiburg, Hoffenheim, Bielefeld und Köln Gegner auf dem Programm, die ähnlich wie Augsburg tief stehen werden und den Berlinern das Spiel überlassen.

„Wir konzentrieren uns erst einmal auf Gladbach, dann sehen wir weiter“, sagte Fischer am Sonntag, „wir haben heute die Analyse vorgenommen, das gilt es mitzunehmen und in der gleichen Situation umzusetzen.“ Allerdings würde das nicht auf Knopfdruck gelingen, sagte Fischer: „Und auf der Gegenseite steht eine Mannschaft, die was dagegen hat.“ (dpa/Tsp)