Gute Organisation bringt Hertha BSC ein Unentschieden

Knapp 18 Minuten dauerte es, bis im Mönchengladbacher Borussia-Park endlich der erste Torschuss des Nachmittags zu verzeichnen war. Zumindest war es einer für die Statistiker. Denis Zakaria, Mittelfeldspieler von Borussia Mönchengladbach, hatte es aus der Distanz versucht. Sein Torschuss war jedoch gar nicht als solcher gemeint. Es war ein Rückpass auf Alexander Schwolow, den Torwart von Hertha BSC, nachdem einer seiner Mitspieler den Ball zuvor für eine Verletzungsunterbrechung ins Aus geschlagen hatte.

Ähnlich dramatisch wie die Torschüsse war auch lange das Geschehen im Duell der Gladbacher gegen Hertha BSC. Das änderte sich erst in der zweiten Hälfte, die für Hertha sogar maximal aufregend begann. Sie war kaum angepfiffen, als die Berliner durch das erste Tor von Mattéo Guendouzi in der Fußball-Bundesliga in Führung gingen.

Hertha durfte vom zweiten Auswärtssieg der Saison träumen, von einer Fortschreibung des positiven Trends nach dem Erfolg im Derby gegen Union. Doch weil Breel Embolo 20 Minuten vor dem Ende noch der Ausgleich gelang, mussten sich die Berliner letztlich mit einem 1:1 (0:0) begnügen.

„Es wäre sogar mehr drin gewesen“, sagte Herthas defensiver Mittelfeldspieler Niklas Stark. Immerhin blieben die Berliner zum dritten Mal hintereinander ungeschlagen; von den jüngsten sechs Spielen haben sie nur eins verloren. „Das kann sich sehen lassen“, sagte Stark. „Das nehmen wir mit.“

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Bruno Labbadia hatte seine Mannschaft auf zwei Positionen verändert. Wie erwartet rückten Javairo Dilrosun und Krzysztof Piatek für Lucas Tousart und den gelbgesperrten Matheus Cunha in die Startelf. Labbadias Gladbacher Kollege Marco Rose nahm nach dem Champions-League-Auftritt unter der Woche deutlich umfangreichere Renovierungsarbeiten an seinem Team vor, wechselte insgesamt sechs Mal.

Dass die Gladbacher mit der ungewohnten Formation fremdelten, war nicht zu übersehen. Zumal Hertha den Champions-League-Achtelfinalisten mit einem disziplinierten Auftritt und einer gut organisierten Defensive nicht ins Spiel kommen ließ. „Wir wollten Borussia ein Stück unter Druck setzen“, sagte Labbadia. „Das ist uns phasenweise gelungen.“

Schwolow muss vor der Pause nur einmal eingreifen

In der gesamten ersten Hälfte musste Torhüter Schwolow nur einmal eingreifen, als er einen wuchtigen Distanzschuss Hannes Wolf zur Ecke lenkte. Hertha hatte vor der Pause sogar ein leichtes Plus in der Offensive. Das lag auch an Dilrosun und Piatek, die eine Woche zuvor entscheidend zum Derbysieg beigetragen hatten.

Natürlich gab es am Samstag Phasen im Spiel, in denen von ihnen wenig zu sehen war, aber Dilrosun war es, der über die rechte Seite den ersten stringenten Angriff seiner Mannschaft einleitete, und der auch Herthas beste Chance der ersten Halbzeit vorbereitete, ebenfalls über rechts. Nach seinem Rückpass setzte Piatek den Ball über das Tor der Gladbacher.

Marco Rose hatte erstmals in dieser Saison Tobias Sippel anstelle von Yann Sommer aufgeboten. Dass auch Sippel Bundesligaqualität besitzt, zeigte er nach etwas mehr als einer halben Stunde, als er einen Linksschuss von Peter Pekarik um den Pfosten lenkte.

Bei Herthas Führungstreffer in der 47. Minute war Gladbachs Torhüter chancenlos. Guendouzi schlenzte den Ball von der Strafraumgrenze und ohne Gegnerdruck in den Winkel. Möglich gemacht hatte diese Chance Dilrosun, der Zakaria kurz vor dem Strafraum den Ball abgeluchst hatte.

Boyata rettet auf der Linie

Der Treffer weckte den Widerstandsgeist der Gladbacher, deren Bedrohungspotenzial zunächst aber überschaubar blieb. Allerdings musste Kapitän Dedryck Boyata nach einer Stunde kurz vor der Linie nach einem Lupfer von Patrick Herrmann retten. Gleich darauf parierte Schwolow einen Freistoß von Herrmann.

Rose reagierte, brachte unter anderem Alassane Plea und Marcus Thuram. Der Druck auf Hertha nahm zu, die Mannschaft war nun für Labbadias Geschmack ein bisschen zu passiv, hatte allerdings auch eine herausragende Chance zum 2:0. Doch Dodi Lukebakio scheiterte aus aussichtsreicher Position an Sippel.

Es wäre vermutlich die Entscheidung für die Gäste gewesen, die kurz darauf nicht gut aussahen. Nach einer Hereingabe von Florian Neuhaus in die Mitte konnte Matthias Ginter unbedrängt zu Breel Embolo köpfen, der zum 1:1 abstaubte.

„Die Bälle länger halten“, forderte Schwolow. Das schien angesichts des Drucks, den die Gladbacher in dieser Phase aufbauten, ein hehrer Wunsch zu sein, gelang Hertha nun aber tatsächlich deutlich besser. Dem eingewechselten Daishawn Redan bot sich mit dem ersten Ballkontakt sogar die Chance zum 2:1, doch er verzog.

Und so verließ Labbadia den Borussia-Park mit gemischten Gefühlen. „Ich hatte heute das Gefühl, wir hätten das Spielgewinnen können“ sagte er. „Ich hatte aber auch das Gefühl, wir hätten es verlieren können.“