Goldener Herbst für den 1. FC Union

Das Stadion An der Alten Försterei liegt idyllisch am Rande der Wuhlheide. Von der Tribüne bot sich am Samstagnachmittag ein schöner Blick auf den Köpenicker Herbst, die Bäume wurden von der Sonne angestrahlt und die Blätter leuchteten golden. Doch nicht nur für die Stadionbesucher, von denen es aufgrund des Zuschauerausschlusses ja nicht sonderlich viele gibt, profitierten von der Lage des Stadions, auch die Fans des 1. FC Union nutzten die Nähe zum Wald. Etwa 20 oder 30 von ihnen postierten sich an dem kleinen Weg zwischen Wuhlheide und Stadion und feuerten ihr Team an. Sie standen in kleinen Gruppen, mit roten Schals und Fahnen. Das Spielfeld konnten sie nicht sehen, im Stadion waren ihre Anfeuerungsrufe und ihr Jubel aber gut zu hören – und zwar sehr oft.

Gegen den überforderten Aufsteiger Arminia Bielefeld gewann Union 5:0 (3:0). Nach dem frühen Führungstreffer von Keita Endo bei seinem Startelfdebüt trafen Robert Andrich und Sheraldo Becker noch in der ersten Hälfte. Max Kruse legte nach der Pause vom Elfmeterpunkt nach – und stellte dabei einen jahrzehntealten Bundesligarekord ein. Kurz vor Schluss stellte der eingewechselte Cedric Teuchert den Endstand her. Der Blick auf die Tabelle rundete den perfekten Tag für die Berliner ab. Zumindest bis Sonntag steht Union als Vierter auf einem Champions-League-Platz. „Über 90 Minuten haben wir wirklich sehr viel richtig gemacht. Ich würde sagen, das war fast ein perfektes Spiel von uns“, sagte Kapitän Christopher Trimmel.

Trainer Urs Fischer hatte sich vor dem Spiel noch gegen die angebliche Favoritenrolle seines Teams gewehrt, stellte im Gegensatz zum 3:1 in Hoffenheim am Montag aber deutlich offensiver auf. Im 4-2-3-1 kehrten der zuletzt verletzte Trimmel, Becker und Joel Pohjanpalo zurück in die Startelf. Marius Bülter war hingegen gar nicht im Kader, der Außenspieler wurde positiv auf das Coronavirus getestet und befindet sich in häuslicher Quarantäne. Dafür spielte Endo zum ersten Mal überhaupt in der Bundesliga von Beginn an.

Vierfacher Jubel. Robert Andrich (Zweiter von rechts) feiert sein Tor zum zwischenzeitlichen 2:0, zuvor hatte Keita Endo sein…Foto: Maja Hitij/dpa

Und der Japaner war auch Mann der Anfangsphase. Nach einer Minute versuchte er es bereits mit einem harmlosen Schuss von der Strafraumgrenze, wenig später machte er es besser. Kruse passte überlegt in die Tiefe auf Becker, der Niederländer legte quer und Endo schoss aus zehn Metern völlig freistehend ein. So allein wie die zwei Berliner Flügelspieler Richtung Tor laufen konnten, lag es nahe, dass der Linienrichter doch noch seine Fahne hob. Der Videoschiedsrichter korrigierte ihn jedoch und so durften die Gastgeber mit einiger Verzögerung jubeln. Zehn Minuten später erhöhte Andrich auf Pass von Kruse mit einem schönen Schuss von der Strafraumgrenze bereits auf 2:0. „Das frühe Tor hat uns in die Karten gespielt“, sagte Andrich.

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Dem langjährigen Union-Trainer Uwe Neuhaus auf der Bielefelder Bank musste Angst und Bange werden. Die Berliner kombinierten nach vorne ansehnlich, die Arminia machte es ihnen mit schlimmen Fehlern und einer schlichtweg nicht bundesligatauglichen Darbietung aber auch viel zu einfach. „Wenn es die Möglichkeit gegeben hätte, hätte ich die gesamte Mannschaft ausgewechselt“, sagte Neuhaus.

Union hatte das Spiel mühelos im Griff, Trainer Fischer musste aber früh verletzungsbedingt wechseln. Das Startelfdebüt von Endo endete nach einem Tor und einer muskulären Verletzung im Oberschenkel schon nach 20 Minuten. Für den Japaner kam Akaki Gogia zu seinem ersten Bundesliga-Einsatz seit seinem Kreuzbandriss im September 2019.

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Es war eine dankbare Aufgabe für Gogia, der sich nahtlos einfügte. Nachdem Becker kurz vor der Pause nach Vorlage von Kruse und mit gütiger Mithilfe des Bielefelder Torwarts Stefan Ortega auf 3:0 erhöht hatte, hatte Gogia kurz nach dem Seitenwechsel seinen großen Auftritt. Im Strafraum machte er ein, zwei Übersteiger und wurde dann zu Fall gebracht – der Schiedsrichter entschied sofort auf Strafstoß. Max Kruse trat an und verwandelte auch seinen 16. Elfmeter in der Bundesliga. Damit stellte er den Rekord von Hans-Joachim Abel aus den Siebziger- und Achtzigerjahren ein.

In der Schlussphase erhöhte der ebenfalls eingewechselte Cedric Teuchert schließlich auf 5:0. „Die Mannschaft hat auch nach dem 3:0 und 4:0 nicht aufgesteckt, das hat mich beeindruckt“, lobte Fischer. Auch die Fans vor dem Stadion waren wunschlos glücklich – auch wenn der goldene Herbst in der Wuhlheide schon lange der kalten Herbstdunkelheit gewichen war.