Getestet wird beim 1. FC Union nur auf Corona

Im Gegensatz zu manch anderem Fußball-Bundesligisten sieht es beim 1. FC Union auch in der Länderspielpause durchaus nach Profisport aus – und nicht wie bei einer Freizeitmannschaft, in der sich aufgrund des Wetters oder anderer Ausflüchte nur eine Handvoll Spieler auf den Platz verirrt hat. Mit dem Österreicher Christopher Trimmel und dem Finnen Joel Pohjanpalo sind momentan nur zwei Nationalspieler auf Reisen, der Rest des 27-Mann-Kaders befindet sich in Berlin. Da wirkt es auf den ersten Blick etwas seltsam, dass Union das für Donnerstag geplante Testspiel gegen Eintracht Braunschweig kurzfristig wieder abgesagt hat.

„Aufgrund der Anzahl an kranken und verletzten Spielern, die bis Donnerstag nicht zurückkommen werden sowie der Länderspielabstellungen, ergibt ein Testspiel aktuell leider keinen Sinn”, begründet Manager Oliver Ruhnert die Absage in einer Vereinsmitteilung. Natürlich hätte Union auch ohne die abwesenden Nationalspieler sowie die nicht spielfähigen Keita Endo (Muskelverletzung im Oberschenkel), Marcus Ingvartsen, Grischa Prömel (beide muskuläre Probleme), Anthony Ujah (Knieprobleme), Nico Schlotterbeck (nach Muskelverletzung noch nicht ganz fit) und Marius Bülter (Quarantäne nach positivem Corona-Test) genügend Profis für ein Testspiel. Zieht man die Stammspieler ab, die nicht oder nur reduziert eingesetzt werden sollten, bleibt allerdings gar nicht mehr so viel übrig. Um eine Startelf zusammenzubekommen, hätte Trainer Urs Fischer schon zwei seiner Torhüter im Feld aufbieten müssen. So gesehen ist die Absage durchaus verständlich.

Ärgerlich ist es für den einen oder anderen Profi dennoch. „Ich habe mich auf das Spiel gefreut und hätte wahrscheinlich mehr Minuten bekommen”, sagt Stürmer Cedric Teuchert, der am Samstag gegen Bielefeld zwar schon sein zweites Tor erzielt hat, in der Bundesliga aber insgesamt noch nicht mal eine Stunde gespielt hat. Auch einige seiner Kollegen könnten Spielpraxis dringend gebrauchen. Teuchert kann die Entscheidung des Vereins aber verstehen. „Es macht keinen Sinn, wenn das Risiko groß ist, dass wir noch mehr Spieler verlieren”, sagt er und erwartet dafür eine deutliche Steigerung der Trainingsintensität.

Dass kurz vor dem Bielefeld-Spiel erstmals die Infektion eines Union-Profis vermeldet wurde, ist in der Mannschaft natürlich ein Thema. So ist das Coronavirus nicht nur omnipräsent in der Öffentlichkeit, sondern wird durch den positiven Test bei Bülter auch im unmittelbaren Umfeld greifbar. „Es ist schwer zu verhindern, dass es mal einen trifft”, sagt Teuchert. „Natürlich hofft man nach jeder Testung, dass man negativ ist. Wir reduzieren den Kontakt mit Außenstehenden stark und verzichten auf vieles, aber auch wir müssen Einkaufen oder mit dem Hund raus.” Auch wenn Bülter natürlich erst mal von der Mannschaft isoliert ist, ließ ihn diese virtuell am 5:0 gegen Bielefeld teilhaben. „Wir haben ihn gleich aus der Kabine per Facetime angerufen”, erzählt Teuchert. Ein bisschen gute Laune kann in der Quarantäne schließlich nicht schaden.