Essen auf Rädern – aber was?

Michael Wiedersich ist Sportjournalist und Radsporttrainer. Hier schreibt er im Wechsel mit Läuferin Jeannette Hagen.

Der Radsport ist voll von Mythen und Weisheiten. Egal, ob es um die Sitzposition auf dem Rad, die Länge der Kurbeln, das Rasieren der Beine oder das Trainieren mit schweren Gängen geht – um jedes Detail ranken sich Geschichten. Irgendein erfolgreicher Radfahrer hat das früher auch immer so gemacht und deswegen kann es ja nicht verkehrt sein, reicht meist als Erklärung für den Hilfe suchenden Radsport-Anfänger.

Ernsthafte wissenschaftliche Studien zu den Themen werden, wenn es sie dann einmal gibt, meist als theoretisch und realitätsfern abgetan. Auch in Sachen Ernährung stößt man immer wieder auf Ratschläge aus einer Zeit, als es noch Holzfelgen an den Rädern gab.

„Radrennen heißt, den Teller deines Gegners leer zu essen, bevor du mit deinem eigenen anfängst“, versuchte sich Hennie Kuiper, niederländische Rad-Legende der 70er und 80er Jahre, einmal als Hobby-Philosoph. Dieses Bonmot zum Radsport im Allgemeinen zeigt auch die Bedeutung der Nahrungsaufnahme im Besonderen. Beispielsweise galt es lange Zeit als Schwäche, innerhalb einer vierstündigen Trainingsausfahrt eine Banane zu essen oder gar an der Trinkflasche zu nippen.

In den vergangenen Jahrzehnten folgte nach und nach ein Umdenken, angetrieben durch objektive Ergebnisse aus der Forschung. Selbst eine Banane pro Stunde beim Radfahren könnte bei einer anstrengenden Trainingseinheit mittlerweile zu wenig sein.

[Wenn Sie aktuelle Nachrichten aus Berlin, Deutschland und der Welt live auf Ihr Handy haben wollen, empfehlen wir Ihnen unsere App, die Sie hier für Apple- und Android-Geräte herunterladen können.]

Der Energieverbrauch eines Sportlers wird inzwischen individuell berechnet. Dadurch fährt man zwar nicht unbedingt schneller, doch mit weniger Leistungseinbrüchen. Auch das eigene Gewichtsmanagement lässt sich damit sehr gut regeln.

Mit diesen Formeln kann man auch als Hobby-Radfahrer ganz praktisch arbeiten. Denn mit großen Schritten nähert sich Weihnachten, die Zeit der süßen Verführungen. Da bekommt das Thema Ernährung alljährlich auch für mich eine große Bedeutung. Süßigkeiten aller Art bin ich nicht abgeneigt. Meine Rechnung dabei ist eigentlich einfach: Wie lange muss ich wie schnell Radfahren, um den einen oder anderen Schoko-Weihnachtsmann oder das Stück Christstollen essen zu können, ohne gleich anzusetzen?

Auf jeden Fall werde ich in diesen Winter gut vorbereitet und mit weniger Gewicht in die Weihnachtszeit gehen. Seit einigen Tagen verzichte ich auf Zucker, Kaffee, Weizen und tierische Fette. Ich soll mich so von Säuren befreien. Auch ein Mythos, jedoch aus der Alternativmedizin, aber Versuch macht bekanntlich klug.

Ein Fest für Radfahrer: Bald ist wieder Weihnachten.Foto: imago/photothek

Allerdings bin ich mir nicht sicher, ob mein Körper das auch wirklich will. Bereits am ersten Tag dieser temporären Nahrungsumstellung setzten beim Radfahren starke Kopfschmerzen ein, vermutlich eine Folge des Verzichts der Espressi und der damit verbundenen täglichen Ration Koffein.

Und wie ich das vierstündige Training ohne Essen geschafft habe, daran erinnere ich mich auch nicht mehr richtig. Dazu kamen an den nächsten Tagen weitere Entzugserscheinungen wie ein starkes Ziehen in den Beinen, das an die Wachstumsschmerzen meiner Kindheit erinnerte.

Ich bin gespannt, was noch alles folgt. Bis Samstag muss ich noch durchhalten. Zur Feier dieses Tages stelle ich mir bereits jetzt die Frage: Pizza oder Döner?