Es fehlt es an Feuer und Führung

Die Niedergeschlagenheit war Fabian Wiede anzusehen. Vornübergebeugt saß er da, vergrub sein Gesicht in der rechten Hand, den Blick starr nach unten gerichtet. Der 27 Jahre alte Wiede hatte merklich mit der 27:28-Niederlage der Füchse gegen den SC DHfK Leipzig zu kämpfen. „Leipzig hat verdient gewonnen. Sie hatten von Anfang an einen guten Plan, gegen den wir keine Lösungen gefunden haben“, sagte Wiede mit leiser Stimme.

Wieder hatte er mit seinem Team ein Spiel verloren, wieder war die Defensive nur zeitweise überzeugend, wieder war der Gesamtauftritt zu fehlerbehaftet. Wie in letzter Zeit so oft bestachen die Berliner Handballer durch schlechte Abspiele, ungenaues Timing und wenig Emotionalität. Während die Gäste jede Aktion bejubelten, herrschte auf der Bank der Füchse Stille.
Erst eine gute Viertelstunde vor Abpfiff änderte sich dieser Eindruck, legten die Füchse neun Treffer in Serie ohne Gegentor hin. „Da haben wir uns gepusht. Ich kann nicht verstehen, warum wir es nicht von Anfang so schaffen, so motiviert und kämpferisch stark zu sein. Warum wir es erst ab der 40. Minute hinbekommen, ist mir fraglich“, sagte Wiede. „Was soll ich dazu sagen?“, sagte Jaron Siewert. Wiedes Trainer war gleichermaßen ratlos. „Dafür trage ich die Verantwortung.“

Es braucht einen Anführer

Siewert fehlten indes die Erklärungen, warum seine Mannschaft zum wiederholten Mal nicht abliefern konnte. Es stellt sich die Frage, wieso es dem 27-Jährigen nicht gelingt, sein Team anzuheizen. Anders als sein Vorgänger Velimir Petkovic, der für seine flammenden Motivationsreden bekannt war, scheint der Funken von ihm nicht auf die Spieler überzuspringen, scheint er mit seiner analytischen und sachlichen Art etwas zu viel Ruhe auszustrahlen. Denn auf dem Parkett sucht man oft verzweifelt nach einem Anführer, auf den auch in negativen Situationen Verlass ist.
Resultat ist nicht nur die sechste Niederlage in diesem Jahr, sondern ebenso das Abrutschen auf den siebten Tabellenplatz. Stand jetzt, wären die Füchse also in der nächsten Saison nicht für die European League qualifiziert– das Minimalziel des Vereins, der kurzweilig schon die Spitze der Liga und somit die Champions League anvisiert hatte. Große Träume, hatte man sich für die aktuelle Spielzeit nur über eine Wildcard international qualifiziert.

[Mehr guten Sport aus lokaler Sicht finden Sie – wie auch Politik und Kultur – in unseren Leute-Newslettern aus den zwölf Berliner Bezirken. Hier kostenlos zu bestellen: leute.tagesspiegel.de]

Soll es nicht erneut so kritisch werden, müssten die Berliner ihre personell sicherlich vorhandenen Qualitäten endlich abrufen und besonders im Duell mit den direkten Konkurrenten die Punkte sammeln. Denn sich als EHF-Cup-Sieger zu qualifizieren, scheint momentan eine nicht minder schwierige Aufgabe. Ein wichtiger Schritt auf dem Weg zum Final Four ist das Achtelfinal-Rückspiel am Dienstag gegen die Fivers aus Wien (20.25 Uhr, live auf Dazn).
Die Füchse können auf einem Acht-Tore-Vorsprung aufbauen. Aber die Österreicher hatten vor einer Woche mit engagiertem Tempospiel eine Halbzeit gut mitgehalten und werden sicher befreit aufspielen. Zumal Dejan Milosavljev, der beim Hinspiel der große Faktor für die Füchse war, nach seiner Fußverletzung wahrscheinlich noch nicht wieder spielen kann.

In der Schmelinghalle wird am Dienstag das Duo Fredrik Genz/Lasse Ludwig für den nötigen Rückhalt sorgen müssen, während es an dem Rest des Teams liegt, in der Abwehr die entsprechende Aggressivität an den Tag zu legen. Noch einen Ausrutscher können sich Fabian Wiede und Co. schließlich nicht erlauben.