Er war das Gesicht der Occupy-Bewegung

David Graeber, der US-amerikanische Anthropologe und Autor von Bestsellern wie “Schulden” und “Bullshit Jobs” ist tot. Er starb im Alter von 59 Jahren.

Der US-amerikanische Ethnologe und Kapitalismuskritiker David Graeber starb im Alter von 59 Jahren.Foto: Mike Wolff

Mit dem Kapitalismus ging er scharf ins Gericht, begab sich in seinem Büchern auf die Spuren des Geldes quer durch die Menschheitsgeschichte und begeisterte die jüngere Generation: Der Anthropologe und Anarchist David Graeber schrieb Bestseller und machte sich einen Namen weit über akademische Kreise hinaus, nicht zuletzt als Inspirator der Occupy-Bewegung. Am Mittwoch ist der US-amerikanische Publizist im Alter von 59 Jahren in Venedig gestorben, wie seine Frau auf Twitter bestätigte. Die Umstände seines Todes wurden bisher nicht bekannt.

Graeber, 1961 in New York geboren, hatte zunächst Ethnologie an der Yale Universität gelehrt, wo sein Vertrag nicht verlängert wurde, offenbar wegen seiner radikalen Positionen. Er ging zur University of London, seit 2013 unterrichtete er an der London School of Economics and Political Science. Zu seinen bekanntesten Titeln zählen “Schulden. Die ersten 5000 Jahre” (2013), “Bürokratie. Die Utopie der Regeln” (2016) und “Bullshit Jobs” (2018).

Vor allem die Debatten um die Zukunft der Arbeit, die soziale (Un-)Gerechtigkeit und um die Klimakrise hat Graeber befeuert. So forderte er die Menschen auf, sich der Bewegung Extinction Rebellion anzuschließen, bei deren Demonstrationen er 2019 auch öffentlich auftrat. Sein Credo: Für die Rettung der Umwelt sollten die Menschen Konsumverzicht leisten. Dem Tagesspiegel sagte er 2016 im Interview, die sozialdarwinistische Lehre vom Überleben des Stärkeren sei falsch. “Das bestätigt jetzt auch die moderne soziologische Forschung. Zusammenarbeit, nicht Konkurrenz ist Grundlage des Erfolgs.” Tsp