Ein Weltmeister, der nur noch hinterherhinkt

Wenn Mario Götze sein Seelenheil von der Zufriedenheit im Job abhängig macht, müsste er im Moment ein recht glücklicher Mensch sein. Götze hat gerade einen neuen Arbeitgeber gefunden, er hat am Wochenende zum ersten Mal seit Dezember wieder von Anfang an gespielt und nach wenigen Minuten ein erstes Tor für seinen neuen Klub erzielt.

Dass er jetzt für Eindhoven in der international zweitklassigen Ehrendivision aufläuft, dürfte für Götze nach den unbefriedigenden Erfahrungen bei Borussia Dortmund erst einmal zweitrangig sein.

Wenn Mesut Özil sein Seelenheil von der Zufriedenheit im Job abhängig macht, dürfte er im Moment ein recht unglücklicher Mensch sein. Özil hat seit März kein Spiel mehr für den FC Arsenal in der international erstklassigen Premier League bestritten, und er wird das womöglich auch bis zum Ablauf seines Vertrages im kommenden Sommer nicht mehr tun. Zumindest nicht in der Premier League.

Arsenal hat ihn für diesen Wettbewerb ebenso wenig gemeldet wie für die Spiele der Europa League.

Mario Götze und Mesut Özil sind im Sommer 2014 zusammen Fußball-Weltmeister geworden. Das verbindet sie bis heute. Vor allem prägt es die öffentliche Wahrnehmung von ihnen. Selbst heute sind Götze und Özil immer noch Teil von etwas Größerem. Und viele dieser Teile fügen sich gerade zu einem Gesamtbild. Man könnte es „Die Götterdämmerung der Weltmeister“ nennen.

André Schürrle und Benedikt Höwedes haben sich entnervt vom Fußball verabschiedet. Kevin Großkreutz ist beim Drittligisten Uerdingen rausgeflogen und Ron-Robert Zieler nur noch Ersatztorwart. Sami Khedira wurde von Juventus Turin nicht für die Champions League gemeldet. Erik Durm sitzt in Frankfurt nur auf der Tribüne – und Thomas Müller, Mats Hummels sowie Jerome Boateng werden von Bundestrainer Joachim Löw weiterhin hartnäckig ignoriert.

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Eine solche Aufzählung liest sich dramatischer, als sie tatsächlich ist. Der brasilianische WM-Sommer mag uns allen noch so unglaublich nah vorkommen, tatsächlich liegt er sechs Jahre zurück. In sechs Jahren werden aus Sportlern auf der Höhe ihrer Schaffenskraft gealterte Helden, die den Anforderungen des Hochgeschwindigkeitsfußballs nur noch hinterherhinken. Nur Götter sind dagegen gefeit.

Von Rudi Völler stammt der Satz: „Weltmeister bleibt man sein Leben lang.“ Das ist schön für alle Weltmeister, die wie Völler ihre Karrieren bereits beendet haben und trotzdem weiterhin hofiert werden. Für alle Weltmeister, die noch spielen, ist es das nicht. Weil sie immer am Sommer ihres Lebens gemessen werden, in dem sie womöglich so gut waren wie nie davor und nie danach. Diesen Vergleich können sie nur verlieren.