Ein Weckruf für das deutsche Segeln

Die Seenotraketen sind abgefackelt, der Champagner verspritzt. Die Ankunft des deutschen Segelstars Boris Herrmann in Frankreich setzte am Donnerstag den Schlusspunkt hinter eine monatelange Odyssee, die viele Menschen in ihren Bann gezogen hatte.

Zwar fiel der Jubel diesmal wegen der Corona-Ristriktionen deutlich bescheidener aus als sonst, doch dürfte die große öffentliche Begeisterung über Herrmanns Leistung beim Vendée Globe Race noch eine Weile nachwirken.

Womöglich rollt die mediale Welle für ihn erst an. Doch was folgt daraus? Kann Herrmanns Vorbild Schule machen und die verschlafene Segelszene in seiner Heimat aufwecken? Kann sie ein Fundament für spätere Erfolge legen?

Als die „Illbruck“ 2002 das Volvo Ocean Race gewann und auf der Schlussetappe in Kiel eintraf, war die Förde mit einem Teppich schwankender Zuschauerboote bedeckt. Die Begeisterung schien auch damals grenzenlos zu sein. Und was ging daraus hervor? Fast nichts. Ohnehin war nur ein Mitglied aus der Illbruck- Crew Deutscher gewesen, aber welche Zukunft bot sich ihm schon? Bei wem hätte Toni Kolb danach anheuern können?

Die Zahl an Profiseglern in diesem Land ist so klein, dass, wer internationales Niveau erreichen will, sein Glück woanders suchen muss. In Frankreich, wohin es Talente wie Lennart Burke zieht, oder in England, Australien, den USA.

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Die Konkurrenz dort ist groß. Man wartet nicht gerade auf Leute aus einem Land mit einer unmöglichen Küstenlinie, an der man kaum Hochseeerfahrung sammeln kann. Und wichtige Regatten, für die Unternehmen oder wohlhabende Eigner die besten Leute auf teuren Schiffen versammeln, gibt es auch nicht.

Trotzdem ist der Ruf deutscher Segler in der Welt nicht schlecht. Langstrecken-Abenteurer findet man in jedem Hafen, und sei er noch so weit entfernt. Und auch die olympischen Segelklassen warten mittlerweile wieder mit einer Anzahl herausragender Athleten und Athletinnen aus Deutschland auf. Die sind nur so gut, weil auch die Konkurrenz zuhause gut ist. Langsam sollte sich bei Geldgebern herumgesprochen haben, dass Wind zwar nicht umsonst zu haben ist, aber immer für Auftrieb sorgt.