Ein vorsichtiger Fingerzeig

Manchmal ist weniger mehr. Sofian Chahed, Trainer von Turbine Potsdam, wählte nach der bitteren 0:5-Niederlage gegen den VfL Wolfsburg vor etwas mehr als einer Woche genau die richtige Maßnahme für seine enttäuschten Spielerinnen. Wenig Training, dafür viel Freizeit. „So zu verlieren, war hart. Das hat es gut getan, etwas frei zu haben“, sagt Turbine-Kapitänin Karoline Smidt-Nielsen.

In den wenigen Trainingseinheiten der vergangenen Woche wurde viel gespielt, sodass die Lust  auf Fußball viel Platz einnahm im Reisegepäck zum Auswärtsspiel nach Frankfurt am vergangenen Freitag. Und Chaheds Plan ging auf. 1:0 (0:0) gewannen die Potsdamerinnen im Klassiker gegen Eintracht Frankfurt nach einem Tor von Gina Chmielinski eine Viertelstunde vor dem Abpfiff. Damit festigte Turbine den dritten Tabellenplatz in der Frauen-Fußballbundesliga.

Turbine verteidigte taktisch klug

Nach den Niederlagen gegen Wolfsburg und zuvor gegen Bayern München (0:3) hatte Chahed bereits vor der Begegnung gegen die Eintracht eine bessere Leistung angekündigt. „Wir werden nicht so chancenlos wie gegen Wolfsburg und Bayern sein“, prognostizierte der 37-Jährige und sah tatsächlich vor allem in der ersten Halbzeit gute Chancen seiner Elf durch Nina Ehegötz und Malgorzata Mesjasz. Im zweiten Durchgang hatten die Gastgeberinnen mehr Spielanteile, ohne aber Torgefahr zu entwickeln, da Turbine taktisch gut und zweikampfstark verteidigte.

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Anders die Frankfurterinnen eine Viertelstunde vor dem Ende. Nach einer Flanke von Nina Ehegötz landete der Klärungsversuch von Theresa Panfil genau vor den Füßen von Gina Chmielinski, die volley von der Strafraumgrenze abzog und im herbstlich trüben Stadion am Bretanobad für Potsdams Glanzlicht sorgte. „Wir haben einfach mit viel Herz sehr gut gekämpft“, sagt Kapitänin Smidt-Nielsen, die das Spiel sehr ausgeglichen erlebte. Verdient war der Sieg dennoch, denn Turbine spielte mit mehr Mut, mehr Leidenschaft und mehr Torgefahr. Lohn sind nunmehr fünf Punkte Vorsprung auf den Erz-Rivalen vergangener Jahre, mit dem Turbine dauerhaft um die deutsche Meisterschaft stritt.

Es geht um die Champions League

In dieser Saison konkurrieren beide Klubs um Platz drei, der zur Teilnahme an der Champions League berechtigt. „Einen Fingerzeig, aber nichts Entscheidendes“, nannte Turbine-Trainer Chahed den Sieg gegen den unmittelbaren Mitbewerber. Dass es gelungen ist, den dritten Tabellenplatz zu festigen und den Punktevorsprung auf Frankfurt auszubauen, bewertet Chahed zum jetzigen Saisonzeitpunkt – zwei Spieltage vor Ende der Hinrunde – als Tendenz.

Doch kann Potsdam diese in den kommenden Wochen untermauern. Während Eintracht Frankfurt mit den Spielen gegen Wolfsburg und München das denkbar schwierigste Restprogramm der Hinrunde hat, empfängt Turbine zunächst Aufsteiger Werder Bremen und reist dann zur SGS Essen.

Doch warnt Karoline Smidt-Nielsen: „Das nächste Spiel wird vielleicht das schwierigste überhaupt.“ Gegen Liga-Neuling Bremen, der am Wochenende mit 5:3 gegen den MSV Duisburg gewann, sei Turbine anders als in den vergangenen drei Spielen in der Favoritenrolle. „Wir werden uns darauf genauso konzentriert und mit der gleichen Mentalität vorbereiten wie zuletzt“, sagt die 26-jährige Dänin.

Das Trainingspensum wird Sofian Chahed allerdings nicht wieder reduzieren. Im Gegenteil: Nach einem freien Sonntag und der Freude über den Auswärtssieg in Frankfurt ist bei Smidt Nielsen die Lust und Bereitschaft groß, sich gleich mit Beginn der neuen Woche auf die nächste Partie vorzubereiten.