Ein Torwart hechtet hinterher

Ralf Fährmann war in Rage. Nach dem Spiel beim 1. FC Union sagte der Tormann des FC Schalke 04, gefragt nach einer Diskussion um einen nicht gegebenen Strafstoß, dass man sich da nicht so aufregen solle. Fußball sei eben „ein Männersport“. Der Pass wurde von einem Moderator wenig später dankbar aufgenommen. Klar, Fußball sei ein Männersport, aber einer mit Regelwerk. Haha. Ein Interview in HD-Qualität mit dem Sound aus den Fünfzigern. Was doch alles noch so unreflektiert möglich ist bei der Berichterstattung über die Fußball-Bundesliga der Männer.

Im Grunde genommen ist Ralf Fährmann zu danken, hat er doch nur ein immer schwerer wiegendes Problem des Männerfußballs offenbart. Die Gesellschaft um die Old-School-Männerfußballszene herum ist inmitten eines fortschreitenden Änderungsprozesses. Was gestern noch an sexistischem Schwachsinn durchging, ist heute nicht mehr erlaubt. Und das ist, wenn es berechtigt ist, sehr gut so. Denn Gleichberechtigung in Gesellschaft und Sport ist keine Möglichkeit, sie muss eine Selbstverständlichkeit sein.

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Viele Protagonisten im Männerfußball tun sich da noch sehr schwer, die Rollenverteilung ist für sie oft sehr simpel. Sie wachsen mit alten Bildern auf. Frauen sind häufig vor allem Spielerfrauen, kaum ein Profifußballer ist mit einer Sportlerin (oder einem Sportler?) liiert, das ist in anderen Sportarten wie etwa der Leichtathletik anders.

Aber natürlich ist es ungerecht, den Fußball allein anzuprangern, der gesamte Männermannschaftssport operiert weitenteils nach alten Gesetzen. American Football ist als tougher Sport in den USA den Männern vorbehalten, im „Männersport“ Eishockey müssen die Frauen ihre Gesichter hinter Gittern verstecken – genauso wie der Nachwuchs. Frauen und Kinder zuerst, dann kommen die Männer und retten die Welt.

So ein Fährmann, der zieht natürlich einen kleinen Aufschrei in der sozialen Netzwerkwelt hinter sich. Unvermeidbar kommen da auch die Menschen zu Wort, die fordern, den ganzen Fußballprofimännerbums abzuschaffen. Braucht ja keiner – außer den Feinripp- und Bierbauchträgern vorm TV und die paar 11 Freunde, aber das ist großer Unsinn: Fußball ist für alle da, auch die Bundesliga der Männer. Und da schauen alle Menschen zu, weil sie das Spiel mögen.