Ein Sieg ist Pflicht – wie auch immer

Das Leipziger Hotel The Westin ist nicht nur ein ziemlich hohes Gebäude, sondern bietet auf Grund seiner Geräumigkeit und der derzeit dünnen Gästebelegung ordentlich Beinfreiheit. Was die deutsche Fußball-Nationalmannschaft, die sich für ein paar Tage unter strengen Corona-Regeln einquartiert hat, durchaus zu schätzen weiß. Gleich zwei ihrer drei November-Länderspiele sind in Leipzig zu absolvieren, vorigen Mittwoch gegen Tschechien, am Samstag (20.45 Uhr, ZDF) gegen die Ukraine.

Das Spiel wackelt allerdings: Vier Spieler und der Manager der ukrainischen Nationalmannschaft sind gestern positiv auf das Coronavirus getestet worden. Das teilte der ukrainische Fußball-Verband am Freitagabend mit. Bei den Spielern handelt es sich demnach um Andrej Jarmolenko, Viktor Tsigankow, Viktor Kowalenko und Sergej Sidortschuk.

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Die Uefa-Regularien sehen vor, dass das Spiel stattfindet, sofern die Ukraine zwölf Feldspieler und einen Torhüter zur Verfügung hat. Die Entscheidung über eine mögliche Quarantäne für das ganze Team liegt allerdings beim Gesundheitsamt Leipzig. Die Mannschaft der Ukraine soll am Samstag gegen 14 Uhr nochmals getestet werden. Kann sie nicht antreten, würde dem deutschen Team vermutlich der Sieg am Grünen Tisch zugesprochen werden. Am Freitagabend sah es aber so aus, als sollte gespielt werden – davon ging der DFB laut der Deutschen Presse-Agentur aus.

Der Spielort bliebe für die Nationalmannschaft derselbe wie gegen Tschechien, die Erwartungshaltung ändert sich aber deutlich. Die Zeit des Experimentierens ist vorbei. Hat der Bundestrainer gesagt. Mit den Spielen in der Nations League gegen die Ukraine und drei Tage später in Sevilla gegen Spanien startet für die Mannschaft von Joachim Löw offiziell die heiße Phase im Hinblick auf die Europameisterschaft im kommenden Sommer – so sie denn stattfindet. „Wir haben nicht mehr viele Spiele“, sagte der Bundestrainer und kündigte für das Heimspiel im erneut zuschauerlosen Stadion von Leipzig „Bestbesetzung“ an.

Das Spiel gegen die Ukraine wäre ein vorentscheidendes

Bereits am Donnerstag, einen Tag nach dem unbedeutenden 1:0 im Test über Tschechien, waren acht Stammspieler dazugestoßen, die Löw zuvor im eng getakteten Corona-Spielplan noch geschont hatte. Darunter der Bayern-Block um Manuel Neuer, Serge Gnabry, Leon Goretzka und Leroy Sané sowie der Gladbacher Matthias Ginter und auch Toni Kroos (Real Madrid) und Timo Werner (FC Chelsea).

Aus der Testspiel-Elf vom vergangenen Mittwoch dürften Ilkay Gündogan und Antonio Rüdiger ihren Kaderplatz für die EM sicher haben. Vermutlich gilt das auch für Julian Brandt. Auf den 24-jährigen Dortmunder hält Löw große Stücke, auch wenn dieser eher große Böcke liefert, wie zuletzt gegen Tschechien. „Julian hat so viel Können. An der Konstanz muss er arbeiten. Er muss noch die nächste Hürde überspringen“, sagt Löw.

„Wir haben jetzt noch zwei Spiele und dann im März noch mal drei. Und dann ist die Nominierung und die Vorbereitung für die EM“, sagte Löw in Leipzig. Das Spiel gegen die Ukraine ist ein vorentscheidendes. „Wenn wir gewinnen, sind wir in einer guten Position“, sagte Löw im Vorfeld. Womöglich gibt es ja wegen der Coronavirus-Fälle beim Gegner einen Sieg am Grünen Tisch. Aber schöner wäre natürlich ein Sieg auf dem Platz: Dann käme es gegen die einen Punkt besseren Spanier zu einem Endspiel um Platz eins in der Nations League. Das allerdings dann nicht mehr in Leipzig, sondern in Sevilla.