Ein Sieg, der nicht gefeiert wird

Die Marschroute war eindeutig ausgelegt. Gegen den Aufsteiger TUSEM Essen wollten Füchse-Trainer Jaron Siewert und seine Mannschaft wieder „in die Erfolgsspur einbiegen“, wie es der 26-Jährige ausdrückte. Doch der große Jubel blieb trotz des 24:23-Sieges letztlich aus, gaben die Berliner im Ruhrgebiet auf den letzten Metern fast noch die anvisierten zwei Punkte aus der Hand.

„Ich bin sehr unzufrieden mit unserem Auftreten“, erklärte Siewert nach der Zitterpartie, „der erwünschte Turnaround war es heute noch nicht.“ Leichtfertig und leichtsinnig sei man mit dem Ball umgegangen, am Ende nur knapp der Niederlage von der Schippe gesprungen – und das trotz einer zwischenzeitlichen Sechs-Tore-Führung. Wie schon in etlichen Spielen zuvor hatte Siewerts Team zu viele einfache Fehler produziert und sich dadurch selbst unnötig in die Bredouille gebracht. Fehler, die einer Mannschaft, deren Anspruch es ist, international zu spielen, nicht passieren dürfen.

Aktuell auf Tabellenplatz fünf hat Berlin Magdeburg, Kiel und Mannheim vorbeiziehen lassen müssen und aus den letzten sechs Bundesliga-Begegnungen nur vier Punkte mitnehmen können. Besser lief es hingegen in der European League, wo nach einem sportlich nahezu verlustfreien Monat der Gruppensieg zu Buche steht und am 23. März die K.-o-Runde gegen die Fivers aus Wien beginnt.

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„Wir haben das Potenzial“, weiß Siewert, „aber wir müssen in den Crunchtime-Momenten – wenn es Spitz auf Knopf kommt – abgeklärter sein und die Ruhe bewahren, damit wir auch enge Spiele für uns entscheiden. Das ist der nächste Entwicklungsschritt, den wir als Mannschaft machen müssen.“
Zunächst gönnt der 27-Jährige seinen Jungs indes etwas Ruhe. Nach dem überstrapazierten Terminkalender seit der Weltmeisterschaftspause lädt der Coach erst am Donnerstag wieder zum Training und will die Nationalmannschaftswoche nutzen, um den Fokus neu zu finden, „um dann eine deutlich erfolgreichere Serie zu starten“.
Ruhe herrscht deswegen allerdings nicht in Füchse-Town. Bereits am Montag zog die deutsche Nationalmannschaft ein – mit dabei die Berliner Paul Drux und ebenso Fabian Wiede, der die WM in Ägypten aufgrund seiner vorangegangenen Schulterverletzung noch ausgelassen hatte. Für Dänemark unterwegs sind unterdessen Lasse Andersson, Jacob Holm und Hans Lindberg. Die Leistungsträger sind also weiter gefragt, wenngleich in einem anderen Umfeld.
Dennoch herrscht Optimismus. „Es tut jetzt gut, den Kopf etwas freizukriegen“, findet Drux: „Wenn wir uns alle in einer Woche wieder sehen, werden wir mit neuer Kraft in die nächsten Spiele gehen.“ Dann steht zum einen wie angesprochen das Achtelfinale im europäischen Wettbewerb auf dem Tableau, zum anderen warten in der HBL-Spiele gegen die Konkurrenten aus Minden, Magdeburg, Leipzig und Göppingen. Eine Niederlagen-Serie wie nach der letzten Nationalmannschaftspause sollten sich die Füchse dann nicht erlauben. Für die internationalen Plätze sollten sie den Weg ohne zu stolpern weitergehen.