Ein Klub sinnt auf Rache

Wenn Borussia Mönchengladbach heute Abend in der Gruppenphase der Champions League im heimischen Stadion Inter Mailand empfängt, dann ist es auf den Tag genau 49 Jahre her, dass die Italiener zum ersten Mal im Europapokal bei den Gladbachern antreten mussten. Zumindest offiziell. Das erste Aufeinandertreffen beider Klubs fand eigentlich schon im Oktober 1971 statt. Es ist allerdings aus sämtlichen Statistiken getilgt und damit nicht mehr existent.

Natürlich stimmt das nur formaljuristisch. Praktisch ist das Achtelfinal-Hinspiel im Landesmeister-Cup 1971/72 im kollektiven Gedächtnis der Gladbacher selbst nach fast einem halben Jahrhundert immer noch präsent. 7:1 gewann die damals noch weitgehend unbekannte Fohlenelf gegen den Renommierklub aus Mailand.

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Doch weil Inters Stürmer Roberto Boninsegna kurz vor der Pause von einer Coladose getroffen worden war und sein Klub erfolgreich gegen die Wertung der Partie protestiert hatte, kam es am 1. Dezember 1971 im Berliner Olympiastadion zum Wiederholungsspiel. Mehr als 80 000 Zuschauer wollten die vermeintliche Revanche des Deutschen Meister live im Stadion erleben. Die Gladbacher aber kamen nicht über ein 0:0 hinaus und schieden dadurch aus dem Europapokal aus.

„Seitdem ich in Gladbach bin, umschwirrt uns der Name Boninsegna und das 7:1 gegen Inter 1971“, sagt Borussias Sportdirektor Max Eberl. Heute Abend (21 Uhr, live bei Dazn) könnte sein Klub ein zweites Mal Revanche nehmen, nachdem sich Borussia schon 1979 im Uefa- Cup gegen Inter durchgesetzt hat. Und selbst ein 0:0 wie vor 49 Jahren könnte unter Umständen schon zum Weiterkommen reichen – falls Real Madrid im zweiten Spiel der Gruppe nicht bei Schachtjor Donezk verliert. Mit einem Sieg der Gladbach gegen Inter wären ohnehin die letzten Zweifel am Weiterkommen beseitigt.

Nur Verteidiger Elvedi fehlt den Gladbachern

Für die Borussia wäre es das erste Mal überhaupt, dass sie das Achtelfinale der Champions League erreicht. „Das wäre für den ganzen Verein etwas ganz Besonderes“, sagt Mittelfeldspieler Florian Neuhaus. Und es wäre so etwas wie die logische Fortschreibung der bisherigen Champions-League-Geschichte der Gladbacher: Bei ihrer ersten Teilnahme schieden sie als Letzter schon nach der Gruppenphase aus.

Bei der zweiten Teilnahme durften sie als Gruppendritter nach der Winterpause immerhin in der Europa League weiterspielen. Das hat die Mannschaft von Trainer Marco Rose diesmal schon nach vier Spieltagen geschafft. Trotz der starken Gegner Inter und Real sind die Gladbacher noch ungeschlagen, und in den beiden Duellen mit Donezk, im Sommer immerhin Halbfinalist der Europa League, setzten sie sich mit insgesamt 10:0-Toren durch. „Wir haben eine herausragende Ausgangslage, die wir jetzt verwerten wollen“, sagt Eberl.

Verzichten muss Trainer Rose dabei allerdings auf Verteidiger Nico Elvedi, der sich im Hinspiel in Mailand ein hart umkämpftes Duell mit Inters bulligem Stürmer Romelu Lukaku lieferte. Elvedi hatte den Belgier weitgehend im Griff. Trotzdem erzielte Lukaku für Inter beide Tore beim 2:2.

(mit dpa)