Ein Klassiker für Kinder neu aufgelegt

Wer braucht schon Rampenlicht für gute Taten? Bei „Bella, Boss und Bulli“ von Volker Ludwig heißt der heimliche Held Valentin.

Er ist eine der ungewöhnlichsten Figuren in der Grips-Geschichte, denn sein Beruf lautet Hausmeister, und trotzdem hat dieser ruppige Kerl wenig gemeinsam mit all den autoritären Blockwart-Gestalten, die sonst die Bühne am Hansaplatz bevölkert und den Kindern mindestens den Spaß verdorben haben. Valentin behauptet zwar auch, dass der Nachwuchs ihm den Buckel runterrutschen kann. Aber in der Stunde der Not wird er zum Retter.

„Bella, Boss und Bulli“ stammt aus dem Jahr 1995. Regisseur Robert Neumann macht sich nun fast ein Vierteljahrhundert nach der Uraufführung an die Überprüfung, ob Ludwigs drei Freunde auch heute noch Bestand haben.

Die Antwort lautet: durchaus. Die Geschichte der siebenjährigen Bella, die mit ihrer Mutter umziehen muss und in einen turbulenten Freundschaftskrimi verwickelt wird, funktioniert ziemlich zeitlos.

Sicher, ein paar Updates hat Neumann vorgenommen. Es wird nicht mehr so viel berlinert wie im Original, und statt in die Schuhkarton-Wohnung verschlägt es die alleinerziehende Bella-Mutter (Katja Hiller) jetzt Gentrifizierungs-realistisch an den Stadtrand. Aber die Konflikte bleiben dieselben.

Das Mädchen freundet sich mit dem draufgängerischen Boris „Bulli“ Buller (Ludwig Brix) und dem verwöhnten Viktor A. Beck (Marcel Herrnsdorf) an, der spöttisch Boss genannt wird, weil sein Vater ein Chef ist und den Sohnemann im SUV vom Chauffeur abholen lässt.

[Wieder am 23. bis 25. und 28. bis 31. 10.]

Wie sich recht bald herausstellt, werden beide Jungs um Geld erpresst, und zwar vom bösen Harke (Jens Mondalski, der in den Pausen zwischen seiner Fieslings-Performance auch Kontrabass spielt). Dessen wenig subtile Drohung lautet: „Ritsche-ratsche, Pimmel ab“. Das macht Eindruck.

Im Bühnenbild aus multifunktionalen Umzugskartons (Silke Pielsticker) bringt Neumann diese Geschichte für Menschen ab 6 sehr schnörkellos auf Touren – mit einer Anke Retzlaff als Bella im Zentrum, die den Grips-Archetypus „freches Mädchen“ angenehm ungekünstelt interpretiert. Und der brummige Valentin, gespielt von Christian Giese, ist ein sehr viel größerer Kinderversteher, als er zu sein vorgibt.