Durch den Welli gewackelt

Stockduster war es am Freitagabend rund um das Sportforum Berlin. Am Eingang an dem es zu den Eishallen geht, da prangte ein Banner mit der Aufschrift: „Bis auf Weiteres kein öffentlicher Eislauf“ – es war kaum zu glauben, dass ein paar hundert Meter tatsächlich noch Licht brannte und zwar im Wellblechpalast. Dort hatten sich inklusive der Aktiven auf dem Eis rund hundert Menschen versammelt, um den ersten Auftritt der Eisbären im sogenannten „Magentasport-Cup“, sozusagen die Testrunde für die Saison der Deutschen Eishockey-Liga (DEL), mitzugestalten oder zu verfolgen. Die Berliner empfingen in ihrem ersten ernsthafteren Saisonspiel die Schwenninger Wild Wings.

Und für ein paar Augenblicke war es kurz vor Beginn des Spiels wie immer: Die Eisbären-Hymne der Puhdys knatterte durch die Lautsprecher als die Mannschaften auf das Eis kamen. Kurze Zeit später mit dem ersten Bully wurde es dann freilich leiser als sonst bei einem Heimspiel der Berliner, die ja noch bis März vor bis zu 14 200 Zuschauern in der Arena am Ostbahnhof spielen konnten.

[Mehr guten Sport aus lokaler Sicht finden Sie – wie auch Politik und Kultur – in unseren Leute-Newslettern aus den zwölf Berliner Bezirken. Hier kostenlos zu bestellen: leute.tagesspiegel.de]

Aber das geht ja nun mal nicht his auf Weiteres. Zudem lieferten die Berliner für ihre Fans am Fernseher ein wackeliges Spiel ab, das sie mit viel Problemen im Spielaufbau 1:5 (1:1, 0:2, 0:3) und damit deftig hoch verloren. Parker Tuomie schoss das einzige Berliner Tor. Verteidiger Frank Hördler sagt: VDas war nicht ansatzweise das, was wir uns vorgestellt haben.”

Schwenningen siegte verdient, beide Mannschaften waren mit vollem Ernst bei der Sache und irgendwie war das aufs Wesentliche konzentrierte Spiel rührend. Während sie in der Arena am Ostbahnhof die Geräusche auf dem Eis per Lautsprecher verstärken, damit sie im Oberrang noch zu hören sind, war am Freitagabend sogar das Knarzen der Schlittschuhe zu hören, so wie im Training halt oder im Hobbyeishockey ohne Zuschauer.

Aber das interessierte Eisbären-Geschäftsführer Peter John Lee wohl weniger. Der Mann, der im Eishockey schon viel gesehen hat, sagte als Zuschauer fast ein wenig gerührt: „Ich bin so froh, dass es wieder losgeht. Und ich hoffe auch, dass es weitergeht.“ Am 18. November will die DEL entscheiden, ob sie dann in ihre reguläre Saison geht.

Es wird wohl auch auf die Zahl der Klubs ankommen, die sich auf eine Geisterspielsaison einlassen wollen und können. Die acht Teams vom Pokal sind sicher am Start, doch was heißt sicher: Am Freitag legten positive Coronatests zuhauf die dritte Eishockeyliga im Lande fast lahm.

Am Donnerstag geht es für die Eisbären nach Mannheim

In der Oberliga Süd fanden gerade einmal zwei von sechs angesetzten Spielen statt. Marc Hindelang, Vizepräsident beim Deutschen Eishockey-Bund, sagte: „Die Maxime bleibt weiterhin, das Machbare dazustellen.“ Das hört sich eher kryptisch als vielversprechend an. Eishockey ist eben auch vorm Virus nicht gefeit, auch wenn Weißrusslands Staatschef Alexander Lukaschenko kürzlich im Dauerwahn behauptet hat, Eishockey zu spielen sei bestes Mittel gegen das Virus. Von wegen der Kälte. Aber das lässt sich wohl nicht mal unter den größten Verschwörungstheoretiker*innen halten. Womöglich fällt der mögliche Saisonauftakt der DEL in eine ganz unmögliche Zeit.

Aber immerhin spielen sie jetzt ja nun schon mal in der Pokalrunde und da haben die Eisbären nach dem 1:5 noch Luft nach oben: Für die Berliner geht es am kommenden Donnerstag mit dem Auswärtsspiel in Mannheim weiter, so denn nichts dazwischen kommt. Am Freitagabend jedenfalls wurde es am Ende des Spiels ganz leise, nur die Delegation aus Schwenningen freute sich. Und eine halbe Stunde später war es dann gespenstisch ruhig rund um den Wellblechpalast in Hohenschönhausen.