Drei Punkte zum Geburtstag für Urs Fischer

Urs Fischer hatte vor dem fünften Duell mit dem SC Freiburg innerhalb von anderthalb Jahren vermutet, dass sich beide Mannschaften wohl nicht mehr großartig überraschen könnten. Der Schweizer Trainer des 1. FC Union versuchte es an seinem 55. Geburtstag dennoch – und das mit Erfolg. Nach fünf Spielen ohne Sieg beendeten die Berliner ihre kleine Schwächephase am Samstag. In Freiburg gewann Union 1:0 (0:0) und überholte den Gegner in der Tabelle. “Er hat sich einen Sieg gewünscht, den hat er bekommen. Ein perfekter Tag für ihn”, sagte Unions Torwart Loris Karius über Geburtstagskind Fischer.

Nachdem der Trainer sein Team wochenlang in verschiedenen Varianten eines 3-5-2 aufs Feld geschickt hatte, nahm er am Samstag personell und taktisch einige Änderungen vor. Marius Bülter durfte zum ersten Mal seit Dezember von Beginn an spielen, profitierte dabei aber wohl vom Ausfall Taiwo Awoniyis, der kurzfristig mit muskulären Problemen passen musste. Auch Nico Schlotterbeck, Christopher Lenz und Grischa Prömel rückten neu in die Startelf. So ergab sich ein 3-4-3 mit mehr Schwung auf den offensiven Außenbahnen.

In der Anfangsphase wählten beide Mannschaften eine ähnliche Herangehensweise und neutralisierten sich damit weitgehend. In der Abwehrreihe durften sie unbehelligt kombinieren, sobald ein Pass ins Mittelfeld erfolgte, presste der Gegner aber sofort. So blieb meist nur der Rückpass – oder das Überbrücken der umkämpften Zone.

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Das gelang den Berlinern deutlich besser. Schlotterbeck verlagerte das Spiel gegen seinen Stammverein einige Male sehenswert diagonal auf Bülter und insgesamt agierte Union gradliniger. Das spiegelte sich auch in den Daten wider: Zur Halbzeit stand es 8:1 nach Torschüssen.

Besonders viele Chancen erspielte sich Union trotz der größeren Zielstrebigkeit aber nicht. Joel Pohjanpalo versuchte es mit einem Fallrückzieher, der zwar nett anzuschauen, aber ungefährlich war. Bei Flanken verteidigte Freiburg aufmerksam und so war Unions beste Gelegenheit eher zufälliger Natur. Nach einem Abpraller vor dem Strafraum schlenzte Robert Andrich den Ball mit links knapp am Pfosten vorbei. Lenz wurde bei einem Abschluss aus wenigen Metern wegen eines vorherigen Fouls zurückgepfiffen.

Tolle Vorarbeit Ingvartsen, 1:0 Prömel

Es war nicht sonderlich prickelnd, was in den ersten 45 Minuten vor den Toren passierte. Besonders die zuletzt so heimstarken Freiburger taten sich enorm schwer, überhaupt mal in den Strafraum zu kommen. Bei gegnerischem Ballbesitz machte Union die Räume in einem 5-4-1 extrem eng und verschob clever. Im Zentrum fand Freiburg kaum Anspielstationen und Angriffe über die Außen sind gegen die Berliner nicht sonderlich erfolgversprechend. Die wenigen Flanken der Gastgeber beförderten Schlotterbeck, Robin Knoche und Marvin Friedrich souverän aus der Gefahrenzone. “Gegen Union ist es mit am schwersten, das Spiel zu machen. Sie verteidigen sehr gut, machen die Räume sehr eng, deshalb haben wir kaum Lösungen gefunden”, sagte Freiburgs Innenverteidiger Manuel Gulde.

Christian Streich blieben diese Probleme seiner Mannschaft natürlich nicht verborgen und so stellte Freiburgs Trainer schon zur Halbzeit um. Für Janik Haberer kam Dominique Heintz und damit die Umstellung von Vierer- auf Dreierkette. Diese taktische Anpassung tat den Gastgebern gut. Die Raumaufteilung war nun besser, im Mittelfeld ergaben sich mehr Anspielmöglichkeiten und folglich auch erste Chancen. In der 50. Minute flankte Jonathan Schmid von der rechten Seite und bei Lucas Hölers Kopfball fehlten nur Zentimeter.

Die Freiburger waren in dieser Phase die bessere Mannschaft und bis auf eine scharfe Flanke von Bülter kam von Union offensiv nicht viel. Streich versuchte den Schwung seiner Mannschaft mit einem Dreifachwechsel noch weiter zu erhöhen, doch wenige Sekunden später stand es 1:0 für die Berliner. Freiburg stand ungeordnet und Marcus Ingvartsen wurde rechts im Strafraum nur begleitet. Seine Flanke mit dem schwächeren rechten Fuß fand am zweiten Pfosten Prömel, der aus fünf Metern unbedrängt einköpfte.

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Der Treffer hatte sich in dieser Phase nicht angedeutet und nahm Freiburg die Selbstsicherheit der vorherigen Minuten. Lenz, der auf der linken Seite deutlich mehr Offensivdrang versprühte als sein Vertreter Niko Gießelmann in den vergangenen Spielen, verpasste kurz darauf das 2:0 nur um Zentimeter.

Bei Freiburg wurde nun auch Keven Schlotterbeck eingewechselt und so kam es doch noch zum Duell mit seinem jüngeren Bruder. Auch Fischer wechselte und brachte Keita Endo, Gießelmann sowie Petar Musa. Der kroatische Neuzugang erhielt damit den Vorzug vor dem lange verletzten Max Kruse und hätte das Spiel mit seinem ersten Tor für Union entscheiden können. Freistehend aus fünf Metern scheiterte er jedoch an Freiburgs Torwart Florian Müller. Das konnten die Berliner letztlich verschmerzen, denn eine klare Chance ließ die wieder einmal souveräne Hintermannschaft nicht zu. (Tsp)