Drei neue Direktoren für die Nationalgalerie und ein Abgang

Ganz überraschend kam die Nachricht nicht, sie zeichnete sich schon vor dem endgültigen Abgang Udo Kittelmanns Ende Oktober als Direktor der Nationalgalerie ab. Zu lange war die Ausschreibung seines Postens hinausgezögert worden, zu deutlich gaben die beiden Leiter und die Leiterin von Alter sowie Neuer Nationalgalerie und Hamburger Bahnhof zu verstehen, dass sie gerne selbstständig, im Triumvirat weiterwirken würden.

Nun hat es die Stiftungsrat der Stiftung Preußischer Kulturbesitz in seiner Stiftungsratssitzung am Montag endgültig entschieden: Die Leitung der Nationalgalerie wird künftig auf drei Positionen verteilt. Fortan sollen eigenständige Direktorinnen und Direktoren für die Alte Nationalgalerie (mit Friedrichswerderscher Kirche), für die Neue Nationalgalerie (mit dem künftigen Museum des 20. Jahrhunderts, dem Museum Berggruen und der Sammlung Scharf-Gerstenberg) und für den Hamburger Bahnhof und damit jeweils für die Kunst des 19., 20. und 21. Jahrhunderts zuständig sein.

Für die bisherigen Sammlungsleiter ist die Berufung ein Kompliment

Für Ralph Gleis, Joachim Jäger und Gabriele Knapstein ist dies wohl die schönste Bestätigung ihres Engagements. Schon im Vorfeld aber hatten sie angemahnt, dass außerdem für die Handlungsfähigkeit der Nationalgalerie neben einem eigenen Etat ein geschäftsführender Direktor hermüsste. Für Kunsthistoriker sei dieser Job nicht auch noch zu leisten. Daran wird offensichtlich ebenfalls gearbeitet, denn in der Mitteilung der SPK heißt es, dass für die neue Leitungsstruktur nun die organisatorischen Voraussetzungen geschaffen werden sollen.

Gewiss, die verschiedenen Häuser der Nationalgalerie können nun ihre Sammlungsbereich und Profile besser als bisher entwickeln, wie Kulturstaatsministerin Monika Grütters als Stiftungsratsvorsitzende hervorhebt. Doch die alles überragende Figur könnte fehlen, einer wie Kittelmann oder sein Vorgänger Peter Klaus Schuster, welche die Nationalgalerie in ihrer Person immer als Ganzes repräsentierten.

[Wenn Sie alle aktuellen Nachrichten live auf Ihr Handy haben wollen, empfehlen wir Ihnen unsere runderneuerte App, die Sie hier für Apple- und Android-Geräte herunterladen können. ]

Seit der Ankündigung seines Abschieds ist viel über mögliche Nachfolger von Kittelmann gemunkelt worden – und dass sich nur schwer Bewerber finden lassen würden. Zu mörderisch sei der Job, zu strangulierend die Strukturen in der Stiftung Preußischer Kulturbesitz. Die Dreiteilung der Spitze ist nun die Lösung, auch auf dem Weg, die Doppelstrukturen bei den Staatlichen Museen abzubauen, wie in der Evaluierung durch den Wissenschaftsrat gefordert.

Michael Eissenhauer wird fortan wieder “nur” Generaldirektor sein

Unter diesem Motto steht auch die andere Personalie, die der Stiftungsrat ebenfalls in seiner Sitzung beschlossen hat. Die Direktion von Gemäldegalerie sowie Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst wird zum 1. Februar neu ausgeschrieben, Michael Eissenhauer tritt diesen Posten ab, den er seit 1. August 2016 zusätzlich zu seinen Aufgaben als Generaldirektor übernommen hatte – „vereinbarungsgemäß“, wie es in der Mitteilung heißt. Man würde damit einer Empfehlung des Stiftungsrates folgen, die Verantwortung für die Gemäldegalerie und die Generaldirektion der Staatlichen Museen voneinander zu trennen, lautet die Erklärung.

Und doch lässt sich zwischen den Zeilen eine bittere Botschaft an Michael Eissenhauer lesen, der 2022 in den Ruhestand geht. So lange hätte man ihm den Job eigentlich doch noch lassen können. Die Aufgabe als Direktor der Gemäldegalerie hatte ihm in den letzten Jahren ganz offensichtlich mehr Freude bereitet als seine Tätigkeit als Generaldirektor, für die er zunehmend Kritik einstecken musste. Sie kulminierte in einer Dienstaufsichtsbeschwerde durch Direktoren der Museumsinsel, die sich nach dem Kunstattentat mit Olivenöl auf Skulpturen und Gemälde ihrer Sammlungen Anfang Oktober im Stich gelassen fühlten.

Gehört hat man davon nicht mehr viel, die jetzige Absetzung als Direktor der Gemäldegalerie ließe sich als indirekte Abstrafung Eissenhauers interpretieren. Dafür dürfte es jedenfalls sehr viel mehr Interessierte geben als bislang für den Posten des Nationalgalerie-Direktors.