Dortmund enttäuscht in Rom – Leipzig schlägt Basaksehir

Lucien Favre musste sich erst einmal das Jacket zurechtziehen. Im ersten Spiel in der Champions League waren im fast leeren Stadio Olimpico von Rom gerade etwas mehr als 20 Minuten gespielt und Borussia Dortmund lag bei Lazio 0:2 hinten.

Nichts funktionierte bei den Gästen, die Defensive wirkte wacklig und die Offensive nicht zwingend. Dazu wurde der Gegner auch noch zum Toreschießen eingeladen. Im Falle von Ciro Immobile vielleicht auch aus alter Verbundenheit, der Stürmer hatte schließlich mal in Dortmund gespielt. Nach einem Katastrophen-Pass von Thomas Meunier am eigenen Strafraum tauchte der Lazio-Torjäger frei vor Marwin Hitz auf und vollendete in der sechsten Minute zur frühen Führung der Gastgeber.

Zunächst schien sich die Borussia davon nicht weiter beeindrucken zu lassen, sie kam selbst zu ersten Torannäherungen. Aber dann bugsierte Hitz den Ball in Minute 23 nach einer Ecke der Römer samt Kopfballverlängerung selbst zum 0:2 ins eigene Tor.

Es folgte Favres Versuch, sich neu zu sortieren, das schwarze Sakko saß auch durchaus adrett. Anders als ihr Trainer fanden die Dortmunder Spieler ihre Ordnung aber nicht so leicht wieder, sie durften froh sein, dass es vor der Pause nicht noch ein drittes Gegentor gab.

Alle Ergebnisse des 1. Spieltags der Champions League:

  • Gruppe E: FC Chelsea – FC Sevilla 0:0
  • Gruppe E: Stade Rennes – FK Krasnodar 1:1 (0:0)
  • Gruppe F: Zenit St. Petersburg – FC Brügge 1:2 (0:0)
  • Gruppe F: Lazio Rom – Borussia Dortmund 3:1 (2:0)
  • Gruppe G: Dynamo Kiew – Juventus Turin 0:2 (0:0)
  • Gruppe G: FC Barcelona – Ferencváros 5:1 (2:0)
  • Gruppe H: RB Leipzig – Istanbul Basaksehir 2:0 (2:0)
  • Gruppe H: Paris Saint-Germain – Manchester United 1:2 (0:1)

Gleich zu Beginn der zweiten Halbzeit hatte Erling Haaland die Chance zum Anschluss, vergab diese aber. Lazio boten sich danach vermehrt Räume, die die Italiener aber zunächst nicht zu nutzen wussten. Dann traf Haaland doch, 20 Minuten waren da noch zu spielen.

Dortmund war jetzt dran, die Laziali wirkten zunehmend müde. Doch für einen mustergültigen Konter über drei Stationen reichte es noch. Nach Pass von Immobile traf Jean-Daniel Akpa-Akpro zum vorentscheidenden 3:1. Dabei blieb es, auch wenn der BVB bis zum Ende zumindest alles versuchte.

„Wir haben die erste Halbzeit komplett verschlafen. Das ist eigentlich unerklärlich. Das ist natürlich nicht unser Anspruch. Wir haben heute alles komplett vermissen lassen. Das ist natürlich schlecht in der Champions League“, sagte BVB-Kapitän Marco Reus nach der Partie im ersten Interview beim TV-Sender Sky.

Trainer Favre war ähnlich angefressen und meinte: „Ich bin sehr enttäuscht. Wir sollten mehr Geduld haben und alle zusammen verteidigen. Das haben wir nicht gemacht. Und ich spreche nicht nur von der Abwehr.

Leipzig hatte wenig Mühe mit dem Erdogan-Klub

Besser machte es RB Leipzig im Heimspiel gegen Basaksehir. Durch zwei Tore von Angelino legten die Sachsen einen perfekten Start in die Champions League hin. Der Spanier erzielte beim 2:0 (2:0) des Vorjahres-Halbfinalisten gegen den Türkischen Meister Istanbul Basaksehir schon in der 16. und 20. Minute die Treffer des Tages.

„Das ist ein großartiges Ergebnis, auch wenn die zweite Halbzeit nicht mehr so gut war“, sagte Angelino beim Streamingdienst Dazn. „Das Wichtigste ist, dass wir gewonnen haben. Wir müssen uns verbessern und besser spielen.“

Trainer Julian Nagelsmann sah es ähnlich. „Wir haben schon gesehen, dass wir irgendwann müde waren“, sagte er. „Aber es geht in einer Phase auch mal nur darum zu gewinnen. Wir hätten für ein schönes Spiel auch nicht mehr Punkte gekriegt.“

63 Tage nach dem Halbfinal-Aus gegen Paris Saint-Germain beim Finalturnier in Lissabon startete Leipzig mit vollem Tempo in die neue Saison. Im offensiven System setzte RB die Gäste sofort unter Druck. Dayot Upamecano zwang Gästetorwart Mert Günok per Kopf zu einer starken Parade, vor dem eigenen Tor kam der Abwehrchef allerdings auch gerade so vor dem heranrauschenden Enzo Crivelli an den Ball.

Da freut er sich. Angelino brachte Leipzig gegen Istanbul auf Kurs.Foto: Imago

Der von Manchester City ausgeliehene Angelino traf erst nach guter Vorarbeit von Kevin Kampl aus der Drehung heraus. Nagelsmann brüllte seine Freude in den verregneten Leipziger Abendhimmel.

Nach Balleroberung von Yussuf Poulsen bediente keine fünf Minuten später Christopher Nkunku den eingelaufenen Angelino zum beruhigenden zweiten RB-Tor. Für den Spanier war es der vierte Treffer in den vergangenen drei Spielen. „Ein Auftaktsieg heute ist von großer Bedeutung“, hatte Nagelsmann vor dem Anpfiff gesagt. „Auf jeden Fall auch machbar.“

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Die Gäste aus der Türkei zeigten nach dem doppelten Rückschlag im ersten Champions-League-Spiel des Erdogan-Klubs nur wenig Gegenwehr. Leipzig, das auf den wohl länger ausfallenden Lukas Klostermann verzichten musste, spielte abgeklärter, schneller.

Die fast 1000 Zuschauer sorgten gut gelaunt für ein wenig Europapokal-Atmosphäre. Aufgrund steigender Corona-Zahlen in der Region waren 8500 bereits verloste Tickets kurzfristig storniert worden. Zur Mitte der zweiten Halbzeit sahen die Leipziger Fans aber zunehmend sorgloser spielende Gastgeber. Zwanzig Minuten vor Schluss feierte der 21 Jahre alte Neuzugang Justin Kluivert sein Debüt für die Sachsen.

Amadou Haidara fehlte RB dagegen nach seiner Infektion mit dem Coronavirus. Das Testergebnis hatte RB vor dem Spiel mitgeteilt. „Er ist symptomfrei“ und bekomme „alle Unterstützung, die er braucht“, sagte Sportdirektor Markus Krösche. (Tsp/dpa)