Die Ultras des 1. FC Union halten vorerst still

Der 1. FC Union feiert den Saisonstart. Allerdings werden die Ultras nicht sichtbar mitmachen.




4500 Fans werden dem Spiel gegen Augsburg beiwohnen.Foto: imago images/Matthias Koch

Eigentlich hatte Ritter Keule an diesem Wochenende auf seine Rückkehr gehofft. Mehr als sechs Monate ist es jetzt her, dass das überdimensionale Maskottchen des 1. FC Union seinen Morgenstern zum letzten Mal im eigenen Stadion schwingen durfte. Bei den Geisterspielen des Frühsommers war er ausgeschlossen, seine Rüstung glänzte nur durch ihre Abwesenheit.

„Die Ansteckungsgefahr“, wie Vereinssprecher Christian Arbeit am Donnerstag lachend bemerkte, „ist bei einer so großen Nase erheblich höher.“ Und so bleibt Ritter Keule erstmal weiter in Kurzarbeit. Im Hygienekonzept für Unions Bundesliga-Auftakt an diesem Samstag gegen Augsburg (15.30/Sky) ist weiterhin kein Maskottchen vorgesehen.

Wie zuletzt beim Testspiel gegen Nürnberg werden beim ersten Heimspiel der neuen Saison rund 4500 Fans im Stadion an der Alten Försterei dabei sein. Wegen der 20-Prozent-Auslastung, auf die sich die Bundesländer Anfang der Woche geeinigt hatten, werden also knapp weniger als die Hälfte der Dauerkarteninhaber ihre Stadionrückkehr feiern, wenn auch unter besonderen Umständen. Wie die Köpenicker Ultras diese Woche mitteilten, wird es keine gemeinsamen Aktionen der organisierten Fanszene geben.

[Jetzt noch mehr wissen: Mit Tagesspiegel Plus können Sie viele weitere spannende Geschichten, Service- und Hintergrundberichte lesen. 30 Tage kostenlos ausprobieren: Hier erfahren Sie mehr und hier kommen Sie direkt zu allen Artikeln.]

„Wir freuen wir uns alle, dass Zuschauer wieder zugelassen sind – egal in welcher Höhe“, sagte Trainer Urs Fischer am Donnerstag. Den Support von den Rängen „werden die Jungs spüren“. Sie werden ihn auch brauchen, denn trotz des großen Erfolgs der vergangenen Saison bleibt Union auch im zweiten Anlauf einen Außenseiter. „Etwas total Neues ist das nicht“, sagte Fischer: „Aber wir haben noch einiges zu lernen.“

Viele Spieler sind erst seit Kurzem wieder fit

Allein der volle Terminkalender stellt eine Herausforderung dar. „Es wird wichtig sein, so wenig verletzte Spieler wie möglich zu haben“, sagte Fischer. Im Moment habe er noch „die Qual der Wahl“, weil mit Anthony Ujah und Keita Endo nur zwei Spieler verletzt fehlen. Jedoch gibt es auch viele Spieler – wie der neue Star-Stürmer Max Kruse –, die erst seit Kurzem wieder bei 100 Prozent sind.

Hinzu kommt der Kader-Umbruch, nach dem die Mannschaft erst einmal ihren Rhythmus finden muss. Zwar hat sich Union auf vielen Positionen klug verstärkt, doch mehrere Schlüsselspieler aus der vergangenen Saison wurden auch abgegeben – Torhüter Rafal Gikiewicz (Augsburg) und Top-Torschütze Sebastian Andersson (Köln) an direkte Konkurrenten im Kampf um den Klassenerhalt, Neven Subotic an Denizlispor in der Türkei.

Gegen Augsburg muss sich Union schon am ersten Spieltag beweisen. Im Vergleich mit einem Klub, der seit mehr als einem Jahrzehnt in der Bundesliga spielt, müsse die Mannschaft „versuchen, mit Teamgeist und Überzeugung mitzumachen“, sagte Fischer. Auch der frühere Augsburger und Gikiewicz-Nachfolger Andreas Luthe warnte zuletzt vor seinen ehemaligen Kollegen. Der FC sei ein „unangenehmer Gegner, der in Umschaltmomenten viel Qualität hat“, sagte Unions neuer Torwart im Klubfernsehen.

Um bei den eigenen Fans so populär wie Gikiewicz zu werden, braucht Luthe nun vor allem mehr Spiele vor Zuschauern. Mit der fanatischen Liebe der Köpenicker hat er allerdings schon vor zwei Wochen seine Erfahrung gemacht. Beim Spiel gegen Nürnberg lief er mit seinen Torwartkollegen als Erster zum Aufwärmen auf den Platz, und wurde dabei mit dem üblichen lautstarken Beifall empfangen. „Das hat mich aus den Socken gehauen“, sagte er. Auch Ritter Keule wird das freuen.