Die Uefa macht sich die Welt, wie sie ihr gefällt

Dass der europäische Fußballverband Uefa auf einer Umlaufbahn unterwegs ist, die mit dem normalen Leben wenig zu tun hat, das war Anfang dieser Woche wieder einmal zu beobachten. Beim Champions-League-Heimspiel von Manchester City gegen Borussia Mönchengladbach nämlich, das wie Citys Auswärtsspiel gegen Borussia Mönchengladbach in Budapest ausgetragen werden musste. Grund war, vereinfacht gesagt, der Schutz vor der sogenannten britischen Variante des Coronavirus.

Deshalb fand das Spiel an einem Ort mit der Siebentagesinzidenz 670 statt – und nicht an einem Ort mit der Inzidenz 92.

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Als normaler Mensch versteht man solche Entscheidungen nicht, aber für die Uefa folgt sie einer bestechenden Logik. Sie lautet: Gespielt werden muss. Das steckt auch hinter den jüngsten Aussagen von Aleksander Ceferin. Mitten hinein in die wachsenden Zweifel, ob es in Zeiten der Pandemie wirklich vertretbar wäre, eine EM auszutragen, die über den kompletten Kontinent verstreut stattfinden soll, hat der Uefa-Präsident quasi per Dekret verfügt: Das Turnier findet nicht nur in der geplanten Form in zwölf europäischen Ländern statt, sondern noch dazu in vollen Stadien. Und wer das nicht gewährleisten kann, der ist eben raus.

Zwei mal drei macht vier, widdewiddewitt und drei macht neune.

Die Infektionszahlen steigen

Nur mal zur Einordnung: In Deutschland steigen die Infektionszahlen wieder so stark an, dass Virologen für Ostern das Schlimmste befürchten. In Italien ist gerade über weite Teile des Landes zum dritten Mal ein strenger Lockdown verhängt worden, und nirgendwo in Europa wird derzeit in vollen Stadien Fußball gespielt. Niemand weiß verlässlich, wie es weitergeht. Zumal der Verlauf der Pandemie vor allem eins gezeigt hat: Egal wie die Prognosen aussahen, am Ende wurde es immer schlimmer als gedacht.

Unterstellen wir Ceferin einfach mal, dass er sich tatsächlich einen Rest Fußballromantik erhalten hat und er sich eine EM ohne Zuschauer in den Stadien schlichtweg nicht vorstellen kann. Könnte ja sein. Nur der Schluss, den er daraus gezogen hat, der ist eben ein wenig weltfremd. Wenn Ceferin meint, dass es eine EM ohne Zuschauer in diesem Sommer nicht geben darf, dann kann es in diesem Sommer eben gar keine EM geben.