Die Spitzenklubs drohen der Uefa mal wieder

Zufall oder doch eiskalte Berechnung? Einen Tag, bevor der europäische Fußballverband Uefa die umstrittene Reform der Champions League beschließen will, sind erneut Pläne bekannt geworden, dass die europäischen Spitzenklubs die Gründung einer eigenen Superliga planen.

Demnach sind zwölf der renommierten europäischen Fußballvereine an diesem Projekt beteiligt, darunter Klubs wie Manchester United, der FC Liverpool, FC Arsenal, FC Chelsea, Tottenham Hotspur, Juventus Turin sowie der FC Barcelona und Real Madrid. Der deutsche Rekordmeister FC Bayern soll nicht dazugehören, auch nicht Paris Saint-Germain aus Frankreich.

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In den Plänen für die Superliga sollen der Nachrichtenagentur AP zufolge 15 permanente Mitglieder vorgesehen sein, dazu sollen fünf weitere Teams kommen. Insgesamt sollen für die 15 Gründungsvereine zunächst 3,5 Milliarden Euro zur Verfügung stehen, die Top Sechs sollen davon jeweils 350 Millionen Euro erhalten.

Die Uefa reagierte am Nachmittag mit einer eigenen Erklärung auf die Nachricht, sprach von einem „zynischen Projekt“ und drohte den beteiligten Klubs, es würden alle zur Verfügung stehenden Maßnahmen in Erwägung gezogen, auf juristischer und sportlicher Ebene, um das zu verhindern. „Wir danken den Klubs in anderen Ländern, insbesondere den französischen und deutschen Klubs, die sich geweigert haben, sich dem anzuschließen“, hieß es in der Erklärung.

Zudem bekräftigten die Uefa sowie die nationalen Verbände und Ligen aus Spanien, England und Italien, dass beteiligte Klubs und auch Spieler für andere Wettbewerbe bis hin zur WM gesperrt werden könnten: „Genug ist genug.“

Auch DFL spricht sich gegen das Konzept aus

Auch Christian Seifert, der Chef der Deutschen Fußball-Liga (DFL) sprach sich am Sonntag gegen die Pläne aus: „Wirtschaftliche Interessen einiger weniger Topklubs in England, Italien und Spanien dürfen nicht die Abschaffung gewachsener Strukturen im europäischen Fußball zur Folge haben“, erklärte Seifert. Die DFL lehne jedes Konzept einer europäischen Super League ab.

Die Pläne der Großklubs wurden unmittelbar vor der Sitzung des Exekutivkomitee der Uefa an diesem Montag bekannt. Dabei soll die Aufstockung der Champions League von 32 auf 36 Teilnehmer und die Einführung eines neuen Modus beschlossen werden. Zwei der vier neuen Plätze sollen dabei nicht mehr wie bislang üblich aufgrund von Leistungen aus der vorigen Saison vergeben werden. Stattdessen sollen die Platzierungen der Vereine in der Uefa-Fünfjahreswertung ausschlaggebend sein. Dies war ein Wunsch der mächtigen Klub-Vereinigung ECA gewesen, die mit zwei Vertretern in der Exekutive des Kontinentalverbands sitzt.

Am Freitag war von einem Konsens zwischen der ECA und der Uefa-Kommission für Klubwettbewerbe (CCC) über die Details berichtet worden. Der Beschluss schien deshalb Formsache. Der „Times“ zufolge will die Uefa von ihrem Plan auch nicht abrücken. Die Gründung einer Superliga war in den vergangenen Jahren immer dann ins Gespräch gebracht worden, wenn es um die Verteilung der TV-Gelder im Europapokal ging. (Tsp/dpa)