Die Männer spielen, die Frauen müssen zuschauen

Das Wort „cancelled“ ist in Corona-Zeiten für Reisende auf Flughäfen und anderswo zum ständigen Begleiter geworden. Dann nämlich, wenn die Verbindung zum Zielort mal wieder gestrichen wurde. Auch im Tennis ist in den vergangenen Monaten viel ausgefallen, monatelang wurde gar nicht gespielt. Seit einigen Wochen rollen die Touren aber wieder an, sogar die Grand Slams in New York und Paris konnten zuletzt durchgeführt werden.

Überall greifen Hygienekonzepte und ermöglichen zumindest Turniere vor wenigen Zuschauern wie in dieser Woche in Köln. Wobei es allerdings kleine, aber bedeutende Unterschiede gibt. Im Kalender der Frauen-Tour WTA ist für den Herbst nämlich nach wie vor fast alles „cancelled“, die Männer hingegen dürfen sich über ein recht straffes Programm freuen. Allein in dieser Woche finden mit Köln, St. Petersburg und Sardinien drei Turniere statt – und damit eines mehr als für die Frauen im gesamten restlichen Jahr.

„Es ist auf jeden Fall interessant zu sehen, was die Männer im Vergleich zu uns noch so haben. Weil unser Kalender ist schon recht nackt“, sagte Julia Görges vor zwei Wochen während der French Open in Paris und Angelique Kerber meinte ebenda: „Ich nehme, was die uns geben. Und das ist momentan nicht so viel.“

Die beiden deutschen und alle anderen Topspielerinnen haben genau noch zwei Möglichkeiten in diesem Jahr, bei WTA-Turnieren anzutreten: In der kommenden Woche in Ostrava und Mitte November in Linz.

Für ein Turnier in Köln war die WTA Barbara Rittner zufolge „zu träge“

Die Frauen-Tour leidet in diesem Herbst besonders unter den Absagen der Turnierserie in Asien, allerdings scheint die WTA weniger kreativ dabei zu sein, für Ersatzveranstaltungen zu sorgen. In Köln gab es sogar konkrete Pläne, Frauen und Männer gemeinsam spielen zu lassen, wie Barbara Rittner im „Kölner Stadt-Anzeiger“ berichtete. Doch die Verantwortlichen bei der WTA-Tour hätten der deutschen Frauentennis-Chefin zufolge „zu träge reagiert“.

Selbst auf Challenger-Ebene, dem nächsthöchsten Level im Profitennis sieht es nicht besser aus, hier sind Frauen- Events sogar fast komplette Fehlanzeige. Für Spielerinnen, die nicht zu den Topverdienern zählen, kann sich da schon einmal die Existenzfrage stellen. Normalerweise kommen die Frauen in einer Saison auf rund 20 Turnierteilnahmen, in diesem Jahr hat es selbst bei Vielspielerin Laura Siegemund nur für neun gereicht.

Die Deutsche, die zuletzt in Paris im Viertelfinale stand und die zuvor die Doppelkonkurrenz bei den US Open gewinnen konnte, hat trotzdem noch mehr als 600.000 Euro an Preisgeldern verdient. Bei Andrea Petkovic, der Nummer 100 der Weltrangliste waren es zunächst verletzungs-, dann coronabedingt und nun mangels Optionen „nur“ 60.000 Euro, was angesichts von Kosten für Trainer, Unterkunft und Reisen wohl eher als Minusgeschäft anzusehen ist.

[Wenn Sie aktuelle Nachrichten aus Berlin, Deutschland und der Welt live auf Ihr Handy haben wollen, empfehlen wir Ihnen unsere App, die Sie hier für Apple- und Android-Geräte herunterladen können.]

Nun muss sich niemand um das Leben der Tennisprofis wirklich Gedanken machen, egal, ob bei Frauen oder Männern. Dass die Situation für jemanden, der seinen Beruf ausüben möchte, es aber nicht kann, sehr unbefriedigend ist, dürfte jedoch nachvollziehbar sein. Aber vielleicht zaubert die WTA ja noch die eine andere Turnieridee aus dem Hut. Ein wirkliches Konzept scheint es allerdings nicht zu geben.

Dem Tagesspiegel teilt die WTA mit: „Wir müssen und wir werden weiterhin versuchen, Events in den Turnierkalender aufzunehmen, wenn es Möglichkeiten dafür gibt.“

Dass es diese Möglichkeiten gibt, zeigen die Kollegen von der ATP. Im Kalender der Männertour taucht für das restliche Jahr das Wort „suspended“ zwar häufig auf. Verschoben ist hier aber nicht gleich aufgehoben. Es braucht eben nur Alternativen – und wenn dafür wie aktuell in Köln gleich zwei Turniere in Folge stattfinden. Besser als nichts ist das allemal.