Die Limbach-Kommission braucht mehr Befugnisse

Es ist ein ungewöhnlicher Fall, mit dem die Limbach-Kommission auf sich aufmerksam macht, genauer: die Beratende Kommission im Zusammenhang mit der Rückgabe NS-verfolgungsbedingt entzogenen Kulturgutes, insbesondere aus jüdischem Besitz. Ging sie sonst mit den Ergebnissen ihrer Beratungen – ob Restitution zu leisten sei oder nicht – an die Öffentlichkeit, so meldet sie sich nun mit einer Missachtung ihres Ratschlags.

Es ist ein deutlicher Hinweis darauf, dass die Empfehlungen der Kommission unverbindlich sind und von privater Seite – anders als bei der öffentlichen Hand – nicht befolgt werden müssen, selbst wenn das Unrecht erwiesen ist. Ja, eigentlich verbirgt sich ein Alarmruf der Institution dahinter, dass sie anders als in anderen Ländern keinerlei Befugnisse hat, letztlich ein „zahnloser Tiger“ ist.

Zu spüren bekommt sie dies im Fall einer Guarneri-Geige, die der Speyerer Musikalienhändler Felix Hildesheimer 1939 nach seinem Selbstmord hinterließ. Als Jude war er gezwungen, sein Geschäft zu verkaufen. Den Töchtern gelang die Flucht, die Witwe konnte später folgen.

Die Gestapo versteigerte das verbliebene Mobiliar, darunter womöglich auch die Guarneri. 1974 erwarb die Violinistin Sophie Hagemann das Instrument, heute befindet es sich im Besitz der Hagemann Stiftung, die selbst den Anstoß zu Nachforschungen gab. 2016 einigte sie sich nach Anrufung der Beratenden Kommission mit den Hildesheimer-Erben darauf, 100 000 Euro als Entschädigung zu zahlen.

Geschehen ist seitdem nichts. „Ernsthaften Willen“, der Empfehlung nachzukommen, erkennt die Kommission keinen. Stattdessen verweist die Stiftung darauf, dass Hildesheimer nicht 1937, sondern erst 1939 gezwungen worden sei, sein Geschäft zu verkaufen.

Obwohl dies deutlich macht, dass sich der Musikalienhändler unter noch höherem Druck befand, erklärt sich die Hagemann-Stiftung aus diesem Anlass dazu berechtigt, keine Wiedergutmachung leisten zu müssen. Ein groteske Reaktion, zumal die Guarneri laut Website der Hagemann Stiftung als „Instrument der Verständigung“ hochbegabten Musikerinnen und Musikern der Hochschule für Musik Nürnberg zur Verfügung stehen soll.