Die große Stille

Ein paar Tage, nachdem bekannt geworden war, dass Monika Maron mit Hoffmann und Campe einen neuen Verlag hat, fragte die „Süddeutsche Zeitung“ leicht empört: „Warum verhüllen Verleger heute ihre Literatur mit Schweigen?“

Der Grund dafür war, dass der HoCa-Verleger Tim Jung außer der öffentlichen Vollzugsmeldung mitsamt ein paar guten Worten keine weitere Stellung zu seinem Neuzugang nehmen wollte, insbesondere nicht zu Marons Beziehung zu der rechten Dresdner Buchhändlerin Susanne Dagen und ihrer Edition Buchhandlung Löschwitz, in der Marons Essayband „Krumme Gestalten, vom Wind gebissen“ publiziert wurde.

Auch dass der Suhrkamp Verlag nichts mehr zu seinem Autor Uwe Tellkamp sagt, zum Stand der Lektoratsarbeiten an dessen Roman „Lava“, beanstandete die „SZ“.

Marons politische Einstellung kennt man bei Hoffmann und Campe

Nun ist es aber so, dass Verlage schon immer gern und viel geschwiegen haben. Das Schweigen, wenn es irgendwo irgendwie im eigenen Haus knirscht, gehört gewissermaßen zu ihrer Kultur. Die Literatur wird von Verlagen am liebsten nur nach vorn verkauft. Genau wie Zugänge von Autorinnen und Autoren, genau wie die Ankunft einer neuen Verlegerin, eines neuen Verlegers.

Abgänge jedoch werden nie kommentiert, Entlassungen, Trennungen. Und wenn es um Zahlen geht, ob gute oder schlechte, halten sich Verlage ebenfalls stets zurück. Die Auskünfte, die es gibt, sind ausweichend diplomatisch oder schmallippig, ob es nun um streitbare Literatur, personelle Wechsel oder Umsätze und Geld geht.

So ist das bei Wirtschaftsunternehmen, die Verlage nun einmal in erster Linie sind, bei aller Selbstwahrnehmung, den kulturellen und gesellschaftlichen Diskurs entscheidend mitzubestimmen.

Es ist anzunehmen, dass der Verlag Hoffmann und Campe das Verhältnis von Maron mit der Löschwitzer Szene hinter verschlossenen Türen geklärt hat. Marons politische Einstellung kennt man in Hamburg, und ihr Werk wurde von Jung schließlich mit den vielsagenden Worten gefeiert, es würde „dem gesellschaftlichen Diskurs, der für eine lebendige Demokratie unabdingbar ist, immer wieder wichtige Impulse“ geben.

Meint auch: Meinungspluralismus. Mit Rechten auch mal reden.

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Der Suhrkamp Verlag wiederum hält in der guten, alten Unseld-Tradition an Uwe Tellkamp fest, von wegen keine Bücher, sondern Autoren zu verlegen: an einem Autor, dessen politische Äußerungen dem Verlag eine einzige Pein sein dürften, dessen literarisches Vermögen er aber wohl weiterhin schätzt.

Am liebsten wäre es Suhrkamp sicher, Tellkamp würde von sich aus gehen.

Das aber tut er nicht, was nachvollziehbar ist: Denn wo soll er hin? Also arbeiten Verlag und Autor an dem Manusskript. Wobei es Suhrkamp frei stehen müsste, das Buch nicht zu veröffentlichen, es sei denn, vorher getroffene vertragliche Verpflichtungen stehen dem entgegen. Sollte es aber zu einer Trennung kommen, weiß man schon jetzt: Es wird eine Mitteilung des Verlags geben, und dann herrscht wieder Schweigen.