Die Füchse Berlin warten auf die nächste Chance

Paul Drux biss sich ins Trikot und verließ mit hängendem Kopf das Feld. 71 Sekunden standen noch auf der Uhr – die Füchse Berlin waren in Überzahl und mit einem Treffer in Führung. Doch er hatte gerade eine Zwei-Minuten-Strafe bekommen. Es war vielleicht nicht die entscheidende Szene am Dienstagabend im Spiel gegen Usam Nimes Gard, aber eine der vielen, die den Unterschied hätte ausmachen können. So blieb es dabei. Zwar gelang noch einmal der erneute Führungstreffer, der Ausgleich jedoch folgte prompt und letztlich trennten sich die beiden Teams 34:34.

Was die Franzosen feierten, ließ die Berliner ernüchtert zurück. Trainer Jaron Siewert hatte nach dem verlorenen Spiel in Erlangen am Samstagabend angekündigt, dass seine Mannschaft in der European League „zurück in die Erfolgsspur“ finden wolle und musste dann zusehen, wie seine Mannschaft ähnliche Fehler produzierte wie zuvor bei den Franken.
Besonders in der ersten Halbzeit ließ die Wurfeffektivität zu wünschen übrig, suchten Pässe zuweilen vergeblich ihre Empfänger. Defensiv hingegen ließen die Füchse speziell im Mittelblock die Aggressivität vermissen. „Es war schwer für uns, die Zweikämpfe mit der nötigen Härte und Konsequenz zu verteidigen“, sagte Siewert.
Trotz der Kritik blieb auch Positives: 34 Tore sprechen schließlich auch für eine schlagkräftige Offensive. „Abgesehen von ein paar ärgerlichen Fehlern haben wir da viele Lösungen gefunden und spielerisch gute Torchancen kreiert“, sagte Jaron Siewert. „Am Ende sind es Kleinigkeiten, die bei uns momentan nicht passen.“

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Den ersten Tabellenplatz in der Gruppe B haben die Berliner immerhin verteidigt, wenngleich sich der IFK Kristianstad punktgleich mit zwei absolvierten Partien mehr in Lauerstellung befindet. Die Füchse sollten daher in ihren noch bevorstehenden Auswärtsspielen gegen Nimes, Presov und Lissabon punkten – sofern diese ausgetragen werden. Nach bereits mehreren Absagen durch Coronafälle ist ebenso eine Entscheidung am grünen Tisch möglich.

Fünf Ansetzungen in nur elf Tagen

Doch über diese Eventualitäten werden sich Siewert und sein Team momentan kaum den Kopf zerbrechen, schließlich sind in der Liga in dieser Woche zwei richtungsweisende Spiele angesetzt. Neben der Begegnung am Sonntag gegen die Rhein-Neckar-Löwen empfangen die Füchse bereits an diesem Donnerstag die SG Flensburg-Handewitt (19 Uhr) in der Max-Schmeling-Halle.

Das Spiel gegen den amtierenden Vizemeister musste Mitte November abgesagt werden und wurde kurzfristig in den ohnehin schon überstrapazierten Terminkalender aufgenommen, der nun fünf Ansetzungen in elf Tagen aufzeigt. „Das wird sicherlich nicht einfach, aber irgendwann müssen wir die Spiele ja nachholen“, sagt Nationalspieler Marin Michalczik. „So ist das im Sport. Wir können jetzt schnell wieder Erfolg haben und haben die Chance auf einen sehr großen Sieg.“

Doch auch Trainer Siewert ist bewusst, das sich seine Mannschaft gegen den Vizemeister steigern muss: „Flensburg wird relativ identisch zu dem spielen, was wir gegen Nimes erlebt haben. Viele Zweikämpfe, eine hohe Dynamik – da müssen wir einiges besser machen.“ Gegen den aktuellen Tabellenersten wollen die Füchse als direkter Verfolger auf jeden Fall beweisen, dass sie in den oberen Tabellenrängen der Bundesliga mithalten können. Mit hängendem Kopf soll keiner das Feld verlassen.