Die Formel 1 zwischen Weitsicht und Wahnsinn

Geht’s noch? Die Formel 1 plant einen Mega-Kalender mit 23 Rennen im kommenden Jahr. So viele wie noch nie in der Geschichte und eins mehr als für dieses Jahr geplant war. Wegen der Coronavirus-Pandemie musste auf 17 Rennen abgespeckt werden. Einen Plan B gibt es nicht. Soll man das Weitsicht nennen – oder Wahnsinn?

Nur zur Erinnerung, der Formel-1-Zirkus ist vermutlich die globalste Sportveranstaltung. Weltweiter ist nur die Pandemie. Und ein Impfstoff ist noch nicht zugelassen. Reisen sind nur äußerst eingeschränkt möglich. Doch die Formel 1 will 2021 offenbar mit aller Macht zurück zur Normalität.

Richtig ist, dass das Formel-1-Management und die Fia die noch laufende Saison bisher trotz widriger Umstände mit viel Improvisation und einer guten Organisation über die Bühne gebracht haben.

Alle zehn Teamchefs, zum Teil auch die Besitzer der Rennställe, Fia-Präsident Jean Todt sowie das alte und das neue Formel-1-Management mit Chase Carey, Ross Brawn und Stefano Domenicali haben über diesen Plan diskutiert, so will es das Fachblatt „Auto, Motor und Sport“ erfahren haben. Klar, es soll auch über Motoren und Sparpläne, über Budgetdeckelung und neue Reglements geredet worden sein. Aber der Mega-Plan hat alles geschlagen.

Demnach soll die kommende Rennsaison am 21. März in Australien losgehen. Über Rennen in Bahrain, China und Vietnam geht es weiter, ehe der Tross im Mai durch Europa tingelt. Kurz vor Weihnachten soll in Abu Dhabi gefahren werden – als hätte es Corona nie gegeben.

Womöglich wird es bis dahin sichere Schnelltests geben, um Infektionen individuell zu jedem Zeitpunkt feststellen zu können. Aber gilt das auch für die Zuschauer an den Strecken? Ohne die wird die Formel 1 kein zweites Jahr überleben. Vielleicht ist der neue Mega-Plan nur ein schlechter Traum aus einer fernen Welt.