Die erste ganz große Aufgabe der Saison für Turbine Potsdam

Sofian Chahed weiß wo es lang geht. „Da geht’s raus“, weist der Cheftrainer des 1. FFC Turbine Potsdam den Fans den Weg. Mit Autogrammkarten und dem Turbine-Jahreskalender 2021 unterm Arm werden sie durch das Potsdamer Fitnessstudio von Katarina Witt geschleust.

Die zweimalige Eiskunstlauf-Olympiasiegerin posierte gemeinsam mit den Turbine-Spielerinnen für die Kalenderaufnahmen und hatte am vergangenen Mittwoch zur Signierstunde in ihr Fitnessstudio in der Schiffbauergasse eingeladen. Corona-konform gab es einen Eingang am Anfang der langen Signiertafel und an deren Ende den Ausgang, worauf Chahed die beglückten Fans immer wieder freundlich hinweisen musste.

In der Fußball-Bundesliga navigiert der einstige Hertha-Profi die Turbine-Mannschaft bislang äußerst erfolgreich über den Platz. Mit fünf Siegen und einem Remis aus den ersten sechs Saisonspielen gehört Potsdam mit München und Wolfsburg zum Führungstrio der Liga.

„Wir können sehr gut mit dem Trainer reden“, lobt Kapitänin Merle Barth und verrät, dass die Spielerinnen Chahed zunächst signalisieren mussten, dass Frauen etwas mehr Kommunikation brauchen. „Es ist schon besser, aber ich glaube, da geht noch mehr“, meint Merle Barth.

„Ganz gut“, lautet ihr Zwischenfazit nach der Hälfte der Hinrunde. „Wir hatten aber noch nicht das schwierigste Programm. Da warten noch Teams.“ Etwa der FC Bayern München. Am Sonntag gastiert Turbine beim aktuellen Tabellenführer (14 Uhr), es kommt zum Wiedersehen mit Sarah Zadrazil.

[Wenn Sie aktuelle Nachrichten aus Berlin, Deutschland und der Welt live auf Ihr Handy haben wollen, empfehlen wir Ihnen unsere App, die Sie hier für Apple- und Android-Geräte herunterladen können.]

80 Spiele in den vergangenen vier Jahren hat die Österreicherin für Turbine bestritten, ehe sie zum Champions-League-Teilnehmer an die Isar wechselte. Dort genießt sie die Nähe zu den Bergen und zur Heimat, die Nominierung der ARD-Sportschau für das „Tor des Monats September“ und den momentanen Platz an der Tabellenspitze – ein Gefühl, das bei Sarah Zadrazil schon einige Zeit zurückliegt.

Freundschaften fürs Leben

In ihrer ersten Potsdamer Saison wurde es Platz drei. Dieser ist auch für die aktuelle Spielzeit das erklärte Potsdamer Ziel. Am Sonntag treffen Chaheds Spielerinnen aber auf dem Bayern-Campus auf geballten Siegeswillen. „Drei Punkte sind unser Anspruch“, sagt Sarah Zadrazil. „Das wird viel über die Zweikämpfe gehen“, vermutet sie. „Komisch“ werde es sich anfühlen, gegen die einstigen Teamkolleginnen zu spielen. „Da sind Freundschaften fürs Leben entstanden“, sagt Zadrazil.

Bayern gegen Turbine – das ist auch das Kräftemessen zweier Teams, die auf einen sehr jungen Kader setzen, wobei die wirtschaftlichen Möglichkeiten in München weitaus größer sind. Neben Österreichs Nationalspielerin Zadrazil verstärkten sich die Bayern für diese Saison in der Offensive mit den deutschen Auswahlstürmerinnen Lea Schüller und Klara Bühl.

[Mehr guten Sport aus lokaler Sicht finden Sie – wie auch Politik und Kultur – in unseren Leute-Newslettern aus den zwölf Berliner Bezirken. Hier kostenlos zu bestellen: leute.tagesspiegel.de]

„Wir haben einfach Bock, Fußball zu spielen, Bock zu jagen und dann auch Wolfsburg zu ärgern“, sagte zu Saisonbeginn Giulia Gwinn, gleichfalls deutsche Nationalspielerin.

Wolfsburg sowie die Bayern zu ärgern, ist auch die Absicht von Turbine. Auch hier attestierte vor dem Ligastart Merle Barth ihrer Mannschaft viel Potenzial, das sich genau in solchen Spielen wie gegen München entwickeln kann. „Anders als in anderen Teams müssen unsere jungen Spielerinnen schnell eine tragende und führende Rolle einnehmen“, sagt sie.

Genau darin sehe sie die Wachstumschancen ihrer Mannschaft. Die ersten Aufgaben wurden erfolgreich gemeistert – 16 Punkte stehen unter dem Zwischenzeugnis. Für die nächste Aufgabe ändern sich die Vorzeichen: „In den bisherigen Spielen waren wir die Favoriten, in München ist das anders. Da müssen nicht wir das Spiel machen“, sagt Turbine-Coach Chahed. Klingt so, als hätte er eine Marschroute im Kopf, um auch am Sonntag zu sagen, wo es lang geht.