Die Eisbären bekommen Familienbesuch aus Krefeld

Die Zeit zwischen den Feiertagen, die war bis zum vergangenen Jahr die Feierzeit für die Deutsche Eishockey-Liga (DEL). Die Arenen waren allerorten voller als sonst, weil die Menschen viel Zeit für Stadionbesuche hatten. Da ließ sich dann für die Eisbären Berlin so ein lapidares Hauptrundenspiel wie gegen die Krefeld Pinguine in Windeseile ausverkaufen.

Doch das geht nun mal zurzeit nicht, wenn die Eisbären am Montagabend um 18.30 Uhr die Niederrheiner in ihrer Arena am Ostbahnhof empfangen, werden nur ein paar Ordner und Journalisten in der Halle sein. Schade natürlich, am Montag in mehrfacher Hinsicht, denn der Gegner bringt Gesichter mit nach Berlin, die Geschichten mit sich bringen.

Da ist etwa Leon Niederberger, der junge Flügelstürmer hat vergangene Saison noch mit Bruder Mathias für die Düsseldorfer EG gespielt, nun steht er seinem Bruder, seit dieser Saison im Eisbären-Tor, gegenüber.

Und da sind vor allem die beiden Braun-Brüder Constantin und Laurin, jahrelang bei den Berlinern nicht wegzudenken, werden sie jetzt erstmals in Berlin bei einem Gegner der Eisbären gemeinsam auftreten: Nun ist Angreifer Laurin – vier Meistertitel mit den Eisbären – schon seit 2017 nicht mehr in Berlin; Verteidiger Constantin, sechs Mal Meister mit den Eisbären, hingegen ist erst kurz vor dem späten Saisonbeginn nach Krefeld gewechselt. Der große Mann war in seiner rustikalen und auch zerbrechlichen Art ein Teil der Marke Eisbären.

Constantin Braun, Freund von Tattoos, hätte vom Klischee her auch der Leadsänger einer Grungeband sein können. Doch so knallhart war der Verteidiger, der oft auch stürmen musste, nicht – aufgrund seiner Depression legte er zweimal eine lange Spielpause ein. Vor zwei Jahren begab er sich dann wegen seiner Alkoholsucht in Behandlung und kehrte nach der Therapie wieder aufs Eis zurück.

Laurin Brauns Einsatz am Montag ist noch nicht ganz sicher

Die Comebacks des Constantin Braun sind seine Stärke. Er ist ein Kämpfer, im Spiel und im Leben. Über seine Erkrankungen spricht er nicht öffentlich, dass er sich aber immer wieder selbst besiegen kann – das ist auch auf dem Eis zu sehen. 1,90 Meter misst der stämmige Spieler, der bei den Eisbären mal den kräftigsten Schlagschuss hatte. Nicht umsonst wurde er einst von den Los Angeles Kings gedraftet, bis in die National Hockey-League schaffte es der gebürtige Badener allerdings nicht.

Nun ist er in Krefeld und dort scheint Constantin Braun klarzukommen – auch wenn die Mannschaft von Niederrhein, ein Mix aus vor allem deutschen und russischen Spielern, mit zwei Niederlagen zum Start nicht so überzeugen konnte.

Eisbären-Kapitän Frank Hördler, jahrelang Kollege von Braun in Berlin, sagt vor dem Spiel am Montag: „Constantin bekommt in Krefeld viel Eiszeit, spielt also viel und fühlt sich offensichtlich wohl dort. Natürlich wird das etwas Besonderes sein, wenn er nun gegen uns spielt – einfach wird es sicher aber nicht.“

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Für beide Seiten wird es das wohl. Aufpassen sollten die Eisbären, mit einem Sieg gegen Bremerhaven und einer Niederlage in Wolfsburg mittelprächtig in die verkürzte Saison gestartet, aber auch auf Laurin Braun. Der schnelle Stürmer ist der offensiv gefährlichste Krefelder und nun im Alter von 29 Jahren auf dem Höhepunkt seiner Karriere, die nach dem Weggang aus Berlin erst ihre Initialzündung erfuhr.

Ob er in Berlin spielen wird, ist aber nicht zu 100 Prozent sicher. Laurin kassierte im ersten Saisonspiel in Wolfsburg einen heftigen Check – Bruder Constantin stellte den Übeltäter Jeff Likens gleich zur Rede.

Womöglich hilft Constantin mit 32 Jahren auch der neue Arbeitgeber, um im Herbst seiner Karriere noch mal einen spielerischen Aufschwung hinzulegen. Und sicherlich hätte es ihn aufgebaut, wenn ihn die Berliner Fans nach dem Spiel in Berlin noch mal feiern würden. Aber das ist nun aufgeschoben in eine Zeit, in der die Eishockeyarenen wieder voll sein dürfen.