Die Deutsche Eishockey-Liga geht endlich an den Start

Lange haben sie sich geziert, zweimal den Saisonstart verschoben. Doch als die Klubs schon auf dem Wege waren, mit ihrer harten Sportart zur Jammerlappen-Liga des deutschen Profisports zu werden, haben sie gerade noch die Kurve gekriegt.

Die Deutsche Eishockey-Liga (DEL) spielt nun doch ihre Saison, am Donnerstag verkündeten die Gesellschafter der höchsten deutschen Spielklasse diese Entscheidung – Monate nachdem der Fußball, Handball, Basketball und sämtliche Eishockeyligen Deutschlands und Europa sich schon im Geisterspielmodus tummeln. Am 17. Dezember soll es nun losgehen, mit allen 14 Klubs; also gut drei Monate nach dem ursprünglich geplanten Saisonstart der DEL.

Für Gernot Tripcke war es ein besonderer Moment als er es am frühen Donnerstagnachmittag verkündete, dass es los geht. „Ich fühle mich sehr gut. Wir fangen zwar spät an, aber immerhin“, sprach der Geschäftsführer der DEL.

Auch Daniel Hopp, Gesellschafter des bis jetzt letzten Meisters Adler Mannheim, freut sich: „Alle haben einen großen Beitrag geleitest. Da war eine große Solidarität, die das möglich gemacht hat.“ Übersetzt heißt das: viele Menschen haben der DEL wirtschaftliche Unterstützung gegeben und viele Menschen haben auf Geld verzichtet.

Die 14 Klubs spielen in zwei Gruppen insgesamt 38 Mal in der Vorrunde

Es war ein steiniger Weg zur Saison, die jetzt „guten Gewissens begonnen werden kann“ (Hopp). Für viele Teams abseits der Ligagrößen München und Mannheim ist es eben ein Abenteuer, ohne Zuschauereinnahmen spielen zu müssen. Sie haben weder einen Getränkemulti noch einen weltweit operierenden Softwarekonzern im Rücken.

Zuletzt wurde gezittert oder auch gebettelt, wie bei den Kölner Haien, die immerhin eine Million Euro zusammenbekamen bei ihrer Spendenaktion „Immerwigger“. Wie groß die Verzweiflung war, zeigt dass nun bei den Haien Fußballprofi Lukas Podolski aufs Eis geschickt werden könnte. Das Kölsche Berufsidol hatte die Haie massiv unterstützt und sein Gastspiel auf dem Eis als Wetteinsatz geboten – wenn die Millionen zusammenkommt.

Auch andernorts wurde gesammelt, durften Klubs Geld aus verkauften Dauerkarten behalten oder bauten auf die Spieler: Viele Eishockeyprofis verzichten in dieser Saison auf einen Teil ihres Gehalts. Damit es weitergehen kann. Zudem gab es 800.000 Euro pro Klub an Hilfe aus der Politik – RB München hat das Geld nach Informationen des Tagesspiegels aber nicht in Anspruch genommen.

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Und am Ende mag das lange Zögern und Zaudern ob der Fortsetzung des Spielbetriebs den Klubs sogar genützt haben, zumindest denen, die ihre Teams nicht wie RB München schon seit Monaten durch Trainingsspiele und den sogenannten MagentaSport Cup haben turnen lassen. Viele Klubs hatten ihre Spieler in der Kurzarbeit, de facto gab es die Teams nicht – das heißt für August, September, Oktober und November kosteten sie auch nichts. Damit sind satte vier Monate eingespart. Das Warten hat sich also gelohnt.

Zumal wohl bis zum Start der National Hockey League (NHL) in Nordamerika Spieler von einer Qualität unterwegs sein, die sonst her nicht in der DEL spielen würden. Dominik Kahun zum Beispiel ist derzeit schon in München aktiv.

Zudem geben viele Teams der Liga dem Nachwuchs vermehrt eine Chance. Sicher geschieht das aus Kostengründen, denn gestandene Profis etwa aus Nordamerika verdienen halt mehr als ein 18 Jahre alter deutscher Spieler, wenn er nicht Tim Stützle heißt – der nach Meinung vieler Experten womöglich kommende NHL-Star spielt übrigens erst noch in Mannheim, wenn er denn seine Verletzung auskuriert hat.

Fast jeden Tag findet ein Spiel statt – damit die Fans wenigstens im Internet live dabei sein können

In Berlin wird Lukas Reichel die Eisbären vorerst auch nicht Richtung NHL verlassen, dort hatten sich die Chicago Blackhawks die Rechte an dem 18 Jahre alten Stürmer gesichert. Eisbären-Geschäftsführer Peter John Lee ist auch erleichtert, „dass es endlich losgeht. Die Zeit des Wartens war schon hart. Ich bin froh, dass alle Klubs dabei sind. Jetzt schauen wir mal“.

Der Modus wird aufgrund des späten Saisonbeginns verändert, drei Monate fehlen ja – dafür spielt die DEL diesmal bis in den Mai hinein. Um die Reisen kurz zu halten, wird die Liga in Gruppen unterteilt. In der einen Gruppe sind die Klubs aus dem Norden (Berlin, Bremerhaven, Wolfsburg) und Westen (Krefeld, Iserlohn, Köln, Düsseldorf). In den Divisionen spielen die Klubs vier mal Gegeneinander, gegen die Vertreter anderer Divisionen nur zwei Mal. Macht 38 statt sonst 52 Spiele in der Hauptrunde. Die vier ersten jeder Gruppe sind in den Play-offs, die dann im Modus „Best of three“ ausgespielt werden sollen.

Aber wer weiß schon, was im Mai 2021 los ist. Vielleicht wird die Eishockey-WM noch mal verschoben, vielleicht aber sind auch schon Zuschauer erlaubt im Profisport. In jedem Fall wird bald wieder Eishockey gespielt – quasi täglich übrigens, damit die Fans auch alle Spiele live bei MagentaSport im Internet verfolgen können. „So machen wir das Beste aus der Saison“, sagt Tripcke. Es sieht wohl so aus.