Die BR Volleys und die neue Geschlossenheit

Kaweh Niroomand war beunruhigt. Nach zwei Niederlagen in Folge gegen Friedrichshafen und die Netzhoppers waren die Bedenken des Managers der BR-Volleys vor dem Heimspiel gegen die United Volleys Frankfurt am Samstagabend durchaus begründet. Die Mannschaft habe “noch keine Seele”, ständig fielen Spieler aus, sodass die Volleys gerade einmal zwei Spiele in der angedachten Stammformation gespielt hätten. Im Anschluss an das Pokalaus am vergangenen Mittwoch habe Trainer Cedric Enard deshalb lange mit der Mannschaft gesprochen und bei der Besprechung, die Niroomand rückblickend als „sehr gut und offen“ bezeichnet, seien sich alle einig gewesen, dass eine andere Einstellung vonnöten sei.

Der erste Eindruck deutet darauf hin, dass die Ansprache Enards gefruchtet hat. Denn die Berliner besiegten Frankfurt in der leeren Max-Schmeling-Halle klar mit 3:0 (25:18, 25:18, 25:17). Zwar mussten sie erneut auf Sergej Grankin und Timothee Carle verzichten, dafür feuerten diese das Team umso lauter von den Bänken aus an. Auch die restlichen Spieler klatschten sich immer wieder ab und jubelten sich gegenseitig zu.

Die neue Geschlossenheit spiegelte sich im ersten Satz wider, in dem die Berliner sich durch eine Aufschlagserie von Cody Kessel schnell eine Führung von 9:4 aufbauen konnten. Diese ließen sie sich im weiteren Verlauf nicht mehr nehmen, sodass Samuel Tuia den Satz mit sieben Punkten Vorsprung zumachte.

Auch im zweiten Satz konnten sich die Berliner durch einen starken Block von den Gegnern absetzen und Benjamin Patch verwertete den Satzball beim Stand von 24:18 zur Führung. Anders als beim Pokalaus gegen die Netzhoppers bewiesen die Volleys im dritten Satz Konzentration. Zwar sorgte eine Handverletzung von Zuspieler Pierre Pujol kurzzeitig für Nervenflattern bei den Berlinern – und Sebastian Kühner, der bereits beim Spiel gegen Friedrichshafen reaktiviert wurde, musste einspringen.

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Doch auch davon ließen sich die Berliner nicht verunsichern. Eder Carbonera verwandelte schließlich den Matchball mit 25:17. „Es hat natürlich Spaß gemacht und nach den zwei Wochen habe ich mich auch bereit gefühlt, mich aufs Feld zu trauen.“, sagte Kühner, der eigentlich schon 2019 nach seiner sechsten Meisterschaft mit den Volleys zurückgetreten war.

Auch Anton Brehme freute sich über den Sieg. „Es lief viel besser, weil wir die letzten Spiele wirklich nicht gut gespielt haben“, resümierte der Mittelblocker. „Und ich glaube, die Besprechung nach dem Pokalspiel, bei der wir alle reden konnten, hat enorm dabei geholfen, dass wir heute so fokussiert und motiviert auftreten konnten.“ Vom weiteren Verlauf der Saison erhofft er sich, dass die Mannschaft sich nicht mehr so viele Niederlagen erlaube und weniger Verletzungen hinnehmen müsse. Sein Kollege Benjamin Patch sah das ähnlich: Es sei nicht einfach, den Rhythmus zu finden, sagte er – und beim letzten Spiel sei das Team eindeutig aus dem Rhythmus geraten. „Das heute war hingegen eine ganz andere Energie.“

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Volleys-Manager Niroomand zeigte sich im Anschluss an das Spiel zufrieden mit dem Ergebnis. Zwar bedauere er es, dass die Mannschaft mit Pujol den nächsten Verletzten verzeichne, aber die Bank habe an diesem Abend ganz anders mitgefiebert als sonst. Gerade in Zeiten, wo die Halle leer sei und keine Fans die Spieler anfeuerten, müsse die Energie aus der Mannschaft selbst kommen. „Das heute war ein ganz anderer Zusammenhalt auf dem Feld. Die Mannschaft ist auf dem Weg dorthin, ihre Seele wiederzufinden.“

Ob die Berliner ihren Rhythmus tatsächlich wiederfinden, wird sich am Samstag beim Spiel gegen Lüneburg und den darauffolgenden Champions-League-Spielen zeigen. Dass dann alle Spieler und vor allem Zuspieler einsatzfähig sind, ist angesichts der Verletzung von Pujol allerdings fragwürdig. Es könnte also nicht der letzte Einsatz von Kühner in diesem Jahr gewesen sein.