Die Bad Boys und das Känguru

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Der beliebteste deutsche Titel. „Als Hitler das rosa Kaninchen stahl“ von Caroline Link, mit Riva Krymalowski.Foto: Warner/Sommerhaus

Wie eine Nachricht aus vorvergangener, seliger Zeit mutet es an, wenn die Filmförderanstalt ihre Halbjahres-Statistik der Topseller an den deutschen Kinokassen veröffentlicht. Besucherzahlen der ersten sechs Monate 2020, war da nicht was? Den pandemie-bedingten Kinoschließungen wird im Vorwort natürlich Rechnung getragen: Man konzentriert sich diesmal auf die Top 20 anstelle einer Top-25-Liste. Denn aufgrund des notgedrungenen Besucherrückgangs von rund 50 Prozent sind die Zahlen so niedrig wie noch nie.

Auf Platz 1 der Spitzentitel steht das im Januar gestartete US-amerikanische Action-Sequel „Bad Boys for Life“ mit Will Smith: 1,8 Millionen Besucher. Es folgen der „Star Wars“-Film „Der Aufstieg Skywalkers“ und die Komödie „Nightlife“ mit 1,46 und 1,25 Millionen Besuchern. Die deutschen Top-Filme finden sich in der Liste auf Platz 10 und Platz 12: mit Caroline Links an Weihnachten 2019 angelaufener Literaturverfilmung „Als Hitler das rosa Kaninchen stahl“ und den unmittelbar vor dem Lockdown im März gestarteten „Känguru Chroniken“ von Dani Levy mit jeweils um die 700 000 verkauften Tickets. Als internationaler Arthouse-Titel brachte der südkoreanische Oscar-Gewinner „Parasite“ es auf 662 000 Besucher.

Zum Vergleich: Im ersten Halbjahr 2019 verzeichneten die erfolgreichsten Filme knapp fünf Millionen („Avengers: Endgame“) und knapp drei Millionen Kartenverkäufe („Der Junge muss an die frische Luft“). Zahlen, von denen die Filmbranche derzeit nur träumen kann.

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Weil dieses Jahr wegen der anhaltenden Startverschiebungen nur sehr wenige US-Blockbuster anliefen, tauchen mehr deutsche Titel bei den Top 20 auf. Unter anderem sind die Komödien „Das perfekte Geheimnis“, „Enkel für Anfänger“ und Til Schweigers „Die Hochzeit“ dabei sowie das Biopic „Lindenberg! Mach dein Ding“.

Auch die Förderanstalt selbst braucht jetzt Hilfe vom Staat

Die FFA ist eine vom Bund installierte und von der Branche finanzierte Fördereinrichtung. Sie sammelt die staatlich vorgeschriebenen Ticketabgaben der Verwerter, also der Kinos, der Sender, der DVD- und Streaming-Anbieter ein und schüttet diese Gelder unter anderem für Drehbuch-, Produktions- und Verleihförderung wieder aus. Geschlossene Kinos, das bedeutet auch deutliche sinkende Einnahmen für die FFA – weshalb Kulturstaatsministerin Monika Grütters die FFA im Rahmen des „Neustart Kultur“-Programms vom Sommer mit 30 Millionen Euro unterstützt. Davon gehen 10 Millionen Euro in die Verleihförderung, eine Million Euro in den Vertrieb und 19 Millionen Euro direkt in den FFA-Haushalt. Grütters’ Begründung: „Wir helfen damit der Helferin“. chp