Der SC Freiburg und die Grenzen der eigenen Möglichkeiten

Der Sport-Club Freiburg will einfach nur in der Bundesliga bleiben – und plant für den Winter eine große Veränderung.




Ermedin Demirovic (rotes Trikot) im Zweikampf mit Jeremy Guillemenot.Foto: dpa

Am 18. September startet die Fußball-Bundesliga in die neue Saison. In unserer Serie testen wir die Vereine. Heute Teil elf: SC Freiburg.

Was hat sich verbessert?

Eine schwierige Frage bei einem Verein, der zuletzt mindestens an der oberen Grenze der eigenen Möglichkeiten agiert und als Achter fast einen Platz in Europa gebucht hat. Wenn in der Tabelle alles so bleibt, wäre das ein unglaublicher Erfolg. Aber im Kader ist einmal mehr nicht alles so geblieben. Torwart Alexander Schwolow (Hertha BSC), Abwehrspieler Robin Koch (Leeds United) und Stürmer Luca Waldschmidt (Benfica Lissabon) sind weg. Eventuell wechselt auch Mittelfeldspieler Janik Haberer.

Zudem ist Mike Frantz zum Zweitligisten Hannover 96 gegangen. Frantz, Kapitän und Identifikationsfigur, hatte zuletzt kaum noch Einsatzzeit. Man trennte sich im Guten – Freiburg eben! Die Abgänge haben gut 35 Millionen Euro eingebracht. Neu investiert wurde in geringem Umfang. Der Kontostand ist also nach oben gegangen, was nach den besonders für die kleineren Vereine der Liga auch in finanzieller Hinsicht harten Coronavirus-Monaten sehr gut tut.

Wer sind die Neuen?

Gekommen sind wieder Spieler, die erst noch große Namen werden sollen: Da wäre Mittelstürmer Ermedin Demirovic von Deportivo Alaves, er spielte zuletzt beim FC St. Gallen stark und kostete 3,7 Millionen Euro. Der gebürtige Hamburger war im Nachwuchs beim HSV und RB Leipzig und ist bosnischer U21-Nationalspieler.

Auch neu sind der Niederländer Guus Til (Mittelfeld, für 900 000 Euro von Spartak Moskau ausgeliehen), wie Demirovic 22 Jahre alt, und Torwart Benjamin Uphoff (27/ablösefrei vom Karlsruher SC), der sich wohl hinter Mark Flekken wird einordnen müssen.

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Wer hat das Sagen?

Im Kader tut sich stets viel, bei den Entscheidungsträgern herrscht Kontinuität. Das zahlt sich aus. Die Vorstände Oliver Leki (Finanzen) und Jochen Saier (Sport) sind seit 2014 im Amt, Sportdirektor Klemens Hartenbach seit 2013. Trainer Christian Streich leitet die Mannschaft seit bald neun Jahren an, nur eines davon fand in der Zweiten Liga statt.

Streich hat noch nicht genug: „Ich bin ja noch nicht so alt, ich möchte gerne noch ein wenig weitermachen. Ich arbeite auf dem Kickplatz und nicht in einem Steinbruch“, sagte der 55-Jährige im Sommer der „Süddeutschen Zeitung“.

Was erwarten die Fans?

In anderen Vereinen würden viele einen weiteren Schritt nach vorn als angemessen erachten. Das ist in Freiburg ziemlich unrealistisch und unrealistische Sachen passen nicht zum Klub. Vielen würde es reichen, möglichst weit weg vom 16. Tabellenplatz einzulaufen.

Was ist in dieser Saison möglich?

„Die Breite vom Vorjahr werden wir wohl nicht nochmal haben, aber wir wollen wieder so aufgestellt sein, dass wir in der Lage sind, Bundesligaspiele zu gewinnen“, sagte Streich dem SWR. Das sollte machbar sein. Und zwar in einer Größenordnung, die zum Klassenerhalt reicht.

Und sonst?

Geht es bald 15 Kilometer nach Nordwesten. Das neue Stadion ist mit knapp 35 000 Plätzen deutlich größer als das frühere Dreisamstadion, mehr als ein Drittel sind Stehplätze. Geplanter Umzugstermin ist die Winterpause.

Bisher erschienen:

Teil 1: VfB Stuttgart – sympathisch und unerfahren wie nie
Teil 2: Arminia Bielefeld ist immer für eine Überraschung gut
Teil 3: Werder Bremen will endlich wieder Spaß
Teil 4: Der FC Augsburg sucht eine neue Hierarchie
Teil 5: Glück allein wird dem 1. FC Köln nicht reichen
Teil 6: Mainz 05 will aus der Jugend eine Tugend machen
Teil 7: Auf Schalke glänzt nur noch die Knappenschmiede
Teil 8: Der 1. FC Union ist auf allen Ebenen aktiv
Teil 9: Hertha BSC und ein Sack voller Zweifel
Teil 10: Bei Eintracht Frankfurt tragen sogar die Stars Preisschilder