Der Mitteldrittel-Blues ärgert den Trainer

Berlin – Wenn sich Eishockeyspieler aus Bremerhaven eine Kappe mit der Aufschrift „Kutterfisch“ aufsetzen müssen, dann haben sie in der Regel etwas Gutes für ihre Fischtown Pinguins getan. Zum Beispiel ein Tor geschossen. So wie Carson McMillan am Freitagabend nach dem ersten Drittel gegen die Eisbären aus Berlin. Da hatte der Angreifer aus Bremerhaven die Kappe mit der Sponsorenaufschrift für das Fernsehpauseninterview mit seinem Helm getauscht. Der Kanadier hatte das 1:0 gegen die Berliner erzielt und palaverte belanglos aber zufrieden von einer guten Vorstellung seiner Mannschaft, die nach dem ersten Drittel – da stand es noch 1:1 – noch viel besser werden sollte. Denn die Pinguins siegten 5:3 (1:1, 3:0, 1:2) im Spitzenspiel der Nordgruppe in der Deutschen Eishockey-Liga.

Warum der Tabellenführer aus Berlin derart verlor beim Zweiten aus Bremerhaven, war nicht so ganz zu verstehen. In eigener Halle hatten die Eisbären die Fischtown Pinguins in zwei Spielen geschlagen. Als Entschuldigung konnte wohl auch kaum herhalten, dass Mark Zengerle und Pierre Cedric Labrie verletzt fehlten und im Spiel dann noch Giovanni Fiore verletzt ausfiel: Diese Spieler eher nicht diejenigen, auf die es in erster Linie ankommt bei den Eisbären.

Im ersten Drittel spielten die Berliner ordentlich mit, der Ausgleichstreffer von Zack Boychuck war nach dem Führungstor von Bremerhaven durch McMillan Belohnung dafür. Allerdings waren die Lücken in der Berliner Abwehr schon von Beginn an erstaunlich groß. Und im zweiten Abschnitt verlor Torwart Mathias Niederberger den Spaß an der Veranstaltung, die in drei Spielminuten und 15 Sekunden entschieden wurde. Jan Urbas, Maxime Fortunus und wieder McMillan trafen in dieser knappen Zeitspanne für die Pinguins und Niederberger hatte genug. Tobias Ancicka kam ins Berliner Tor. „Das zweite Drittel hat uns das Genick gebrochen“, sagte Eisbären-Verteidiger Kai Wissmann später. „Obwohl wir danach noch einmal alles gegeben haben.“

Die Eisbären kamen im letzten Drittel nach Toren von Jonas Müller und Leo Pföderl sogar noch auf 3:4 heran und damit war klar, dass die Niederlage irgendwie eine unnötige werden sollte. Niklas Andersen besiegelte sie mit einem Schuss ins leere Berliner Tor, Ancicka hatte das Eis zugunsten eines sechsten Feldspielers verlassen. Und wenig später durfte Jan Urbas, bester Bremerhavener, mit Kutterfisch-Kappe vors Mikrophon von „Magentasport“ und sagen: „The pucks went in.“

Zu derartig weltbewegenden Erkenntnissen kam Parker Tuomie nicht, aber der Berliner Spieler war trotz Niederlage berührt. Schließlich war er der einzige Mensch auf dem Eis am Freitag, der schon mit fünf Jahren wusste, wo Bremerhaven liegt: Tuomie sagte nach der Niederlage in seiner Heimatstadt: „Im zweiten Drittel haben wir die Fehler gemacht und die haben das gut genutzt. Drei Tore sind eben schwer aufzuholen. Am Ende hat Bremerhaven verdient gewonnen.“ An der Tabellenführung konnten die Fischtown Pinguins allerdings nicht rütteln, die Eisbären sind nach der Niederlage noch mit fünf Punkten Vorsprung vorn. Tsp