Der legendäre Entdecker – für Kinder erklärt

Kanonendonner, Kirchengeläut und ungezählte Schaulustige im Hafen von Lissabon: 22 Schiffe stechen im März 1505 zeitgleich in See. Ziel der Flotte ist Indien, wo die Portugiesen die Vorherrschaft der Muslime im Gewürzhandel brechen  wollen. An Bord ist auch der 25-jährige Fernao Magalhaes, der schon als Kind von fernen Welten geträumt hat.

Wie es hart es an Bord zuging, welche Ängste der junge Mann ausstehen musste und wie er seinen Admiral rettete, hat Christine Schulz Reiss spannend für Kinder aufgeschrieben.

[Christine Schulz-Reiss: Fernando Magellan – einmal um die ganze Welt, Kindermann Verlag Berlin, 2020, 36 Seiten, 18 Euro, für Kinder ab acht Jahre].    

Die detaillierten Illustrationen von Klaus  Ensikat spiegeln das Leben an Bord wider. Dick bauschen sich die grauen Segel der Karavelle, zwei ausgemergelte Gestalten schrubben barfuß das Deck, Helfer mit struppigen Haaren ziehen am Tau.

Illustration: Klaus Ensikat, Copyright: Kindermann Verlag 2020

Fernao bleibt sieben Jahre lang für Portugal in Indien. Einen Dank vom König bekommt er dafür nicht. Er wartet, hadert – und schließt sich dann Spanien an. Fernando Magellan nennt er sich jetzt. Ihm wird die erste  Weltumseglung gelingen, Welchen Strapazen er und seine Männer unterwegs ausgesetzt sind, erzählt die Autorin mit vielen Anekdoten. Der ständige Zwist unter den Kapitänen ist Thema, denn die „echten“ Spanier wollen Magellans Autorität – „nur ein Portugiese“ -nicht anerkennen. Zur Sprache kommt aber auch, wie die Einheimischen von Magellans Leuten betrogen werden und welches Leid sie erdulden müssen. Hier bei den Fakten zu bleiben und alles kindgerecht zu erzählen, gelingt Christine Schulz-Reiss ausgezeichnet.

Ansprechend eingebunden: Schon das Buchcover führt in die richtige Zeit.Foto: Illustration Klaus Ensikat, Copyright Kindermann Verlag 2020

Fernando Magellan kehrt nicht mehr nach Spanien zurück. Er stirbt am 27. April 1521 auf der philippinischen Insel Mactan im Kampf mit Eingeborenen. Abenteuerlust, Mut und Akribie machten ihn für die Nachwelt zum Idol. Doch längst ist Magellan nicht mehr der unumstrittene Held, der die südamerikanische Meerespassage zwischen Atlantik und Pazifik fand, die ihm zu Ehren Magellanstraße heißt. Im vorliegenden Buch wird der Wahlspanier nicht glorifiziert, sondern im Kontext der Zeit vorgestellt.

Das sehr ansprechend gestaltete und gebundene Buch ist in der Reihe „Kinder entdecken berühmte Leute“ erschienen. Porträtiert wurden zuvor Johannes Gutenberg und Leonardo da Vinci. Die nächste Persönlichkeit in der Reihe wird  Marie Curie sein.